Der harte Alltag hinter schönen Sträußen: „Das Saarland ist total verwaist

Verfärbte Finger, lange Tage, kaum regionale Blumen: Floristin Stefanie Hemstedt zeigt, was hinter bunten Sträußen steckt und warum Instagram das Geschäft verändert – nicht immer zum Besseren. Und sie gibt Tipps, damit Schnittblumen bei Hitze länger halten.

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Der harte Alltag hinter schönen Sträußen: „Das Saarland ist total verwaist
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Der harte Alltag hinter schönen Sträußen „Das Saarland ist total verwaist" – Völklinger Floristin über einen Beruf im Wandel

Völklingen · Verfärbte Finger, lange Tage, kaum regionale Blumen: Floristin Stefanie Hemstedt zeigt, was hinter bunten Sträußen steckt und warum Instagram das Geschäft verändert – nicht immer zum Besseren. Und sie gibt Tipps, damit Schnittblumen bei Hitze länger halten.

02.08.2026 , 07:00 Uhr

Ein „sommerlich-bunter“ Strauß sollte es für die Kundin werden. Stefanie Hemstedt (rechts) hat sich für diese Kombination entschieden, bei der sich einige Blüten erst noch öffnen werden.

Ein „sommerlich-bunter“ Strauß sollte es für die Kundin werden. Stefanie Hemstedt (rechts) hat sich für diese Kombination entschieden, bei der sich einige Blüten erst noch öffnen werden.

Foto: Hannah Merk

Was schreit mehr nach Sommer als bunte, blühende Blumen? Mitten in dieser Jahreszeit hat die SZ deshalb im traditionsreichen Blumenhaus Eisenbarth in der Karl-Janssen-Straße in Völklingen mit Inhaberin und Floristin „Blumen-Steffi“ Stefanie Hemstedt gesprochen. Wie steht es um das künstlerische Handwerk? Und wie wirkt sich die Hitze auf die Blumen aus?

Floristik in den Genen

Der 59-Jährigen, die den Laden 2013 übernommen hat, ist die Floristik in die Wiege gelegt worden: Ihre Eltern haben dasselbe gemacht, auch ihre ältere Schwester Christine Treinen, die im Laden mitarbeitet, ist Floristin.

Hinter den Kulissen ist der Beruf nicht nur der eines „Blumenbinders“, wie der Beruf früher hieß. Stefanie Hemstedt ist auch Unternehmerin, muss sich mit immer weniger Laufkundschaft über Wasser halten, dem Zeitgeist folgen, anspruchsvollen Kunden gerecht werden und etwa die Entsorgung vom Verpackungsmaterial selbst bezahlen. „Es sieht erst einmal toll aus, wie auf Instagram, aber die Finger sind nie sauber“, sagt sie und zeigt zur Demonstration ihren Daumen, der durch das ständige Arbeiten mit den Pflanzen verfärbt und mit kleinen Schnitten vom Stieleanschneiden übersät ist. Außerdem sei man den ganzen Tag auf den Beinen.

Regional Blumen zu beziehen, ist zunehmend schwieriger

Was Blumen angehe, sei das Saarland „total verwaist“, berichtet die Fachkraft. Saarländische Blumen gebe es gar keine mehr, die nächstgelegenen bezieht sie aus dem Rhein-Main-Gebiet. Rosen legen eine besonders weite Reise zurück: Die kommen aus Südafrika, sind Fair Trade. Das seien die besten und üppigsten Exemplare. Hemstedt muss die Blumenbestellungen in der Regel am Vortag bis 12 Uhr machen. Das befördere sie nicht selten in einen Spagat zwischen Planbarkeit und spontanen Kundenwünschen, die dann manchmal nicht erfüllt werden könnten.

Für die SZ-Volontärin hat Stefanie Hemstedt mal eben ein sommerliches Sträußchen gezaubert – farblich passend zu ihrer Kleidung.

Für die SZ-Volontärin hat Stefanie Hemstedt mal eben ein sommerliches Sträußchen gezaubert – farblich passend zu ihrer Kleidung.

Foto: Hannah Merk

Richtig ins Schwärmen kommt Hemstedt, als sie von Zeiten berichtet, in denen noch fliegende Händler vorbeikamen und man sich die Blumen vor Ort habe aussuchen können. Was aber passieren kann, wenn nur noch über ein Foto online bestellt wird, zeigt sie an der aktuellen Sonnenblumen-Lieferung: „Die Blüte war gestern auf dem Foto noch geschlossen“, schildert die Floristin und zeigt eine der Sonnenblumen. Die Blume hat einen braunen Kranz um den Blütenkopf herum – Hemstedt hätte sie eigentlich gerne gelber gehabt.

Blumen leiden unter hohen Temperaturen

Die derzeitige Hitze mache auch den Pflanzen zu schaffen. Man merke den Schnittblumen Temperaturunterschiede und Wassermangel schnell an. Eigentlich sollten Blumen bei etwa zehn Grad transportiert werden; aber wer habe im Auto schon solche Temperaturen?

Auch bei Hitze haben’s die Blumen im Blumenhaus Eisenbarth im Kühlraum kalt.

Auch bei Hitze haben’s die Blumen im Blumenhaus Eisenbarth im Kühlraum kalt.

Foto: Hannah Merk

Umso wichtiger deshalb: Schnittblumen so schnell wie möglich ins Wasser stellen und nach dem Kauf beziehungsweise regelmäßig mit einem scharfen Messer schräg anschneiden. „Oma hat die Blumen früher nachts in den Flur gestellt, weil es da kühler war“, so die Floristin. Auch wenn die Blumen bereits mit Wassermangel gewachsen sind, sieht Hemstedt das. Gerade bei Rosen, Chrysanthemen und Hortensien könne sie das an deren Größe erkennen.

Auch in der Floristik gibt es Trends

Wo vor fünf Jahren noch große Gerbera und Ähnliches „in“ gewesen seien, wollten heute die meisten kleinblumige und vielfältige Wiesensträuße haben – zum Beispiel mit Disteln, die früher kaum genutzt wurden. Etwas lachen muss Hemstedt über die „neuen“ Monsteras, von denen auch eine größere im Laden zum Verkauf steht. Jahrelang habe niemand etwas von Grünpflanzen wissen wollen, jetzt hätten diese ein „totales Hoch“. Die „neuen“ Monsteras habe es aber auch schon 1987 gegeben, als sie ihre Ausbildung zur Floristin beendet hatte.

Stark beeinflusst würden diese Moden von den sozialen Medien. Hemstedt hat selbst einen Instagram-Kanal. Aber über manche Kundenanfragen wundert sie sich doch – zum Beispiel über riesige Sträuße mit nur einer Sorte Blumen. Für sie persönlich sei das eher langweilig. Aber die Wünsche der Kunden hätten immer Priorität.

Die passende Vase ergänzt den bunten Strauß, der den aktuellen Trend kleinblumige Wiesensträuße aufgreift.

Die passende Vase ergänzt den bunten Strauß, der den aktuellen Trend kleinblumige Wiesensträuße aufgreift.

Foto: Hannah Merk

Rote Rosen sind nicht bei allen ein Zeichen der Liebe

Auch kulturelle Unterschiede fallen ihr auf: So habe sie sehr gestutzt, als ein Vater rote Rosen im Auftrag seines Sohnes gekauft hatte, der sich mit den Blumen bei seiner Lehrerin bedanken wollte. In Hemstedts Verständnis seien rote Rosen klar Zeichen einer Liebeserklärung. Aber das sei eben nicht in allen Ländern so.

Sonst hält die Floristin nicht viel vom Festlegen auf Bedeutungen und Konventionen bei der Blumenauswahl. So etwas wie klassische Friedhofsblumen gibt es für sie nicht. Sie zeigt Bilder ihrer Trauerfloristik: Dort sind viele bunte Gestecke zu sehen. „Wenn jemand zum Beispiel ein fröhlicher oder ein Gartenmensch war“, erläutert Hemstedt.

Blumen als Emotionsbegleiter

Blumen sind für Stefanie Hemstedt vor allem Emotionsbegleiter. Wenn es der Pflanze schlecht gehe, gehe es einem auch schlecht – und umgekehrt. Sträuße stellt sie gerne so zusammen, dass sich einzelne Blüten erst nach einigen Tagen öffnen: „Dann sieht er jeden Tag anders aus.“ Und, damit es Blumen und Beschenktem gut geht, nach dem Kauf nicht vergessen: Stiele unten anschneiden! (mr)