Der Hund macht, was er will? – Trainerin nennt drei Fehler, die viele Halter machen

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Der Hund macht, was er will? – Trainerin nennt drei Fehler, die viele Halter machen

Stand: 14.08.2026, 06:45 Uhr

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Manchmal liegt die Lösung nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Hundetrainerin Kristin Wildoer erklärt, worauf es im Alltag wirklich ankommt.

Welver – Nanuk hält ein Schläfchen in der Sonne. Eine Schar Hühner spaziert um ihn herum. Nichts – so scheint es – kann ihn aus der Ruhe bringen. Das war nicht immer so.

Durch ihren Straßenhund Nanuk beschäftigte sich Kristin Wildoer intensiver mit den Verhaltensweisen der Vierbeiner. Jetzt gibt sie ihr Wissen in Trainings weiter.

Durch ihren Straßenhund Nanuk beschäftigte sich Kristin Wildoer intensiver mit den Verhaltensweisen der Vierbeiner. Jetzt gibt sie ihr Wissen in Trainings weiter. © Sarah Hanke

Der Rüde kam als Straßenhund aus Rumänien ins Tierheim Ahlen – und so als Zweithund zu Kristin Wildoer und ihrem Lebensgefährten nach Welver. „Der kam völlig roh zu uns. Vermutlich fünfjährig. Der konnte auch nichts“, erinnert sich seine Besitzerin.

Eine Herausforderung namens Nanuk

Weder seinen Namen noch Treppensteigen. Auch Autofahren und das Zusammenleben mit den anderen Tieren mussten erst gelernt werden. „Ich habe mit ihm bei Null angefangen.“ Besonders die Hühner waren eine Herausforderung. Drei Monate dauerte es, bis Wildoer ihn auf dem Hof ableinen konnte. „Das war für uns total wichtig, dass die hier weiter frei rumlaufen können.“

Nanuk war der Zweithund. Lotta, die 15-jährige Hündin ihres Lebensgefährten, war schon da. Über Nanuk kam Wildoer noch intensiver mit dem Thema Hundeverhalten in Berührung. Sie begann, sich einzulesen und Fachinformationen zu sammeln. Daraus entstand schließlich der Wunsch, selbst mit Hunden und ihren Haltern zu arbeiten und Wissen und Erfahrung weiterzugeben.

Im Mittelpunkt des Trainings stehen Hund und Herrchen

Hauptberuflich arbeitet sie im Schichtdienst als Krankenschwester in Kliniken und auf der Intensivstation. Das Hundetraining betreibt sie im Nebenerwerb. Unter „Familienhunde Welver“ bietet sie ihre (mobile) Hundeschule an. Eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Hundetrainer gibt es nicht. Wer gewerblich Hunde und ihre Halter ausbildet, braucht allerdings eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 Nr. 8 f Tierschutzgesetz. Zuständig ist das Veterinäramt.

Hundetrainer heißt ja nicht, dass ich den Hund an die Leine nehme und mit dem übe.

Bei ihrer Arbeit geht es der zertifizierten Trainerin nicht darum, den Hund selbst zu übernehmen. „Hundetrainer heißt ja nicht, dass ich den Hund an die Leine nehme und mit dem übe.“ Im Mittelpunkt stehe der Halter, der von ihr angeleitet wird. Er müsse lernen, seinen Hund zu führen. Ziel sei es, eine harmonische Beziehung zwischen Hund und Halter aufzubauen.

Deshalb arbeitet Wildoer mobil, mit dem Ziel, mit Hund und Besitzer im jeweiligen Setting zu üben. Bei Problemen mit dem Alleinbleiben oder wenn ein Hund zu Hause nicht zur Ruhe kommt, kann sie sich die Situation direkt dort ansehen und daran arbeiten. Daneben gibt es Gruppenangebote (Social Walks) und Welpenangebote.

Drei Fehler, die Halter machen

Einen Fehler beobachtet die 40-Jährige besonders häufig: Halter vermenschlichen ihre Hunde. Kommt der Hund etwa auf einen Rückruf nicht zurück, werde angenommen, „der macht das doch jetzt extra“. Bewusst ärgern, das könnten Hunde nicht, erklärt Wildoer. Zweitens: zu wenig kleinschrittiges Training. Nur weil etwas einmal funktioniert, sei es nicht automatisch dauerhaft gelernt. „Der Hund ist nicht einfach fertig“, erinnert sie an den nötigen kontinuierlichen Prozess. Häufig fehle es an Konsequenz und Durchhaltevermögen. Ständiges Wiederholen sei das A und O.

Und drittens: zu viel Programm. Gerade in stadtnahen Bereichen würden Hunde manchmal unbeabsichtigt überfordert, weil sie ständig mitgenommen würden und viel Action hätten.

Ruhe und Geduld als Schlüssel für den Familienhund

Was hilft? Den Hund als Hund wahrzunehmen und ihm durch verlässliche Regeln Sicherheit zu geben. „Regeln machen auch Verlässlichkeit.“ Auch die Körpersprache und das Lesenlernen des eigenen Vierbeiners gehören dazu. Ein Hund, der sich wegdreht, die Lippen leckt oder knurrt, zeige bereits, dass ihm eine Situation zu viel ist. „Ich bin absolut für Kinder und Hunde. Nur eben nicht unbeaufsichtigt.“ Besonders im Zusammenleben mit Kindern sei es wichtig, solche Signale früh zu erkennen.

„Vor allem habe ich in der Anfangszeit ganz viel über Ruhe und Geduld gelernt.“ Wenn etwas mal nicht vorangehe, müsse man sich selbst zurücknehmen und tief durchatmen. „Es ist gar nicht so einfach, ruhig zu bleiben.“ Nanuk kann das inzwischen offenbar ziemlich gut.