Der Klimawandel trifft den Waldecker Stadtwald

Revierförsterin Sarah Steinbrück führte Bürger durch den Waldecker Stadtwald und zeigte sichtbare Klimaschäden. Für die reine Pflanzung von Mischbaumarten fallen bis zu 8000 Euro pro Hektar an.

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Der Klimawandel trifft den Waldecker Stadtwald

Stand: 29.09.2026, 08:00 Uhr

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Städtischer Waldtag statt Treffen im Konferenzsaal des Rathauses:

Die ersten begehen den eröffneten Waldlehrpfad: Der Weg schlängelt sich zwischen den verschiedenen Bäumen und Pflanzen hindurch. Hinweisschilder an den einzelnen Stationen informieren über die Natur. © Foto: Aileen Raddatz

Revierförsterin Sarah Steinbrück führte Bürger durch den Waldecker Stadtwald und zeigte sichtbare Klimaschäden. Für die reine Pflanzung von Mischbaumarten fallen bis zu 8000 Euro pro Hektar an.

Waldeck – „Wir dürfen nie vergessen, dass der Wald auch ein Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere ist“, sagt Sarah Steinbrück. Die Revierförsterin nimmt ihre Gäste an einem Waldweg zwischen Netze und Freienhagen in Empfang. Bei einem Rundgang durch den Waldecker Stadtwald erfahren die von Bürgermeister Nicolas Havel eingeladenen Bürgerinnen und Bürger eine Menge über die sichtbaren Veränderungen, die der Klimawandel auslöst. Und es geht darum, wie das eingeschlagene Holz unter dem PEFC-Siegel vermarktet wird. Die Revierförsterin und ihr Chef Hendrik Block, Geschäftsführer der Kommunalwald GmbH, liefern die Informationen.

Revierförsterin Sarah Steinbrück führt durch den Waldecker Stadtwald und erläutert die Herausforderungen des Klimawandels.

Revierförsterin Sarah Steinbrück führt durch den Waldecker Stadtwald und erläutert veränderte Herausforderungen in der Waldbewirtschaftung mit Blick auf den Klimawandel. © Foto: Aileen Raddatz

Die Försterin führt die Gäste zu einer großen Wiese, die an den Stadtwald grenzt. Sie zeigt auf eine Baumgruppe: „Das beruhigende Bild einer intakten Natur täuscht. Die Blätter sind schon viel zu gelb für diese Jahreszeit.“

Waldeck bald Waldhauptstadt?

Der Waldecker Stadtwald zählt zu den PEFC-zertifizierten Wäldern. Karl-Gerhard Nassauer ist Vorsitzender der Regionalen PEFC-Arbeitsgruppe Hessens: „Uns gehören 93 Prozent der hessischen Waldbetriebe an, darunter über 800 Forstbetriebe“, berichtet er. Sarah Steinbrück erklärt: „Runtergebrochen bedeutet PEFC, dass der Endverbraucher, beispielswiese der Käufer eines Stuhls, genau weiß, aus welchem Wald das verarbeitete Holz stammt.“

Die Stadt Waldeck hat sich ofiziell als „PEFC-Waldhauptstadt“ für 2027 beworben. Dieser Titel wird einmal jährlich vergeben an Kommunen, die sich durch eine langjährige, zertifizierte Bewirtschaftung ihres Waldes nach ökologischen, ökonomischen und sozialen Standards auszeichnen. Im Mittelpunkt stehen stabile Mischwälder, die Förderung der Biodiversität und die Information der Öffentlichkeit über die Bedeutung des Ökosystems Wald.

Mit der Auszeichnung würde Waldeck 1000 Euro Preisgeld gewinnen für Pflanzaktionen im Stadtwald und für die Öffentlichkeitsarbeit. PEFC Deutschland begleitet das Waldhauptstadtjahr unter anderem mit Presse- und Social-Media-Aktivitäten sowie weiteren Publikationen. 3.000 Euro stehen bereit, um den Titel bekannt zu machen durch Hinweisschilder, Pflanzaktionen und Veranstaltungen.

Anderthalb Jahre Niederschlag fehlen

Seit 2018 habe es mit wenigen Ausnahmen deutlich zu wenig geregnet, fügt Block hinzu: „In Hessen fehlen insgesamt anderthalb Jahre an Niederschlag. Die Bodenspeicher sind leer.“ Die Eichen und Buchen des Waldecker Stadtwaldes sähen aktuell zwar noch gesund aus, aber „in drei bis fünf Jahren wird man ihnen die trockenen Jahre deutlich ansehen. Übernächsten Herbst wird das Waldbild ein anderes sein.“

Immherin: „Ich habe deutlich schlimmere Wälder gesehen“, tröstet die Expertin. Sie ist seit fast sechs Jahren in Waldeck tätig, vorher arbeitete sie in anderen Regionen Deutschlands. Es gilt, sich anzupassen. „Natur ist Natur. Wir müssen flexibel bleiben und für jeden Standort eigene Entscheidungen treffen“, sagt die gebürtige Thüringerin.

Nicht jeder gepflanzte Baum überlebt

Spaziergänger stellen bei Begegnungen mit der Försterin oft Fragen wie diese: Warum liegt ein Waldrand brach? Warum werden bestimmte Baumarten an manchen Stellen nicht gepflanzt? „Nicht jeder Baum kommt an jedem Standort zurecht“, lautet Sarah Steinbrücks Erklärung. Zudem sei jede Pflanzung mit einem Risiko verbunden. Es gebe keine Garantie, dass ein Baum an seinem neuen Platz angehe. Sie verdeutlicht: „Ein Baumschulenbaum wird aus seinem Aufzuchtort herausgerissen, an anderer Stelle eingepflanzt und soll plötzlich mit den neuen Gegebenheiten einfach so zurechtkommen. Das kann nicht immer funktionieren.“ Das gilt auch für die 15.000 Bäume, die in ihrem Revier 2026 gesetzt wurden.

Pro Hektar 8000 Euro Pflanzkosten

Das kostet viel Geld. „Nur für die reine Pflanzung von Mischbaumarten, aus Laub- und Nadelholz, kommen bis zu 8000 Euro pro Hektar zusammen“, unterstreicht die Försterin. Die Wiederaufforstung sei aber unausweichlich. „Uns ist viel Wald verloren gegangen“, berichtet sie. Nicht allein der Borkenkäfer, der zu Beginn der 2020er Jahre viele Nadelbäume der Region befiel, sei für den Waldverlust verantwortlich. Der Waldecker Stadtwald bestehe zu rund 65 Prozent aus Laubholz, davon seien etwa 52 Prozent Buchen. Ihnen machte eine andere Käferart zu schaffen: Rindenbrüter, die sich zwischen Stamm und Rinde einnisten. So hat jede Baumart ihren eigenen Fressfeind.

Beschädigte, aber nicht mehr befallene Bäume, werden nicht immer beschnitten oder gefällt. „Das Nachwachsen neuer Bäume dauert zu lange und die beschädigten Bäume spenden dem Waldboden wertvollen Schatten. Ohne diesen Schutz fällt zu viel Licht ein. Die Hitze wirkt noch stärker.“

Näheres zum Thema lesen Sie in der gedruckten WLZ-Ausgabe vom 28. September 2026.