Der umgekehrte Weg: Wieso ein Altenpfleger in Hamm doch das Heim wählte

wa.deHammStand: 17.08.2026, 08:30 UhrKommentareUns auf Google folgenImmer mehr Altenpfleger wechseln vom Heim ins Krankenhaus – Moustafa Ahmed nicht. Nach wenigen Wochen kehrte er zu seinem alten Arbeitsplatz z...

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Der umgekehrte Weg: Wieso ein Altenpfleger in Hamm doch das Heim wählte

Stand: 17.08.2026, 08:30 Uhr

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Immer mehr Altenpfleger wechseln vom Heim ins Krankenhaus – Moustafa Ahmed nicht. Nach wenigen Wochen kehrte er zu seinem alten Arbeitsplatz zurück.

Hamm-Westen – Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den Moustafa Ahmed gegangen ist. Während immer mehr Altenpfleger in Krankenhäuser abwandern, hat der 47-Jährige den umgekehrten Weg gewählt. Bereits nach wenigen Wochen im Krankenhaus war ihm klar: „Das ist nicht mein Ding.“ Und so kehrte er in die vertraute Umgebung zurück: auf die Station 4 im Caritas-Seniorenheim St. Bonifatius im Hammer Westen.

Herr Ahmeds, Seniorenzentrum St. Bonifatius, hat den selten Schritt vom Krankenhaus zurück in die Altenpflege gewagt. Normalerweise laufen den Altenheim die Mitarbeiter weg uns gehen ins KH. Herr Ahmeds erzählt, warum er den anderen Weg gegangen ist St.Bonifatius Annegret Grubert

Ein eingespieltes Team: Moustafa Ahmed im Gespräch mit Bewohnerin Annegret Grubert aus dem Seniorenzentrum St. Bonifatius. © Robert Szkudlarek

Dort wurde der Familienvater mit „offenen Armen empfangen“ – von seinen Vorgesetzten, Kollegen und Bewohnern. Denn sie wissen: In ganz Deutschland herrscht ein Mangel an Fachkräften, insbesondere in der Altenpflege. Erschwerend kommt für die Altenheime hinzu, dass die Ausbildung in den verschiedenen Einsatzgebieten im Jahr 2020 vereinheitlicht wurde. Seitdem gibt es keine speziell ausgebildeten Kranken- oder Altenpfleger mehr, sondern nur noch Pflegefachkräfte. Und viele lockt der oft bessere Verdienst in den Krankenhäusern.

Ahmed kam 2007 nach Deutschland, um zu studieren

Ahmed ist noch von der „alten Schule“. Der gebürtige Ägypter kam 2007 nach Deutschland, um Soziale Arbeit zu studieren. Um nebenbei ein wenig Geld zu verdienen, arbeitete er mit Menschen mit einer Behinderung. Er fand Gefallen am Job und bewarb sich um einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege. Nach einem vierwöchigen Praktikum begann er diese dann in der Seniorenresidenz am Kurpark. Er beendete sie 2013 und blieb sechs weitere Jahre. 2019 wechselte er schließlich ins Seniorenheim St. Bonifatius.

2025 kam in ihm dann der Wunsch auf, in einem Krankenhaus zu arbeiten. „Ich wollte in die Behandlungspflege“, erklärt er seine damalige Motivation, der klassischen Altenpflege den Rücken zu kehren und sein Glück an anderer Stelle zu versuchen. Er bildete sich weiter. „Es war aber nicht das, was ich mir erhofft hatte“, gibt er offen zu.

Ahmed nennt mehrere Gründe, warum er schon nach wenigen Wochen seine Zelte im Krankenhaus abbrach und zurück in die Altenpflege kehrte. Er sagt aber auch: „Es war gut, dass ich es probiert habe und diese Erfahrungen sammeln konnte.“

Die längeren Gespräche hätten gefehlt

Anders als in den Altenheimen bleiben die Patienten oft nur wenige Tage im Krankenhaus. „Wir ziehen von Zimmer zu Zimmer.“ Längere Gespräche mit den Patienten habe er nicht führen, geschweige denn eine Beziehung zu ihnen aufbauen können. „Genau das habe ich vermisst.“ Und nicht nur das: „Insgesamt passten die Rahmenbedingungen nicht.“ Mit seinen Ideen habe er sich nicht einbringen können.

War der „Ausflug“ ins Krankenhaus also eine Enttäuschung? „Ja“, sagt Ahmed. Er sei froh, wieder in einem Altenheim arbeiten zu können. Hier sei er nah an den Menschen dran und könne zu den Bewohnern eine Beziehung aufbauen. Und: Hier werde seine Arbeit wertgeschätzt. „Immer wieder bekommen wir Pfleger von den Bewohnern ein Dankeschön.“

Einrichtung der Caritas

Stationäres Seniorenzentrum im Hammer Westen
Baujahr 1972, seitdem mehrfach baulich erweitert
Rund 10 000 Quadratmeter großes Gelände mit Kirche und Kindergarten
138 Mitarbeitende
27 Pflegefachkräfte
19 Auszubildende
124 Bewohner*innen
Vier Wohnbereiche
124 Einzelzimmer
Leben in Hausgemeinschaften mit gemeinschaftlichen Wohnküchen

So wie von Annegret Grubert auf Station 4. Sie und die anderen Bewohner freuen sich immer, wenn Kräfte wie Ahmed sie aufsuchen und persönliche Worte mit ihnen wechseln, zum Beispiel beim Blutdruckmessen. Diese Zeit nimmt sich Ahmed. Er weiß aber auch, dass seine Zeit auf einer Station mit 30 Bewohnern insgesamt knapp bemessen ist.

Pflegedienstleiter Daniel Hartmann freut sich über die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Aus seiner täglichen Erfahrung weiß er um die Probleme, die es bei der Besetzung von Stellen in der Pflege gibt. „Gute Fachkräfte sind uns immer willkommen.“