(+) Heuer Fernandes spricht über BVB, Vieira und die neue Saison
Wenn einer weiß, was am Samstag auf den HSV zukommt, dann ist es Daniel Heuer Fernandes. Der Torhüter startet in Dortmund in seine bereits 14. Saison als Profi und ist mit 33 Jahren mehr als doppelt so alt wie ...
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Wenn einer weiß, was am Samstag auf den HSV zukommt, dann ist es Daniel Heuer Fernandes. Der Torhüter startet in Dortmund in seine bereits 14. Saison als Profi und ist mit 33 Jahren mehr als doppelt so alt wie sein Teamkollege Louis Lemke (16). In der MOPO spricht der Routinier über das aufstrebende HSV-Talent, den bevorstehenden Saisonstart und verrät, was sich im Vergleich zur Vorsaison verändert hat.
MOPO: Hatten Sie zuletzt mal Kontakt mit Fábio Vieira?
Daniel Heuer Fernandes: Ja, hatte ich. Allein schon, weil er ein richtig guter Typ ist und wir uns sehr gut verstehen.
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Jetzt können Sie den HSV-Fans Hoffnung machen: Können Sie sich vorstellen, dass Vieira in Kürze wieder im Volkspark spielen wird?
Dazu kann und möchte ich nichts sagen (schmunzelt). Weil es vertrauliche Gespräche sind. Aber in den Transferphasen können jeden Tag sehr viele Dinge passieren. Daher: abwarten.
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Heuer Fernandes geht positiv gestimmt in die Saison
Auch vor einem Jahr startete der HSV noch ohne Vieira in die Saison. Mit welchen Gefühlen haben Sie sich damals auf den Weg nach Gladbach gemacht?
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Da war eine besondere Anspannung spürbar, wir waren ja gerade aufgestiegen. Wir wussten, dass wir ganz am Anfang unseres Prozesses standen, hatten ein neues System und viele neue Spieler. Die Ergebnisse in der Vorbereitung waren damals nicht sonderlich gut. Viele von uns hatten noch nicht in der Bundesliga gespielt.
Ein Jahr später reisen Sie nun zum Auftakt nach Dortmund. Haben sich Ihre Empfindungen verändert?
Ich gehe davon aus, dass wir viel gefestigter sind. Die Automatismen sitzen deutlich besser, die Mannschaft ist zum Großteil zusammengeblieben und ich würde behaupten, dass wir deutlich weiter als vor einem Jahr sind. Jeder weiß genau, welchen Fußball wir spielen wollen. Aber mir ist auch klar, dass Gefühle vor einer Saison nicht entscheidend sind – sondern das, was auf dem Platz passiert.
Sie gehen in Ihre 14. Profi-Saison und sind der erfahrenste Spieler des Kaders. Nehmen Sie uns mit: Wie fühlt sich so ein Saisonstart an?
In erster Linie spüre ich eine große Vorfreude, dass es nach all den Trainingslagern und Testspielen endlich losgeht und wir uns beweisen können. Noch dazu gegen einen qualitativ sehr hochwertigen Gegner. Wir können uns wieder mit den Besten messen – das ist in meinem Kopf.
Mit der Busfahrt geht es für „Ferro“ in den Tunnel
Wie schlafen Sie vor Spielen?
Immer gut. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich weiß ja, was uns in Dortmund erwartet. Und ich habe es mir im Laufe der Jahre angeeignet, mit der Busfahrt Richtung Stadion in meinen Tunnel zu gehen.
Wie sieht dieser Tunnel aus?
Die Gespräche mit den Kollegen werden weniger und ich gehe einzelne Situationen meines Torwartspiels durch. Das ist sehr wichtig für mich, um meine Top-Leistung bringen zu können. Dazu höre ich Musik.
Wissen Sie schon, welche Songs Sie auf dem Weg zum Signal-Iduna-Park abspielen werden?
Keine Ahnung. Die Spotify-Playlist wird angemacht und fertig (lacht).
HSV ist Außenseiter beim BVB – Heuer Fernandes ist das egal
Der HSV ist klarer Außenseiter beim BVB. Wie sehen Sie Ihre Chancen?
Ob wir Außenseiter sind oder nicht, ist mir relativ egal. Wir wollen zeigen, woran wir gearbeitet haben und dass wir besser geworden sind. Im Endeffekt ist eh entscheidend, was nach einem Spiel gesagt wird.
In der vergangenen Saison wurden Sie Tabellen-13. – ein für einen Aufsteiger sehr respektables Ergebnis. Ihr Vize-Kapitän Nicolás Capaldo erklärte in diesem Sommer, der HSV wolle sich auch tabellarisch in der neuen Spielzeit verbessern. Ist das auch Ihre Erwartungshaltung?
Mit weniger zufrieden zu sein, entspricht nicht unserer Denkweise. Natürlich wollen wir die nächsten Schritte gehen – vor allem inhaltlich. Kein Verein weiß aktuell, wo er wirklich steht. Allein schon, weil man ja auch immer einige neue Spieler integrieren muss.
Das scheint, von außen betrachtet, beim HSV in der Regel recht gut zu funktionieren. Ihr neuer Angreifer Patson Daka etwa wirkte bereits an seinem ersten Trainingstag so, als sei er schon Monate beim Team.
Er ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie es im Optimalfall funktionieren kann. Patson hat vom ersten Moment an gezeigt, dass er ein Teil der Gruppe sein will und ist aktiv auf jeden Einzelnen zugegangen. Das ist immer das Schönste für eine Mannschaft, wenn du siehst, dass jemand so viel Freude ausstrahlt. Dazu kommt, dass wir ein sehr offenes und lebendiges Team sind. Bei uns wird generell und an jedem erdenklichen Ort viel miteinander gesprochen.
Heuer Fernandes spricht über Bornauw und Tangvik
Besonders wichtig ist für Sie die Kommunikation mit Ihrem neuen Abwehrchef Sebastiaan Bornauw. Wie funktionieren die Abläufe nach so kurzer Zeit?
Das ging schnell. Weil Seb ein Typ ist, der sich zügig und direkt darüber austauscht, wie er über das Spiel denkt und was er erwartet. Er hat sehr viel Erfahrung und kann Situationen gut lesen. Dazu kommt, dass er eine große Präsenz mitbringt, auch außerhalb des Platzes. Das macht es leicht, so ein Zusammenspiel zu entwickeln.
Beim 3:0-Pokalerfolg in Verl standen allerdings nicht Sie, sondern Ihr Stellvertreter Sander Tangvik im Tor. Bereits in den Vorjahren erhielt beim HSV in Pokalspielen regelmäßig der Ersatzkeeper den Vorzug. Wie haben Sie die Entscheidung diesmal aufgenommen?
Ich bin Profi und möchte natürlich immer und in jedem Wettbewerb auf dem Platz stehen. Aber die Entscheidung wurde frühzeitig so kommuniziert. Es kam ja nicht plötzlich.
Tangvik gilt als extrem ehrgeizig, scharrt mit den Hufen und möchte Ihnen einen heißen Kampf um den Platz im Tor bieten.
Ich fokussiere mich voll auf meine Leistung. Entscheidend ist, wie ich auf dem Platz performe. Da versuche ich, voranzugehen. Das war auch in den Vorjahren schon so und das werde ich auch weiterhin machen.
Im Sommer gab es durchaus Zweifel daran, ob Sie beim HSV bleiben würden. Erst spät verlängerten Sie Ihren Vertrag. Wie groß war die Gefahr, dass Sie den Verein hätten verlassen können?
Nicht sehr groß. Zunächst mal ging es darum, unsere sportlichen Ziele zu erreichen. Als wir uns dann vernünftig und ausgiebig hingesetzt haben, war recht schnell klar, dass wir uns auf eine langfristige Lösung einigen würden. Das war im Sinne von uns allen. Ich habe große Lust, dabei zu helfen, den HSV weiterzuentwickeln.
Lemke ist „keiner, der denkt, dass er schon alles kann“
Einer, der auf diesem Weg künftig eine größere Rolle spielen könnte, ist Louis Lemke, der aktuell für Furore sorgt. Wie viel Freude bereitet er Ihnen?
Louis bringt uns allen Spaß. Er ist ein sehr offener Typ, der lernen will und vor allem auch gut zuhört. Er ist keiner, der denkt, dass er schon alles kann. Man spürt, wie viel Freude es ihm bringt, dabei zu sein und das alles zu erleben. Nach seinem ersten Tor in Verl hat er auch ein paar Worte an uns als Mannschaft gerichtet, wie viel es ihm bedeutet und wie dankbar er ist, dass wir so offen mit ihm umgehen. Tatsächlich war so etwas zum Beginn meiner Profi-Karriere etwas anders.
Nämlich?
Ich sage es mal so: Die Zahl der Kollegen, die mit einem 16-Jährigen gesprochen haben, war eher begrenzt (schmunzelt). Da hat sich der Fußball schon verändert.
Lemke steht womöglich vor seinem ersten Auftritt in Dortmund. Für Sie ist es bereits der zweite binnen weniger Monate. Im April unterlagen Sie nach 2:0-Führung in einer turbulenten Schlussphase noch mit 2:3. Hilft Ihnen diese Erinnerung, um es diesmal vielleicht anders zu machen?
Es hilft insofern, dass wir wissen, was uns dort erwartet und was es braucht, um in Dortmund in Führung zu gehen. Wir werden uns sicherlich noch mal Szenen des Spiels anschauen. Und dann wollen wir daran arbeiten, dass das Spiel diesmal einen anderen Ausgang nimmt. Dafür werden wir zumindest alles tun.