Deutsch-französisches Theaterfestival: 20 Jahre Festival Primeurs – das ist neu bei der Jubiläumsausgabe
Klimawandel, demokratische Freiheit und weibliche Wut bilden die thematische Klammer des diesjährigen Festival Primeurs, das Ende November in Saarbrücken und Forbach stattfindet. Seit 20 Jahren werden für das Theatertreffen frankophone Texte erstmals ins Deutsche übersetzt. Für die Jubiläumsausgabe gibt es einige Neuerungen.
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Deutsch-französisches Theaterfestival 20 Jahre Festival Primeurs – das ist neu bei der Jubiläumsausgabe
Saarbrücken/Forbach · Klimawandel, demokratische Freiheit und weibliche Wut bilden die thematische Klammer des diesjährigen Festival Primeurs, das Ende November in Saarbrücken und Forbach stattfindet. Seit 20 Jahren werden für das Theatertreffen frankophone Texte erstmals ins Deutsche übersetzt. Für die Jubiläumsausgabe gibt es einige Neuerungen.
08.10.2026 , 19:57 Uhr
Die Produktion "Un Sacre" (dt.: Eine Zeremonie) nach dem Text von Guillaume Poix und Lorraine de Sagazan wird die 20. Ausgabe des Festival Primeurs eröffnen.
Foto: Christophe Raynaud de Lage
Dem Teenager-Alter ist das Primeurs-Festival für frankophone Gegenwartsdramatik nun endgültig entwachsen. Da passt es gut, dass man anlässlich der 20. Jubiläumsausgabe (vom 25. bis 28. November) des grenzüberschreitenden Theaterfestes noch einmal dessen Festivalcharakter betonen will, wie Ulf Schmidt, Hausautor des Saarländischen Staatstheater, das das Festival gemeinsam mit dem Le Carreau in Forbach, dem Institut d’Études Françaises in Saarbrücken und dem Saarländischen Rundfunk ausrichtet, ankündigt: Die Vorstellungen sollen in diesem Jahr von einem Musikprogramm umrahmt werden, das zum Verweilen einlädt. Zum Austausch, vor und nach den vor allem szenischen Lesungen. Auch der neue Festivalpass zum Preis von 35 Euro soll Theaterinteressierte gleich zu mehreren Vorstellungen locken, zum Erleben des Festivalcharakters.
Noch eine weitere Neuerung gibt es anlässlich des Jubiläumsjahres – alle eingeladenen Autoren und Autorinnen erhalten ein „Antrittsgeld“, wie Schmidt sagt, in Höhe von 1000 Euro. Bisher wurden nur die Gewinner mit einem entsprechenden Preisgeld bedacht. Selbstverständlich wiege man damit keinen Schreibprozess auf, so Schmidt. Wohl aber sei das Antrittsgeld ein Symbol dafür, dass man sich neue Theatertexte heute leisten solle und müsse.
20 Jahre Festival Primeurs in Saarbrücken und Forbach – das bietet die Jubiläumsausgabe
Wie sonst, fragte Schmidt, könne man einen Beitrag zur Gegenwart leisten? Wie sonst, könne man diese für nachfolgende Generationen und andere Regionen der Welt erfahrbar machen? Auch ansonsten gab es von den Festivalköpfen große Worte zur Jubiläumsedition: Staatstheater-Dramaturgin Bettina Schuster-Gäb etwa sprach davon, dass beim Festival seit 20 Jahren grenz- und sprachüberschreitend die „gegenwärtige Gesellschaft“ ausgehandelt werde. Festivalmitbegründerin und SR-Hörspielchefin Anette Kührmeyer betonte gleichsam den Vermittlungscharakter des Festivals zwischen deutscher und frankophoner Kultur.
Dass die Texte, die das Primeurs erstmals ins Deutsche übertragen lässt, durchaus Wirkmacht entfalten, ist zweifelsohne. Alexandra Badea, David Paquet, Gwendoline Soublin – allesamt Festivalteilnehmer der vergangenen Jahre – werden heute selbstverständlich im deutschen Raum gespielt. Gleichsam verzeichne das Festival ein treues, stabiles Publikum – wenngleich aus einem „äußerst versierten Interessenkreis“, wie Bettina Schuster-Gäb zugibt.
Seit 2023 findet das Festival Primeurs in zweijährigem Wechsel statt
Um den Publikum gerechter zu werden und ein Abwandern der Bühnenproduktionen der übersetzten Theatertexte an andere Theater zu verhindern, hat man vor drei Jahren das System umgestellt: Auf ein Wettbewerbsjahr, in dem jeweils sechs zeitgenössische Theatertexte aus dem frankophonen Raum eingeladen werden, ins Deutsche übersetzt werden und zumeist als szenische Lesung inszeniert werden, folgt ein Produktionsjahr. Unter dem Titel „Primeurs Pur!“ wird der Gewinnertext des Vorjahres als Bühnenproduktion realisiert. Vergangenes Jahr war das „Lucy, 4,6 Milliarden Jahre“ von Gwendoline Soublin.
Zur Jubiläumsausgabe nun steht also wieder ein Wettbewerbsjahr an – und einen besonderen Fokus haben die Festivalmacher in diesem Jahr auf starke Frauenstimmen aus dem Québec gelegt. In „Die Magnolien-Fraktion“, die am Donnerstag, 26. November, um 20.04 Uhr als Live-Hörspiel im Studio Eins des Saarländischen Rundfunks aufgenommen wird, setzt sich Maud de Palma-Duquet mit den Folgen der Klimakrise auseinander. Sie lässt eine Gruppe Jugendlicher gegen die Welt rebellieren, die ihnen hinterlassen wird (übersetzt von Frank Weigand). Rébecca Déraspe hingegen entwirft in „In Luft ausgelöst“ die atemlose Innenschau einer Frau, die sich von ihrem sozialen Ich löst, sich ins Nichts übergibt, um gesellschaftlichen Erwartungsspiralen zu entkommen (übersetzt von Gerda Poschmann-Reichenau). Gezeigt wird das Ganze als szenische Lesung am Freitag, 27. November, um 21 Uhr in der Alten Feuerwache. In gleicher Form, zur selben Zeit, wird dort einen Tag später, am 28. November, „Das richtige Leben“ von Catherine Léger gezeigt (übersetzt von Sonja Finck). Darin grätscht eine Künstliche Intelligenz in die Partnerschaft von Christian und Nathalie.
Erfahrungen der Corona-Zeit prägen die Eröffnungsproduktion in Forbach
Kossi Efoui, der zuletzt Fellow am Käthe-Hamburger-Kolleg für kulturelle Praktiken der Reparation war, bringt „Im Schatten von Morgen“ gleich selbst als Werkstattinszenierung (am Freitag, 27. November, um 19.30 Uhr in der Feuerwache) auf die Bühne. Er erzählt darin auch von eigenen Erfahrungen als Student auf der Flucht vor einem repressiven Regime.
Ein echtes Highlight ist zweifelsohne die Eröffnung des Festivals, die am Mittwoch, 25. November, um 20 Uhr im Le Carreau stattfindet: Das renommierte französische Duo Guillaume Poix und Lorraine de Sagazan hat für „Eine Zeremonie“ sechs Monate lang Menschen über ihre Erfahrungen in der Corona-Zeit interviewt. Der Tod Angehöriger und Freunde spielte dabei oft eine Rolle. Noch öfter: Das fehlende Ritual, einer großen, gemeinschaftlichen Beerdigung. Das Theaterstück (übersetzt von Uli Menke) soll diese fehlenden Rituale nun in abgewandelter Form auf die Bühne bringen, Begegnung schaffen – zwischen den Lebenden und den Toten. Ein Shuttlebus bringt die Zuschauer kostenlos nach Forbach – und übrigens auch zur Hörspielaufnahme auf den Halberg. Denn grenzüberschreitend wird beim Primeurs auch im rein physischen Sinne gedacht.
Vollständiges Programm und Tickets unter: www.festivalprimeurs.eu