Deutsche Telekom: Vorstandsumbau weckt Zweifel an Höttges' Kurs
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Deutsche Telekom: Vorstandsumbau weckt Zweifel an Höttges' Kurs
Ein Controller folgt auf Finanzchef Christian Illek. Statt eines Netzprofis kommt ein Cloud-Experte als neuer CTO. Intern sorgen die Personalien für Zweifel.
Telekom-CEO Tim Höttges kehrt bei der Hauptversammlung in Bonn dem Publikum den Rücken zu. Foto: IMAGO/Marc John
Kein anderer Vorstand war Telekom-Chef Tim Höttges so sehr ein Sparringpartner wie Finanzvorstand Christian Illek: „Er war in entscheidenden Phasen ein wichtiger Architekt unserer Entwicklung“, so der Vorstandsvorsitzende in der Mitteilung des Konzerns. Illek wird das Unternehmen nach der Hauptversammlung Ende April 2027 aus Altersgründen verlassen.
An Illeks Stelle rückt Dhananjay Mirchandani, ein langjähriger Telekommunikationsexperte, der seit 2019 im Konzern ist und seit 2024 das Konzerncontrolling leitet. Zeitgleich gibt die Telekom den Nachfolger für den Technologiechef Abdu Mudesir bekannt, der die Telekom überstürzt nach weniger als einem Jahr im Amt verlassen hatte: Der Südafrikaner Jan Hofmeyr wird neuer Vorstand für Technologie und Produkt. Und eine weitere prominente Führungskraft geht: Die Telekom verliert ihren Mr. KI – Jonathan Abrahamson. Er wird von Mladen Mitic ersetzt, der aus dem Europageschäft für Privatkunden zum Produktchef befördert wird.
Die entscheidende Frage, die sich in Bonn gerade viele stellen, lautet: Haben die neuen Führungskräfte dasselbe Kaliber wie ihre Vorgänger? „Höttges scheint sich mit Leichtgewichten zu umgeben“, moniert ein Kenner der Telekommunikationslandschaft. Er zeigt sich insbesondere überrascht, dass der größte Telekommunikationskonzern Europas für den Posten des Finanzchefs keinen profilierteren Kandidaten gewinnen konnte.

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Der künftige Finanzchef Mirchandani kennt den Konzern und zentrale Transaktionen. Zuvor war der Maschinenbauingenieur unter anderem bei Vodafone Deutschland, der Boston Consulting Group und dem Analysehaus Bernstein tätig. Bei der Telekom begann er im Bereich Group Development, wo er an Beteiligungsverkäufen mitwirkte – darunter an Transaktionen rund um die Funkturmsparte und das niederländische Geschäft.
Als Leiter des Konzerncontrollings ist er zudem mit Zahlenwerk, Kapitalallokation und internen Entscheidungswegen vertraut. Auf der großen Bühne des Kapitalmarkts ist er bislang jedoch kaum in Erscheinung getreten. Gerade dort hatte sich Illek als verlässlicher Ansprechpartner für Investoren etabliert. Nun muss Mirchandani dessen Erfolg verteidigen: Seit 48 Quartalen in Folge – also seit genau zwölf Jahren – steigert die Telekom ihr organisches Ergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal, gemessen am bereinigten Gewinn. Genauer: Am Ebitda AL, das die Leasingkosten berücksichtigt, aber Zinsen, Steuern und Abschreibungen herausrechnet. Kein anderer Dax-Konzern kommt der Telekom mit solch einer Erfolgsserie auch nur nahe.
Ein Cloudmanager für die Technik
Die Wahl des neuen Technologiechefs ist dagegen weniger überraschend – auch wenn es auf den ersten Blick unerwartet wirkt, dass kein Netzexperte, sondern ein Mann aus dem Cloud-Geschäft zur Telekom wechselt. Die Telekom und viele andere große Telekommunikationsunternehmen geben seit mehreren Jahren die Devise aus, dass das Netz der Zukunft in erster Linie von Software und KI gesteuert wird.
Mit der Ernennung eines Cloud-Experten wie Hofmeyr, der zuletzt fünf Jahre bei Amazons Cloud-Tochter AWS in Seattle arbeitete, könnte sich Höttges Hoffnungen auf die Erschließung neuer Erlösquellen machen. Seit dem Jahr 2000 sank der durchschnittliche Umsatz je Kunde von durchschnittlich mehr als 45 Euro im Monat auf heute unter 20 Euro. Insbesondere die Hoffnung, die florierenden US-Digitalunternehmen, die ihren Content über die Netze der Telekom verbreiten, dafür zur Kasse bitten zu können, hatte sich zuletzt für Höttges völlig zerschlagen. „Cloud-Anbieter haben sehr komplexe Geschäftsmodelle“, erklärt der dänische Telekommunikationsexperte John Strand. „Sie generieren auf ihren Rechnungen viele verschiedene Zeilen mit zahlreichen Einzelleistungen.“ Die Rechnung eines Telekommunikationsdienstleisters dagegen umfasse in der Regel nur wenige Zeilen. Hofmeyrs Auftrag dürfte deshalb über den Betrieb der Netze hinausgehen: Er soll daraus neue, vermarktbare Dienste entwickeln.

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Der Netzexperte wechselt zum Rivalen
Mit Abdu Mudesir dagegen verlor die Telekom Ende März einen versierten Fachmann für Mobilfunkzugangsnetze, der zuvor bei Huawei gearbeitet hatte und lange die technischen Themen für Vorständin Claudia Nemat bearbeitet hatte. Mudesir wechselt als Verantwortlicher für Netzwerke und Technologie zu Verizon in die USA – einem direkten Wettbewerber der Telekom-Tochter T-Mobile. In einer Auseinandersetzung über das letzte Wort bei technischen Entscheidungen in europäischen Landesgesellschaften scheint Mudesir nicht viel Durchsetzungskraft gegenüber Höttges bewiesen zu haben. Die Telekom erklärte zu seinem Ausscheiden, Mudesir habe das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen.
Die Lücke, die Mudesirs Expertise bei der Telekom reißt, ist groß. Er galt als ausgemachter Experte für 5G-Netztechnik. Hofmeyr dagegen arbeitete mehr als zehn Jahre lang für den Kabelnetzbetreiber Comcast. Seine Erfahrung im TV- und Kabelgeschäft scheint auf den ersten Blick eher zu Vodafone zu passen als zur Telekom mit ihrem DSL- und Glasfaserportfolio. Zugleich kennt Hofmeyr jedoch die Schnittstelle zwischen Netzen, digitalen Plattformen und neuen Produkten – genau dort sucht die Branche nach Wachstum.
Auch der Produktchef geht
An Hofmeyr wird künftig Mladen Mitic als Chief Product & Digital Officer berichten. Der Telekommunikationsmanager war unter anderem für die Slovak Telekom tätig und arbeitete später für Netzbetreiber in Norwegen und Dänemark. Vorgänger Abrahamson hinterlässt große Fußspuren: Im Laufe seiner Karriere arbeitete er häufig dort, wo Telekommunikationsanbieter neue Geschäftsfelder erschlossen. Beim Start des ersten iPhones durch den australischen Anbieter Optus, bei der Einführung mobiler Finanzdienste durch die in Singapur ansässige Singtel und als Antreiber von Wachstum und Skalierung beim indischen Mobilfunkkonzern Bharti Airtel.
Bei der Telekom stand er für innovative neue Produkte wie „AI Calling“, mit der die Telekom Digitalminister Karsten Wildberger auf der Messe in Barcelona begeisterte. Während des Telefonats kann der Kunde Assistenz-, Übersetzungs- und Betrugserkennungsservices dazurufen.
Dass Abrahamson die Bonner Telekom nur ein Jahr nach dem Abgang seines Förderers Srini Gopalan nach Seattle gewechselt hatte, dürfte Spekulationen über die Gründe nähren. Gopalan war 2025 als Chef von T-Mobile US nach Bellevue bei Seattle gewechselt. „Er verlässt die Telekom auf eigenen Wunsch“, hieß es in der Pressemitteilung Ende März knapp.
Für Höttges ist der Umbau mehr als ein routinemäßiges Personalkarussell. Mit Illek verliert er einen erfahrenen Gegenpart, mit Mudesir einen profilierten Netztechniker und mit Abrahamson einen international erfahrenen Produktmanager. Ihre Nachfolger müssen erst noch unter Beweis stellen, dass sie sich bei Meinungsverschiedenheiten im Zweifel auch durchsetzen können – oder Höttges schafft sich eine freie Bahn zum Durchregieren.

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