Deutsche Wirtschaft verstärkt im Fokus fremder Geheimdienste

Cyberangriffe, Spionage, Sabotage - deutsche Unternehmen geraten immer stärker unter Druck. Wie könnten sie sicher besser schützen? Tipps gibt es in der Bitkom-Wirtschaftsschutzstudie.

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Deutsche Wirtschaft verstärkt im Fokus fremder Geheimdienste

Sie ist ein Gradmesser für die Bedrohungslage der deutschen Wirtschaft: die jährlich veröffentlichte Wirtschaftsschutzstudie des IT-Branchenverbands Bitkom. Und das, was sein Präsident Ralf Wintergerst am Mittwoch in Berlin dazu sagt, klingt alles andere als beruhigend. Demnach liegt der Schaden durch Cyberangriffe, Spionage oder Sabotage bei mindestens 211 Milliarden Euro.

Dieser hochgerechnete Wert basiert auf den Antworten, die rund 1000 befragte Führungskräfte im Zeitraum von Mitte April bis Anfang Juni gegeben haben. Zwar ist der ermittelte Schaden deutlich geringer als im Vorjahr (289 Milliarden Euro), aber Wintergerst geht von einer schwer zu schätzenden Dunkelziffer und deshalb einer höheren Summe aus.

Verfassungsschutz-Chef Sinan Selen (l.) und Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst präsentieren vor der blauen Wand im Saal der Bundespressekonferenz in Berlin die Wirtschaftsschutzstudie 2026. Gemeinsam halten sie stehend den ausgedruckten Bericht in ihren Händen. Beide Männer sind mit blauen Jacketts bekleidet. Brillenträger Selen trägt darunter ein hellblaues Hemd, Wintergerst ein weißes.
Gute Miene zum bösen Befund: Verfassungsschutz-Chef Sinan Selen (l.) und Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst präsentieren die Wirtschaftsschutzstudie 2026 Bild: dts Nachrichtenagentur/IMAGO

Ein Befund ist aus Bitkom-Sicht besonders auffällig: Die von Attacken betroffenen Unternehmen haben mehr denn je ausländische Geheimdienste als Angreifer identifiziert. Ihr Anteil stieg demnach von 28 auf 37 Prozent. Wintergerst nennt weitere Details: "Wenn wir schauen, wo die Spur herführt, dann muss man sagen, dass die Spur immer weiter nach Osten führt."

China liegt vor Russland und der Iran holt auf

Konkret in Zahlen bedeutet das: 52 Prozent der Angriffe stammten nach Angaben der Unternehmen aus China, gefolgt von Russland mit 49 Prozent. Auf dem Vormarsch ist laut Bitkom zudem ein anderes Land: Das Angriffsvolumen aus dem Iran hat sich mit neun Prozent im Jahresvergleich mehr als verdoppelt.

Statistisch betrachtet sind allerdings nicht-staatliche Akteure aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität mit Abstand am häufigsten die Täter oder Tatverdächtigen. Ihr Anteil liegt trotz eines leichten Rückgangs von 68 auf 62 Prozent auf einem weiterhin sehr hohen Niveau.

KI beschleunigt die Angriffe und erschwert die Verteidigung

Große Sorgen bereitet Bitkom-Chef Wintergerst zudem ein Trend, der die Wirtschaft im Guten wie im Bösen betrifft: der Vormarsch von Künstlicher Intelligenz (KI). Angreifer nutzen sie, um schneller an ihr Ziel zu gelangen. Und Unternehmen benötigen sie, um Attacken besser abwehren zu können. Die größte Herausforderung sieht Wintergerst deswegen darin, Sicherheitslücken deutlich fixer zu schließen als bislang.

Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang der deutsche Inlandsgeheimdienst: das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Diese zentrale Sicherheitsbehörde verschickt jedes Mal Warnmeldungen an Unternehmen, wenn sie Hinweise auf verdächtige Aktivitäten oder konkrete Gefahren entdeckt. Oft stammen solche Informationen auch von Nachrichtendiensten befreundeter Staaten.

Im Visier: Rüstungsunternehmen und Drohnen-Forschung

Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen spricht mit Blick auf staatliche Akteure von einer breit angelegten Agenda, die Deutschland insgesamt bedrohe. Ziel sei es unter anderem, die Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den Aggressor Russland zu schwächen. Besonders im Fokus nach Selens Einschätzung: Unternehmen aus der Rüstungsindustrie und Forschung im Bereich der Drohnen-Technologie.

Drohnen made in München

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Ohne Russland oder ein anderes Land beim Namen zu nennen, beschreibt der Verfassungsschutz-Chef eine um sich greifende Methode der Angreifer, die auf Arbeitsteilung hinausläuft: "Dabei bedienen sich staatliche Akteure zunehmend cyberkrimineller Gruppierungen, aber auch Low-Level-Agenten."

Wegwerf-Agenten erschweren Sicherheitsbehörden die Arbeit

Damit sind in Deutschland angeworbene Kriminelle gemeint, sogenannte Wegwerf-Agenten, die für mehr oder weniger Geld spionieren und sabotieren. Dass mache es für die Wirtschaft und Sicherheitsbehörden immer schwerer, zwischen den einzelnen Angreifern zu differenzieren, sagt Selen.            

Um die Gefahren zu verringern, empfiehlt der Verfassungsschutz-Chef ebenso wie Bitkom-Präsident Wintergerst mehr Investitionen in den Schutz der eigenen kritischen Infrastruktur. Das Problem: Die Budgets für IT-Sicherheit stagnieren nach Angaben der Unternehmen. Sie machen mit durchschnittlich 18 Prozent weniger als ein Fünftel des gesamten IT-Budgets aus. Selen und Wintergerst befürchten, dass davon die falsche Seite profitiere: die Angreifer.