Jürgen Klopp: Spätes Gegentor trübt Bundestrainer-Debüt

Eine schlichte schwarze Hose, ein schlichter grauer Pullover und die Kappe mit den 83 Millionen, die man schon kennt. Das sind die Arbeitsklamotten, die Jürgen Klopp in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam für s...

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Jürgen Klopp: Spätes Gegentor trübt Bundestrainer-Debüt

Eine schlichte schwarze Hose, ein schlichter grauer Pullover und die Kappe mit den 83 Millionen, die man schon kennt. Das sind die Arbeitsklamotten, die Jürgen Klopp in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam für sein erstes Spiel als Fußball-Bundesdarling angezogen hat.

Wer verfolgt hat, was in Deutschland in den vergangenen Tagen über den neuen Trainer der Nationalmannschaft gesagt und geschrieben wurde, darf sich kurz wundern, dass vor dem Spiel nicht noch in Sondersendungen und Sondermeldungen darauf hingewiesen worden ist, dass dieser Klopp nicht mehr nur mit seiner Klappe und seiner Kappe, sondern nun auch mit seiner Hose und seinem Pullover kommunizieren kann. Doch vielleicht saßen die Kommentatoren da schon konzentriert vor dem Bildschirm.

Als der Bundestrainer sich an die Arbeit macht, sollen schließlich alle ganz genau hinschauen: der Bundespräsident, der Bundeskanzler, ach, am besten gleich die gesamte Bundesrepublik. Weil, so war es zu hören und zu lesen, eigentlich alle etwas von Klopp lernen können.

Schwarze Hose, grauer Pullover, schwarze Kappe: Jürgen Klopp während der Partie in Amsterdam an der Seitenlinie
Schwarze Hose, grauer Pullover, schwarze Kappe: Jürgen Klopp während der Partie in Amsterdam an der SeitenlinieAFP

Wer ganz genau hinschaut, kann auch etwas lernen, nur halt nichts, was Frank-Walter Steinmeier und Friedrich Merz hilft.

Am Donnerstagabend hat die deutsche Nationalmannschaft im ersten Spiel der Zeitrechnung Klopp in der Nations League bis in die Nachspielzeit mit 1:0 (Torschütze: Felix Nmecha) gegen die Niederlande geführt. Sie hat, das muss man sofort dazu sagen, auch mit Glück geführt. Aber, auch das muss man dazu sagen, sie hat deswegen geführt, weil sie bis dahin kein Gegentor bekommen hat, was ihr bei der Weltmeisterschaft nicht mal gegen Curaçao gelungen war.

Als Cody Gakpo in der Nachspielzeit nach sehenswerter Außenristvorlage von Mark van Bommels Sohn Ruben das 1:1 erzielt, bekommt dieses Spiel dann allerdings nicht nur sein gerechtes Ergebnis, sondern auch die Erkenntnis, dass selbst Jürgen Klopp nicht alles gelingt.

Schon an der Aufstellung kann man an diesem Abend sehen, was dem neuen Bundestrainer wichtig ist. Als Außenstürmer schickt er Karim Adeyemi und Kevin Schade aufs Feld, die sonst für den FC Barcelona und den FC Brentford angreifen. Und auch wenn nur einer in der Premier League spielt, haben beide das, was Klopp für seine Mannschaft zu suchen scheint: Premier-League-Geschwindigkeit.

In den ersten Minuten drängen sie, die nicht für die Weltmeisterschaft nominiert wurden, mehrmals in den Strafraum der Niederländer ein. Doch den Einfluss, den Klopp hat, sieht man am Strafraum der Deutschen. Dort verteidigen Schade und Adeyemi, dem sein Verhalten in der Defensive immer wieder vorgeworfen worden ist, stets mit. Und vermutlich ist es trotz des späten Gegentores das, was man von diesem Spiel lernen kann: dass die Deutschen vielleicht nicht eine neue Lust, aber schon eine neue Bereitschaft zum Verteidigen gezeigt haben.

Die Achse der Mannschaft, die Klopp angekündigt hat, sieht so aus: Im Tor setzt er auf Marc-André ter Stegen. In der Innenverteidigung auf Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah. Im Mittelfeld auf Joshua Kimmich und Felix Nmecha. Und im Sturm auf Kai Havertz, der aber schon in der ersten Hälfte wegen einer Verletzung ausgewechselt werden muss. Er wollte auch auf Jamal Musiala setzen, aber der Offensivspieler des FC Bayern München soll während des Aufwärmens einen leichten Schmerz im Oberschenkel gespürt haben, weswegen er vor dem Anpfiff durch Nadiem Amiri ersetzt wurde.

Kai Havertz (links) muss den Platz in der 30. Minute verlassen.
Kai Havertz (links) muss den Platz in der 30. Minute verlassen.AFP

Auf die ersten Sprints der Deutschen folgt ein Kopfball der Niederländer. Nach einem Eckstoß kann Innenverteidiger Virgil van Dijk – mit dem Klopp beim FC Liverpool alles gewonnen hat – den Ball ins Tor köpfen, weil ter Stegen zum Ball gehen will, aber nicht bei diesem ankommt.

Nicht nur in dieser Szene ist der Mann, der fürs Erste die Nummer eins ist, der zweite Sieger. Die Spieler haben sich schon wieder für den Anstoß aufgestellt, da wird der Schiedsrichter Alejandro Hernández Hernández von seinem Videoassistenten an die Seitenlinie geschickt, wo er sich die Szene anschaut. Seine Entscheidung: Foul, kein Tor. Das ist das erste Mal, dass die Deutschen Glück haben.

Das zweite Mal haben sie es beim Tor von Felix Nmecha. Wobei sich die Niederländer das Pech in dem Moment auch ein bisschen verdient haben. An der Mittellinie bleibt ihr Stürmer Brian Brobbey liegen, doch da sind die Deutschen schon im Angriff. Als Kimmich am Strafraum mit dem Ball kurz abdreht, hören die Gegenspieler einfach mit dem Verteidigen auf. Als Kimmich sich dann aber wieder zurückdreht und den Ball in die Mitte bringt, wo ihn Nmecha ins Tor schießt, sind die Niederländer darauf nicht vorbereitet.

Danach haben dann aber auch die Niederländer Glück. Und die Deutschen Pech, dass der rechte Fuß von Karim Adeyemi so viel schwächer ist als der linke. Denn statt nach einem Konter in der 38. Minute den Ball mit dem rechten ins leere Tor zu schießen, nimmt er, was die Sache verkompliziert, den linken. Und schießt drüber.

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In der zweiten Hälfte ist es ter Stegen, der dann in mehreren Szenen erster Sieger wird. Bis auf das eine Mal, als der Schiedsrichter in einem Getümmel im Strafraum kleinlich, wahrscheinlich zu kleinlich, abpfeift, bevor der Ball ins Tor geht (62. Minute). Das vierte Mal Glück haben die Deutschen dann, als Mexx Meerdink den Ball ins leere Tor bugsieren müsste – und dann über den Ball grätscht (66.).

So ist es, als der eingewechselte Serge Gnabry die Kugel in der Nachspielzeit verliert und danach das Gegentor durch Gakpo fällt, zwar ein Fehler der Deutschen, der den Niederländern das Unentschieden ermöglicht. Aber andererseits wäre es auch ein Fehler gewesen, zu glauben, dass Deutschland an diesem Abend die bessere Mannschaft war.