Die schonungslosen DFB-Wahrheiten: Nationalelf kämpft nur noch im Mittelmaß
KI-Stimme. InfoAuch nach Abpfiff wirkte so mancher Nationalspieler so perplex wie in den 90 Fußballminuten zuvor. Die DFB-Elf hatte sich an der Strafraumkante aufgestellt. Die Spieler blickten in die deutsche K...
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KI-Stimme. Info
Auch nach Abpfiff wirkte so mancher Nationalspieler so perplex wie in den 90 Fußballminuten zuvor. Die DFB-Elf hatte sich an der Strafraumkante aufgestellt. Die Spieler blickten in die deutsche Kurve. Bedröppelt nach der 0:1 (0:0)-Heimniederlage gegen Griechenland in der Nations League. Ihnen flogen vereinzelt Pfiffe entgegen. Bei der Suche nach Orientierung half erst Jürgen Klopp. Der Bundestrainer kam dazu und applaudierte in Richtung der Fans. Er wollte sich bedanken für die Unterstützung. Aber irgendwie ja auch diese unangenehme Situation beenden.

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„Es ist nicht so, dass wir es nicht versucht hätten“, sagte Klopp später in seiner Sie-waren-stets-bemüht-Analyse der Partie. „Dann man man da nicht stehen und sich minutenlang entschuldigen.“ Der Bundestrainer hielt das tiefe Empfinden von Rückschlägen zwar für einen wichtigen Teil des Reifeprozesses, doch dass sich seine Profis bewusst dort aufstellen sollten, um die Kritik zu hören, das sei nun auch nicht Sinn der Sache. „Sie können mich auspfeifen, aber die Jungs sollen irgendwann sehr selbstbewusst Fußball spielen“, so Klopp. Und sie waren ja stets bemüht.
Viel Frust nach Nations-League-Pleite
Mit dieser Erkenntnis könnte man vielleicht das Fußballvolk versöhnen, wenn man etwa in einem rassigen WM-Halbfinale ausgeschieden wäre. Dann würde wohl Stolz irgendwann den Frust ablösen. So aber bleibt in diesem recht grauen Nations-League-Gruppenspiel nur Letzteres übrig. Griechenland, zwar immerhin mit einer goldenen Generation um Konstantinos Karetsas von Borussia Dortmund im Kommen, war ja nicht einmal für die Weltmeisterschaft qualifiziert.

Da zappelt der Ball im Netz: Dimitrios Kourbelis erzielt das 1:0.© dpa | Weller
Der Stimmungstest in Augsburg jedenfalls ging zum Abschluss des ersten Teils des XXL-Lehrgangs ziemlich daneben. Die deutsche Nationalelf bekam erneut aufgezeigt, dass ihr Leistungsstand wenig gemein hat mit den Ansprüchen der Fußball-Nation. 2014er-Weltmeister Bastian Schweinsteiger verortete die Nationalmannschaft in seiner ARD-Analyse gar ins europäische Mittelmaß. Widersprechen konnte niemand.
DFB-Elf keine Top-Mannschaft
„Muss man so sagen“, gestand Kapitän Joshua Kimmich und führte aus: „Eine Top-Mannschaft zeichnet aus, dass sie vermeintlich schwächere Gegner schlägt und auch die vermeintlichen Top-Teams schlägt.“ Das nicht der Fall. Weder am Donnerstag in Amsterdam gegen die Niederlande (1:1), noch am Sonntag beim 0:1 in Augsburg, das Dimitrios Kourbelis in der 74. Minute schoss. „Die Momentaufnahme ist so, dass wir kein Top-Team sind. Trotzdem ist jetzt nicht entscheidend, ob wir ein Top-Team sind. Wichtig ist, dass wir uns dahin entwickeln.“ Und wie?

Die Nationalspieler Bambase Conte, Felix Nmecha, Jonathan Tah und Anton Stach schieben nach der Griechenland-Niederlage Frust.© dpa | Gambarini
Antworten darauf zu finden, ist die große Aufgabe des neuen Bundestrainers, mit dessen Einstellung große Träume und damit eine noch größere Fallhöhe verbunden waren. Jürgen Klopp war daher am Sonntagabend sehr bemüht, um Sachlichkeit zu werben. „Ich bin nicht ernüchtert, dafür habe ich im Fußball zu viel gesehen“, sagte Klopp. Der 59-Jährige stellte sich zwar demonstrativ vor seine Mannschaft, legte dabei aber den Finger in die Wunde und sprach schonungslose DFB-Wahrheiten an. Dass er nicht mit „Hand anlegen alle Probleme lösen“ könne, habe er selbst gewusst. Jetzt dürfte es jeder und jede vor Augen geführt bekommen haben.
DFB-Elf mitten in der Entwicklung
Außergewöhnliche Mannschaften könnten selbst Spiele gewinnen, wenn sie unterhalb ihres Leistungsniveaus blieben. Doch: „Wir sind nicht das Bayern München des internationalen Fußballs. Wir sind eine Fußballmannschaft, die sich finden muss.“ Und in der waren am Sonntag wenig Abläufe in der Offensive, wenig Durchsetzungsvermögen, wenig Überzeugung, sicher auch Verunsicherung zu erkennen. „Es geht ganz normal weiter. Das ist Entwicklung, wie sie aussehen kann. Am Ende geht es nur darum , ob es in naher Zukunft einen Moment gibt, in dem wir bereit sind, gegen jeden Gegner ein wirklich unangnehmer Gegner zu sein. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt.“ Und es sei ja auch gar nicht alles schlecht gewesen, befand Klopp. Die Stimmung untereinander sei „wie sie im Training sein soll, die Wirkung wird kommen“, kündigte der Bundestrainer an. Kapitän Kimmich meinte: „Es ist ein neuer Ansatz, auf den wir uns einlassen müssen. Das werden wir. Wir werden besser werden.“
Während die Nationalspieler in Augsburg die erste Niederlage der Klopp-Ära beim DFB verarbeiteten, füllte sich in Herzogenaurach der Homeground mit der zweiten Runde Nominierter. Am Donnerstagabend geht es in der Nations League mit dem Heimspiel in München gegen Serbien weiter. „Wichtig ist“, sagte Kimmich vor seiner Abreise, „dass wir auf dem Weg bleiben und nicht wieder alles umwerfen.“ Diesen Fehler wird Klopp, anders als seine Vorgänger, sicherlich nicht machen.