Die SPÖ kann es dem Boulevard nicht recht machen: Im "Blattsalat" flattern die Herzen

Medienglosse Die SPÖ kann es dem Boulevard nicht recht machen: Im "Blattsalat" flattern die Herzen Da leitet sie in noch nie da gewesener Eintracht ihre Erneuerung ein, und weder die "Kronen Zeitung" n...

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Die SPÖ kann es dem Boulevard nicht recht machen: Im "Blattsalat" flattern die Herzen

Medienglosse

Die SPÖ kann es dem Boulevard nicht recht machen: Im "Blattsalat" flattern die Herzen

Da leitet sie in noch nie da gewesener Eintracht ihre Erneuerung ein, und weder die "Kronen Zeitung" noch "Österreich" wissen das zu würdigen

Glosse

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Günter Traxler

Dem Boulevard kann es die SPÖ einfach nicht recht machen. Da leitet sie in noch nie da gewesener Eintracht ihre Erneuerung ein, und weder die "Kronen Zeitung" noch "Österreich" wissen das zu würdigen. Im Gegenteil.

Noch-SPÖ-Chef Andreas Babler und Eva-Maria Holzleitner, geschäftsführende Parteichefin.

Wirrer SPÖ-Plan lähmt die Republik, behauptete die "Krone" am Dienstag, was jetzt, so ihre Schlussfolgerung, für rasche Neuwahlen spricht.

Kein Wunder, dass "Österreich" zwei Tage später einen ÖVP-Geheimplan für Neuwahl präsentiert. ÖVP bastelt bereits an einer Neuwahl. In digitaler Konferenz tagten ÖVP-Chef Christian Stocker und seine Vertrauten mit ihren Landeschefs. Dabei versicherten die Landesfürsten, dass sie jetzt nicht für Neuwahlen seien. Aber wenn schon gebastelt wird, muss auch etwas entstehen. Die Überlegungen dafür haben sie freilich längst.

Kanzler statt Landeshauptleute

Das Problem dabei: Jetzt die Krise der SPÖ – was für eine Krise? – auszunutzen und sich in Neuwahlen zu flüchten, wenn die FPÖ fast doppelt so stark ist wie die ÖVP? "Besser wir verlieren den Kanzler als drei Landeshauptleute", sagen gleich mehrere ÖVPler zu oe24.

Das läuft auf ein gutes Geschäft hinaus, eine Meinung, die vor allem in tief türkisen Kreisen vorherrscht. Denen kann es gar nicht schnell genug gehen. Das türkise Hardcore-Lager hätte sich ein Aus der Koalition bereits am Sonntag gewünscht, aber das Wünschen allein hilft nicht immer.

Wenn die ÖVP nicht will, gibt es andere. Geheimplan für neue Liste, spinnt "Österreich" das Garn weiter. Unternehmer Stephan Zöchling sondiert mit Geldgebern für neue Liste. Der Geschäftsführer des Auspuffherstellers Remus überlegt mit einer "Liste Zöchling" anzutreten, was nur insofern eine Überraschung ist, als mit ihm ein weiterer Player ein Antreten bei der Wahl überlegt, der im ÖVP-Wählerteich fischen würde.

Besagter Zöchling tut dies vor allem aus Mitleid mit seinen Landsleuten. "Diese Farce, die sich in dieser Regierung und insbesondere in der SPÖ abspielt, ist den Österreicherinnen und Österreichern nicht mehr zumutbar!

Klar, bei ÖVP und Neos beobachtet man die Umtriebe Zöchlings mit Argusaugen. Ein ÖVP-Insider: "Eine wirtschaftsnahe Liste, die bei ÖVP und Neos fischt, wäre sehr unangenehm. Bei schnellen Neuwahlen würden wir Zöchling am falschen Fuß erwischen."

Zeilers Kleidung

Ein anderer hat wiederum diese Woche "Profil" einiges Ungemach bereitet. Die politischen Ambitionen des Gerhard Zeiler halten dieser Tage nicht nur die Sozialdemokratische Partei Österreichs auf Trab, sondern auch die Innenpolitik-Redaktion des profil. Das wäre nicht nötig gewesen, wie sich ein paar Tage später herausstellte, aber "Profil" hat dennoch das Beste aus Gerhard Zeiler herausgeholt. Wie kleidet man sich, wenn man die SPÖ übernehmen will? textete man neben einer Totalkörperabbildung des SPÖ-Erneuerers.

Obwohl auf diesem Bild an Zeiler nichts anderes hing als Alltagskleidung in besonders teurer Ausfertigung, hatte das Magazin zur modischen Beratung einen Kostümberater und Kulturwissenschafter engagiert, was sich angesichts seines baldigen Rücktritts vom Parteierneuern als übertrieben herausstellte.

Das Vizekanzleramt

Ein Beispiel humaner Berichterstattung wiederum lieferte "Die Presse", als sie diese Woche versuchte, dem gesundheitlich angegriffenen Finanzminister Markus Marterbauer die Aussichten auf das Vizekanzleramt so rosig als möglich zu schildern. Am Papier gibt das Amt allein nicht allzu viel her. Der Vizekanzler hat nur dann mehr Rechte als ein einfacher Minister, wenn der Bundeskanzler verhindert ist. Dafür verdient man als Vizekanzler auch knapp 2000 Euro mehr als Minister, nämlich 20.979 Euro brutto im Monat. Das Dumme ist nur: Vom Vizekanzleramt aus gewinnt man keine Wahl mehr.

Den Lichtblick in dieser Woche der Trübsal lieferte die "Kronen Zeitung" , indem sie die Probleme der heimischen Bauernschaft darstellte, wie sie in diesem Jahr der Dürre nur sein können – paradiesisch.

Unsere Bauern räumen mit Klischees auf – und lassen dabei die Hüllen fallen. Der Jungbauernkalender sorgt für Herzflattern. Für diesen guten Zweck sitzt eine langhaarige Schönheit in schwarzem Negligé auf einem Fass, in zwangloser Verfolgung der Absicht, die schöne Seite der Landwirtschaft zu zeigen. Drei dieser Powerfrauen begleiteten den Landwirtschaftsminister zum Agrarministerrat nach Brüssel.

Wenn das nichts hilft! (Günter Traxler, 10.10.2026)

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