Belastung steigt: Die Warnsignale bei Stress in der Arbeit

Besonders am Arbeitsplatz können Zeitdruck und psychische Belastung zu langfristigen gesundheitlichen Folgen und längeren Ausfällen führen. Doch sowohl Betriebe als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können mit einfachen Mitteln rechtzeitig gegensteuern. Am Samstag, dem Welttag für psychische Gesundheit, startet daher die ORF-Initiative „Bewusst Gesund“, die sich dem Thema Stress widmet.

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Belastung steigt: Die Warnsignale bei Stress in der Arbeit

Belastung steigt

Besonders am Arbeitsplatz können Zeitdruck und psychische Belastung zu langfristigen gesundheitlichen Folgen und längeren Ausfällen führen. Doch sowohl Betriebe als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können mit einfachen Mitteln rechtzeitig gegensteuern. Am Samstag, dem Welttag für psychische Gesundheit, startet daher die ORF-Initiative „Bewusst Gesund“, die sich dem Thema Stress widmet.

Online seit heute, 7.24 Uhr

Rund zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher fühlen sich oft oder sehr oft gestresst. Das zeigt eine Studie des Gesundheitsanbieters Mavie vom September. Laut den Daten gehen 83 Prozent trotz mentaler Erschöpfung weiter zur Arbeit, 60 Prozent nennen den Job als größten Stressfaktor.

Diese Zahlen zeigen: Stress ist kein Randthema und kann insbesondere am Arbeitsplatz zum Problem werden. Hauptursachen für Stress sind neben beruflichen Anforderungen aber auch finanzielle Sorgen, familiäre Belastung und Umweltfaktoren wie Lärm und Hitze.

„Bewusst Gesund“

Von 10. bis 17. Oktober berichtet der ORF auf allen Plattformen im Rahmen der Initiative „Bewusst Gesund“ darüber, wie Stress krank machen kann. Mehr dazu unter bewusstgesund.orf.at.

Zwar sind Stress und Überforderung oft nicht sichtbar, doch die Auswirkungen können mitunter drastisch sein: Dauerstress kann zu Schlafstörungen, Reizbarkeit, Überforderung und Konzentrationsproblemen führen und sich auch körperlich auswirken – etwa in Form von Herz-Kreislauf-Beschwerden oder einem geschwächten Immunsystem. Während der menschliche Körper auf kurzfristige Belastungen gut vorbereitet ist, kann chronischer Stress ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Steigende Arbeitsbelastung

Der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich verzeichnete in den letzten Jahren zunehmende psychische Belastungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Demnach ist die Arbeitsbelastung in Österreich deutlich gestiegen und bleibt auf hohem Niveau. Insbesondere psychische Belastungen und Zeitdruck wirken sich negativ auf das Arbeitsklima aus.

Betroffen sind laut AK Oberösterreich vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen, im Tourismus und im Bauwesen sowie junge Erwerbstätige. Die steigende Belastung führt häufig zu wachsender Erschöpfung und gesundheitlichen Beschwerden sowie letztlich zu einem steigenden Wunsch nach Berufswechsel.

Eine Umfrage von karriere.at zeichnet einen ähnlichen Befund. 52 Prozent der Befragten gaben an, schon mindestens einmal wegen der Arbeit geweint zu haben. Die Befragung wurde zwischen 16. März und 1. Mai 2026 unter 2.235 Nutzerinnen und Nutzern von karriere.at durchgeführt. 64 Prozent gaben an, schon einmal einen Wutausbruch gehabt zu haben. 31 Prozent der Befragten kamen im Job mehrmals im Monat an ihre emotionale Belastungsgrenze, ein weiteres Drittel mehrmals im Jahr.

Als Unterstützungsmaßnahmen wünschten sich 34 Prozent der Befragten weniger Arbeitslast. Jeweils knapp ein Drittel wünschte sich ein Gespräch mit der Führungskraft (32 Prozent) beziehungsweise einen Austausch im Team (28 Prozent).

Fehlzeiten als „deutliches Warnsignal“

In den letzten Jahren hat auch fit2work einen Anstieg der Beratungen verzeichnet. Die Initiative der Bundesregierung dient als Beratungsstelle für Personen und Betriebe bei gesundheitlichen Problemen, die den Arbeitsplatz gefährden.

Im Jahr 2025 nahmen knapp 27.000 Personen eine Erstberatung in Anspruch, 2020 waren es noch knapp 14.000. „Als deutliche Warnsignale im Betrieb gelten steigende Fehlzeiten“, erklärt fit2work auf ORF.at-Anfrage.

Laut Fehlzeitenreport des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) waren im Jahr 2025 69,1 Prozent der unselbständig Beschäftigten in Österreich von krankenstandbedingten Fehlzeiten betroffen. Die Versicherten verbrachten durchschnittlich 14,7 Kalendertage im Krankenstand, das sind um 2,7 Prozent weniger Krankenstandstage als 2024.

Fit2work

Die Initiative unterstützt Personen und Betriebe bei gesundheitlichen Problemen, die den Arbeitsplatz gefährden, mit kostenloser und vertraulicher Beratung unter 0800 500 118 oder fit2work.at.

Mehr als die Hälfte aller Krankenstandstage ist auf Erkrankungen der Atemsysteme und des Muskel-Skelett-Systems sowie Verletzungen und Vergiftungen zurückzuführen. Aber auch psychische Erkrankungen spielen eine Rolle. Sie machten 2025 11,8 Prozent aller Krankenstandstage aus und betreffen häufig deutlich längere Krankenstände. Zudem ist die Zahl der Krankenstände aufgrund von psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen. 2010 waren es noch knapp sieben Prozent aller Krankenstandstage.

Ununterbrochene Erholungsphasen essenziell

Wann Stress zum Problem wird, ist nicht pauschal festzulegen. Zwar kann kurzfristiger Stress helfen, sich an eine herausfordernde Situation anzupassen, weil es sich dabei um normale Reaktionen des Organismus auf Anforderungen handelt. „Gesundheitlich problematisch kann Stress aber insbesondere dann werden, wenn Belastungen über längere Zeit bestehen beziehungsweise wiederholt auftreten und ausreichende Erholungsmöglichkeiten fehlen“, so fit2work.

Die Beratungsstelle empfiehlt daher, regelmäßig kurze Pausen zu machen, idealerweise ohne Smartphone und andere Bildschirme, wie etwa kurze Spaziergänge oder aufstehen und dehnen. Aber auch gesunde Ernährung und Bewegung können helfen, Stress zu reduzieren, zum Beispiel während Telefonaten aufzustehen.

Zum Thema Work-Life-Balance empfiehlt fit2work, „unbedingt Grenzen zu setzen“. Dazu gehöre etwa feste Arbeitszeiten zu definieren und einzuhalten, aber auch in der Freizeit nicht erreichbar zu sein. Auch Aufgaben sollten nach Dringlichkeit und Wichtigkeit sortiert werden, um Prioritäten setzen zu können. Nicht zu unterschätzen sei außerdem die soziale Unterstützung in Form von Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Es sei hilfreich, „über Sorgen und Herausforderungen zu sprechen“.