Dieser Bunker in Bassum hält zwei Hiroshima-Bomben stand
StartseiteLokalesLandkreis DiepholzBassumStand: 07.08.2026, 19:00 UhrKommentareUns auf Google folgenFachmann für Bunkeranlagen: Mirko Krumm, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Warndienst“, kennt jeden Sch...
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Stand: 07.08.2026, 19:00 Uhr
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Das ehemalige Warnamt II in Bassum sollte im Atomkrieg 196 Menschen schützen und die gesamte Region warnen. Der Verein „Warndienst“ setzt sich seit zehn Jahren für den authentischen Erhalt der Anlage ein.
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Bassum – Auf Knopfdruck schließt sich die tonnenschwere Metalltür des ehemaligen Warnamts II in Bassum. „Jetzt sind wir atombombensicher“, sagt Mirko Krumm. Er ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins, der sich seit nunmehr zehn Jahren um den Erhalt des Zivilschutzbunkers aus dem Kalten Krieg kümmert. In der damaligen Zeit bis zum Zerfall der Sowjetunion und dem Ende des Eisernen Vorhangs um 1990 drohte in Europa und der Welt ein Atomkrieg zwischen dem Warschauer Pakt und den Nato-Staaten.
Wäre es damals zu einer nuklearen Eskalation gekommen, hätten in Westdeutschland zehn sogenannte Warnämter für den Zivilschutz bereitgestanden, um die regionale Bevölkerung vor heranfliegenden russischen Atombomben zu warnen, erzählt Krumm. Per Knopfdruck hätten sich die Männer und Frauen im Bassumer Bunker unter anderem auf das örtliche Radioprogramm schalten lassen können, um Warnmeldungen an die Bevölkerung durchzusagen. Die Botschaft hätte darin bestanden, unverzüglich einen Schutzraum aufzusuchen – die es heute quasi nicht mehr gibt.

Für 196 Warndienst-Mitarbeiter hätte im Bassumer Bunker Platz gefunden und mindestens einen Monat lang autark überleben können. Danach sei man laut Krumm davon ausgegangen, dass das Gefährlichste, also der Fallout (radioaktiver Niederschlag), vorbei sei und dass Lkw Lebensmittel liefern könnten. Mit seinen rund drei Meter dicken Stahlbetonwänden sei der vierstöckige Bunker atombombensicher. Der Kubus kann laut Krumm theoretisch der Detonation von zwei Hiroshima-Atombomben widerstehen. „Ein Quadratzentimeter hält dem Druck von 450 Kilogramm stand“, rechnet Krumm vor. Zudem sei der Beton in den vergangenen 60 Jahren weiter ausgehärtet und daher noch widerstandsfähiger als während seiner Anfangszeit. Sämtliche Anlagen und Technik im Inneren sind schwingend verbaut. Die knapp unter der Oberfläche liegende Anlage wurde sogar so geplant, dass sie auch einen Waldbrand mit 1.000 Grad übersteht.
Der vielleicht imposanteste Raum ist der zweistöckige, 16 mal 18 Meter große Lageraum, in dem damals die ABC-Auswertung stattfand, also wo atomare, biologische und chemische Angriffe auf das Bundesgebiet stattgefunden hätten. So wären beispielsweise Bomber oder ballistische Raketen aus der Sowjetunion verfolgt und deren Einschläge ausgewertet und beobachtet worden. „Wie breitet sich der Fallout aus?“, nennt Krumm eine Aufgabe.

Heute betreibt das Bundesamt für Strahlenschutz in Deutschland das flächendeckende Messnetz zur Überwachung von atomaren beziehungsweise radioaktiven Gefahren als Teil des ABC-Schutzes mit rund 1.700 automatischen Messstellen. Eine solche Anlage befindet sich etwa in Syke. Früher fiel dieses Netz in die Zuständigkeit der Warnämter. Doch selbst heute noch können die Ergebnisse der mittlerweile modernen Messsonden mit der betagten Telex-Technik im Bassumer Bunker abgefragt werden, wie Krumm stolz demonstriert: „Hier funktioniert noch alles!“
Das liegt vor allem an dem Engagement der Vereinsmitglieder, die seit zehn Jahren dabei sind, den originalgetreuen Anblick und Zustand in dem Bunker als Erinnerung und Mahnung an den Schrecken eines möglichen Atomkriegs zu bewahren. Der Vereinsvorsitzende nennt daher als Ziel, „den Zustand herzustellen, wie es früher hier ausgesehen hat.“ Das ehemalige Warnamt II soll dabei kein klassisches Museum werden, sondern ein authentischer Ort des Erlebens, so die Vorstellung des Vereins.
„Die Büromöbel sind ein limitierender Faktor“, sagt Krumm über das Vorhaben. Zudem sucht der Verein nach Helfern, die sich mit Fernmeldetechnik und Elektrotechnik auskennen. Denn noch ist auch auf der technischen Seite bisher nicht alles komplett. Es fehlt etwa ein Original-Stromgenerator, um das Bauwerk autark mit Elektrizität versorgen zu können, wie es früher einmal möglich war. „Den wollen wir wieder herholen“, kündigt Krumm an. Damit käme ein weiterer authentischer Faktor hinzu: der Lärm. Aktuell ist es dort nämlich mucksmäuschenstill. Mit Strom versorgt würde der Bunker im Vollbetrieb über eine 20-Kilovolt-Leitung. Das Zuschalten müsste bei den Stadtwerken angemeldet werden, um das Netz nicht zu überlasten. Würde der dieselbetriebene Notstromgenerator im Bunker anlaufen, wäre das mit Vibrationen und Lärm im gesamten Bauwerk verbunden, erzählt Krumm. „Das ist nicht leise im Bunker.“ Erste Pläne für den Wiedereinbau und sogar Exklusivverträge über die Begleitung des Transports gebe es bereits, verrät Krumm, aber noch sei nichts spruchreif.