Pfeiffersches Drüsenfieber: Dieses Virus kann den Körper chronisch anfällig machen

Dieses Virus kann den Körper chronisch anfällig machenDas Pfeiffersche Drüsenfieber hat manchmal langfristige Folgen. Viele Betroffene klagen anschliessend über häufigere Erkältungskrankheiten. Was Experten übe...

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Pfeiffersches Drüsenfieber: Dieses Virus kann den Körper chronisch anfällig machen

Dieses Virus kann den Körper chronisch anfällig machen

Das Pfeiffersche Drüsenfieber hat manchmal langfristige Folgen. Viele Betroffene klagen anschliessend über häufigere Erkältungskrankheiten. Was Experten über das Phänomen herausgefunden haben. Die Kolumne «Hauptsache, gesund».

03.10.2026, 05.30 Uhr

2 Leseminuten


Kann auch die Entstehung von multipler Sklerose und verschiedener Krebserkrankungen begünstigen: das Epstein-Barr-Virus.

Kann auch die Entstehung von multipler Sklerose und verschiedener Krebserkrankungen begünstigen: das Epstein-Barr-Virus.

Getty

Ein Virus, das fast alle Schweizer und Deutschen unbemerkt mit sich herumtragen, ist kein Grund, sich Sorgen zu machen. Sollte man meinen. Der Fall meiner Nichte zeigt allerdings: Darauf kann man sich nicht verlassen.

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«Hauptsache, gesund»

In dieser Kolumne werfen Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin und Gesundheit.

Mehr als 90 Prozent aller Europäer stecken sich im Lauf ihres Lebens mit dem Epstein-Barr-Virus, kurz EBV, an. Die meisten als kleine Kinder, in diesem Alter macht sich die Infektion durch leichte Erkältungssymptome bemerkbar. Wer sich später infiziert, hat Pech gehabt. Denn wird das Virus erst bei Jugendlichen mit dem Speichel übertragen, kann es das sogenannte Pfeiffersche Drüsenfieber verursachen.

Fünf Wochen waren bei meiner Nichte die Halslymphknoten so geschwollen, dass jede Kopfdrehung weh tat. Dazu kamen Symptome wie Fieber, Müdigkeit und Halsschmerzen. Leider war es damit nicht getan. Denn seitdem hat die 19-Jährige den Eindruck: Das Drüsenfieber hat sie anfällig für andere Erreger gemacht. In den letzten Monaten dauerte es bei ihr jeweils nur ein paar Wochen, bis die nächste Erkältungskrankheit ausbrach. Über solche Immunschwächen berichten viele Patienten, die das Drüsenfieber hinter sich haben.

Das Virus erhöht das Risiko für Infektionen in Lunge und Darm

Der Grund, sagt Christian Münz vom Institut für experimentelle Immunologie der Universität Zürich: Das Epstein-Barr-Virus hat bei den Betroffenen Darm und Lunge anfälliger gemacht. Den Erreger zeichnet die Vorliebe aus, bestimmte Immunzellen, die sogenannten B-Lymphozyten, zu befallen. Bei den meisten Menschen versinkt er dort in eine Art Winterschlaf.

Er schaltet die eigenen Gene aus und wartet ab. Sieht er seine Chance gekommen, weil der Träger sich wegen eines geschwächten Immunsystems nicht mehr richtig wehren kann, wird er wach und hackt sich in die Signalwege der Zellen ein. Die Folge der Umprogrammierung: Diese beginnen sich unaufhörlich zu teilen, neue Viruskopien zu verbreiten und das menschliche Abwehrsystem verrückt zu machen. Weil dieses alles daransetzt, den Erreger wieder zu vertreiben.

Pech haben die, bei denen der Erreger nicht einschlafen kann

Meine Nichte gehört wahrscheinlich zu den Pechvögeln, bei denen das Virus nach dem Drüsenfieber nicht einschlafen kann. Die befallenen B-Lymphozyten sammeln sich in Organen wie Luftröhre, Lunge oder Darm. Das ruft andere Abwehrzellen auf den Plan, die Botenstoffe ausschütten und dadurch Entzündungen verursachen. «Das können andere Erreger sich zunutze machen», sagt Münz. Denn durch die Entzündung werden im Organ Gewebeschäden verursacht, die anderen Viren das Eindringen ins Körperinnere erleichtern.

Zudem sind die Abwehrzellen vor Ort nach dem EBV-Grossalarm irgendwann so erschöpft, dass sie eindringenden Erregern weniger entgegenzusetzen haben. Regelmässige Infektionen wie bei meiner Nichte sind oft das Resultat.

Grosse Hoffnung auf eine Therapie kann Münz den Betroffenen nicht machen: Noch mangelt es an Mitteln, mit denen sich EBV erfolgreich bekämpfen lässt. «Im Moment hilft nur Abwarten», so der Experte. Bei den meisten fällt der Erreger ein paar Monate später schliesslich doch in seinen Winterschlaf.

Bereits erschienene Texte unserer Kolumne «Hauptsache, gesund» finden Sie hier.

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