(+) Doppelmord auf St. Pauli: Was hinter den Schüssen steckt
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Polizei
Doppelmord in Hamburg: Als der Leichenwagen vorfährt, stürmen Zehntausende die Messe
Zwei Männer wurden auf St. Pauli erschossen – in unmittelbarer Nähe der Hamburger Messe. Der Fall hat eine Vorgeschichte.
Die Lagerstraße auf St. Pauli: Links fahren Taxis und Mercedes-Busse mit verdunkelten Scheiben vor – rechts ein Leichenwagen. Direkt gegenüber des Messegeländes wurden am späten Dienstagabend zwei Menschen erschossen. Und schnell ist offensichtlich: Es handelt sich um eine Tat im Milieu. Beamte der Abteilung Organisierte Kriminalität des LKA haben die Ermittlungen übernommen. Der Fall sticht heraus: Der letzte Doppelmord mit Milieu-Bezug liegt bereits 15 Jahre zurück. Vor Ort ist der Schock groß. Und die Unsicherheit. Denn das letzte Mal ermittelte das LKA in der Lagerstraße erst vor wenigen Wochen: Am gleichen Ort explodierte eine Handgranate! Was hinter der beispiellosen Eskalation steckt.
Ein Mann in königsblauem Jogginganzug steht vor dem Gewerbegelände in der Lagerstraße und telefoniert, neben ihm ein großer, kräftiger Typ in Shorts. Die Zufahrt wird von Polizisten und Absperrband blockiert. Ermittler der Spurensicherung tragen verschlossene Papiertüten aus einem Eingang auf der linken Seite des Geländes. Wenige Stunden zuvor wurden hier zwei Menschen erschossen. Ein Doppelmord, mitten im Stadtzentrum.
Schüsse auf St. Pauli: zwei Tote und ein Verletzter
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Zeugen hörten am Dienstag gegen 21.30 Uhr Schussgeräusche und riefen die Polizei. Als die Beamten am Tatort ankamen, entdeckten sie auf dem Parkplatz eine leblose Person mit Schussverletzungen. Alle Wiederbelebungsversuche scheiterten, der 47-Jährige starb.
Bei der Durchsuchung des Gebäudes entdeckten die Polizisten dann einen weiteren Toten. Seine Identität konnte bislang nicht geklärt werden. Ein 48-Jähriger wurde angeschossen. Er war eigenständig geflohen und hatte ein Krankenhaus aufgesucht.
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Boxstudio von Ismail Özen auf demselben Gelände
Die beiden Männer vor dem Gelände erzählen, dass sie zum Boxtraining wollten. Mehrere Firmen haben ihren Sitz in der Lagerstraße, darunter „Delta Fleisch“ und „Universum Boxing“, dessen Geschäftsführer der ehemalige Profi-Boxer und Promoter Ismail Özen ist. Wem die Räume auf der linken Seite des Gebäudes gehören, ist aktuell unklar.
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Einer der beiden Männer erzählt, er sei am Dienstagabend noch selbst auf dem Gelände gewesen. Am Morgen dann die Schocknachricht: zwei Menschen, tot. „Das wünsche ich keinem“, sagt er. „Wer sind diese zwei Leute?“
Mit dem Chef Özen habe er bereits gesprochen, ihm gehe es gut. Andere Kollegen und Bekannte versucht er noch zu erreichen, um sicherzugehen, dass ihnen nichts passiert ist. Eine Erklärung für das, was in der Nacht vorgefallen ist, hat er nicht. „Wir haben bei uns keine Banditen“, sagt er.
Im Juni explodierte in der Lagerstraße eine Handgranate
Eine Vorgeschichte allerdings gibt es: Erst vor wenigen Wochen, am 26. Juni, war auf dem Gelände eine Handgranate explodiert, wie die MOPO damals exklusiv enthüllte. Dabei wurden mehrere Autos und Fenster beschädigt, aber niemand verletzt. Die Granate explodierte genau dort, wo jetzt Polizisten den aktuellen Tatort absperren.
Fünf Wochen später, am 29. Juli, explodierte in der Mönckebergstraße die nächste Granate. Ob es eine Verbindung zwischen den beiden Explosionen sowie dem Doppelmord gibt, ist allerdings unklar. „Mögliche Zusammenhänge werden aktuell geprüft“, sagt ein Polizeisprecher.
Nach der Explosion an der Lagerstraße kursierte ein Video in gewissen Kreisen. Es ist die Aufzeichnung eines Videotelefonats mit Özen, auf dem er beschimpft und bedroht wird. Der Anrufer fragt den Ex-Boxer, ob er einem berüchtigten arabischen Clan „Rückenwind“ gebe. Schließlich wird Özen drastisch beleidigt und das Gespräch bricht ab.
Leichenwagen auf der einen Seite – 50.000 Messebesucher auf der anderen
Um kurz nach 9 Uhr fährt der Leichenwagen auf das Gewerbegelände. Ein verdeckter Körper wird auf einer Trage aus dem Eingang in den Transporter geschoben. Dann verlässt der Wagen das Gelände wieder. Immer mehr Autos fahren derweil am Tatort vorbei auf das Messegelände.
50.000 Besucher werden bis Freitag auf der weltweit größten Schiffbaumesse, der SMM, erwartet. Männer und Frauen mit Anzügen und Aktentaschen strömen durch das Tor. Die wenigsten beachten die Polizisten auf der anderen Straßenseite.
Letzter Doppelmord im Milieu war 2011
Der oder die Täter konnten in der Nacht nicht gefasst werden. Die Polizei geht davon aus, dass sie die Opfer kannten. Das Landeskriminalamt für Organisierte Kriminalität hat die Ermittlungen übernommen. Der letzte Doppelmord mit Milieu-Hintergrund liegt inzwischen 15 Jahre zurück. Damals erschoss der Betreiber der Bar „Chill In Lounge“ in Barmbek zwei Männer mit Rotlichtverbindungen. 1998 wurden ein Hamburger aus dem Rotlichtmilieu und seine Frau in Altona erschossen.
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