Dreimal hui, dreimal pfui: Was uns beim ÖFB-Team Hoffnung macht und was zu denken gibt

Rangnicks Mannschaft kam in der Nations League nach Rückschlägen zurück, hat Qualität in der Breite. Die Außenbahnen bleiben aber eine Baustelle, eine vermeintliche Stärkeposition enttäuschte

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Dreimal hui, dreimal pfui: Was uns beim ÖFB-Team Hoffnung macht und was zu denken gibt

Nachschau

Dreimal hui, dreimal pfui: Was uns beim ÖFB-Team Hoffnung macht und was zu denken gibt

Rangnicks Mannschaft kam in der Nations League nach Rückschlägen zurück, hat Qualität in der Breite. Die Außenbahnen bleiben aber eine Baustelle, eine vermeintliche Stärkeposition enttäuschte

Analyse

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Martin Schauhuber Andreas Hagenauer

Drei Fußballspieler der österreichischen Nationalmannschaft klatschen nach einem Spiel auf dem Spielfeld in die Hände, darunter der Torwart in einem leuchtend gelben Trikot. Im Hintergrund sind verschwommene Zuschauertribünen zu erkennen.
Auf Schlussmann Alexander Schlager war wie schon bei der Weltmeisterschaft Verlass.

Vier Spiele, acht Punkte, Tordifferenz 9:5 – Österreichs Fußball-Nationalteam hat die ersten zwei Drittel der Nations League grundsolide absolviert. Wie bei einem mehrgängigen Wirtshaus-Aufenthalt sollte man wegen eines misslungenen Desserts (also dem abschließenden 1:1 im Kosovo) nicht vergessen, dass die ersten Gänge besser abgeschmeckt waren. Als Resümee der Marathon-Länderspielpause zoomt der STANDARD raus und benennt drei erfreuliche Entwicklungen – aber auch drei Beobachtungen, die Besorgnis erregen.

Hui: Mentalität

Nur jene Optimisten, die das Fußballjahr im Iglu verbracht haben, dürften davon ausgegangen sein, dass die Gruppe B3 ein Spaziergang wird. Israel, Kosovo, Irland sind keine Weltmächte, dennoch können sie mitunter ziemlich gut Fußball spielen. Das musste Österreich in drei von vier Partien erfahren, denn in drei von vier Partien kam man ziemlich in Bedrängnis.

Gut, Israel hat sich nach dem Ausgleich in Linz mit dem Ausschluss ein gutes Stück selbst sabotiert, dennoch war auch da zu sehen, dass Österreich mit Rückschlägen umgehen kann. Besonders eindrücklich wurde die Moral nach dem 0:2-Rückstand in Dublin gefordert, auch hier hatte die ÖFB-Elf Antworten – und das auf eine weitaus kniffligere Aufgabenstellung. Und auch im Kosovo lag man hinten. Das durchaus Beeindruckende: Die Aufholjagden waren nicht von hektischer Panik, nicht von kopflosem Wahnsinn getrieben, sondern hatten Struktur, hatten einen Plan, wie man mit ebendiesen Rückschlägen umzugehen hat. Das gibt Hoffnung, denn es wird auch in Zukunft die eine oder andere knifflige Situation geben.

Pfui: Wacklige Innenverteidiger

Auf dem Papier ist die Position des Innenverteidigers die große Stärke des ÖFB-Teams: Kevin Danso, David Affengruber und Michael Svoboda kicken bei Premier-League-Klubs, Felix Bacher ist ein Leistungsträger beim Zweiten der Ligue 1, Philipp Lienhart, Marco Friedl und Leopold Querfeld haben ein Leiberl in der Deutschen Bundesliga, auch der im Team eher als Linksverteidiger aufgebotene Maximilian Wöber lieferte gegen Irland im Abwehrzentrum ab, und David Alaba dürfte bei Udinese demnächst auch wieder Profifußball spielen.

Von den weiteren Kandidaten wie Jannik Schuster oder Samson Baidoo nicht zu reden. Dass Linksverteidiger-Zukunftshoffnung David Puczka in Genua von Daniele de Rossi derzeit zum Innenverteidiger umfunktioniert wird, ist da fast eine Frechheit.

Österreichs Kevin Danso (links) und Felix Bacher (rechts) im Zweikampf mit Kosovos Vedat Muriqi (Mitte) während eines UEFA-Nations-League-Spiels zwischen Kosovo und Österreich in Pristina, Kosovo. Im Hintergrund jubelnde Fans.
Kevin Danso (l.) war gegen den Kosovo mehrfach Retter in der Not, leistete sich aber auch mehrere Aussetzer.

Ralf Rangnick legt offenbar keinen Wert auf ein fixes IV-Duo; es spielt, wer zum Gegner passt und gerade frisch ist. Von dem Überfluss an Optionen hat der Teamchef aber wenig, wenn die Leistungen seiner Spieler stärker schwanken als ein Fußballfan nach dem fünften Auswärtsbier. David Affengruber glänzte im Heimspiel gegen den Kosovo und war Tage später in Irland völlig überfordert, Bachers Teamdebüt war eher keine Empfehlung und auch Danso, in Summe der stärkste Innenverteidiger, legte dem Kosovo in Prishtina beinahe mehrere Goals auf. Lienhart war auf seine Art immerhin konstant, aber mäßig überzeugend.

Hui: Wettstreit der Goalies

Nach seiner starken WM schien Alexander Schlager als Einsergoalie einzementiert, ganz so eindeutig scheint die Lage nun nicht mehr. Das liegt an seiner Bankrolle bei Werder Bremen, an tadellosen Leistungen der Alternativen im Team – gewiss aber nicht an seinen Leistungen gegen Israel und am Sonntag im Kosovo. "Alex hat uns Bälle gehalten, die er nicht unbedingt halten muss", sagte Rangnick nach dem Match in Prishtina.

Die oft gut platzierten Schüsse der Gastgeber wären ohne Weiteres für zwei oder drei Tore gut gewesen, doch nur beim Führungstor von Fisnik Asllani ergab sich Schlager der Machtlosigkeit. Veldin Hodža dagegen dürfte noch übermorgen Albträume von der Pranke des ÖFB-Schlussmanns haben. (Einschub für die Fußballdatennerds: der Expected-Goals-on-Target-Wert lag laut Sofascore bei 2,61, Hodža hatte davon allein 1,53.)

Zwei Fußballspieler kämpfen um den Ball während eines UEFA-Nations-League-Spiels zwischen Kosovo und Österreich in Pristina. Der Spieler im blauen Trikot trägt die Nummer 18, der Torwart im gelben Trikot die Nummer 01. Im Hintergrund sind Zuschauer zu sehen.
Alexander Schlagers vielleicht schwierigste Rettungsaktion am Sonntag fand in der Statistik keinen Niederschlag.

Da sich der 19-jährige Christian Zawieschitzky im Heimspiel gegen den Kosovo mit einer Glanzpartie vorgestellt hatte und auch Pilsen-Hüne Florian Wiegele gegen Irland überzeugte, bleibt die Position eine spannende Angelegenheit. "Die Torhüter haben es allesamt sehr gut gemacht, es wird dadurch auch nicht leichter", sagte Rangnick. Und da ist noch keine Rede von LASK-Handschuh Lukas Jungwirth, der wegen Zawieschitzkys Verletzung und der damit verbundenen Abkommandierung zur U21 um sein Teamdebüt umfiel. Der Teamchef will sich nun anschauen, wer im kommenden Monat bei seinem Klub spielt. "Es ist eine offene Situation. Ich finde das auch völlig okay, dass es so ist."

Pfui: Übertriebene Treue

Der rotierende Rangnick hat in den vier Partien vor allem eins: rotiert, dass sich die Kreisel biegen. Die Startaufstellungen wurden immer wieder durchgewürfelt, der Rumpf des Teams blieb aber unverändert. Das ist in einem Fall, nämlich bei Xaver Schlager, absolut nachvollziehbar. Der Mittelfeldspieler von Nottingham war wohl der überzeugendste Akteur des Lehrgangs. In anderen Fällen ist die Treue des Teamchefs aber nicht ganz so verständlich.

Da ist einerseits Nicolas Seiwald, der sich zwar gegenüber seiner WM-Form steigerte, aber insgesamt noch nicht dort ist, wo man ihn schon gesehen hatte. Da ist viel Sicherheit, viel Erwartbares, natürlich auch viel Fleiß, aber auch immer wieder zu wenig Impulsives und Spannendes dabei. Viele Impulse und Spannungsmomente erwartet man sich auch von Romano Schmid, der diese aber über weite Strecken vermissen ließ. Gerade mit dem ÖFB-Trend zu starken Einwechselspielern könnte man auch Schmid einmal mit dieser Rolle betrauen.

Auch Patrick Wimmer startete in allen vier Partien: Zwei davon waren gut bis sehr gut (Israel und Kosovo daheim), zwei weniger. Das klingt unkonstant, kann im modernen Fußball aber abseits der absoluten Superstars wohl als Normalität angesehen werden. Natürlich spielen in den Überlegungen des Teamchefs auch Trainingsleistungen, taktische Konzepte und Tagesform mit. Als unverzichtbar hat sich aktuell aber nur Xaver Schlager hervorgetan.

Hui: Die Bank ist eine Stärke

Ist die Nations League prädestiniert für Experimente? Ja, ein bisschen. Hat sie Testspielcharakter? Nur ganz wenig. Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass der Bewerb manchmal an die Grenzen seiner Ernsthaftigkeit stößt, und dennoch haben die vier Spiele vor allem eines bewiesen: Österreich besitzt mittlerweile eine richtig starke Breite an Fußballern. Gerade im Vergleich zu allen drei Gruppengegnern. In den vier Spielen konnte man von der Bank nachlegen, konnte man von den Ersatzspielern Impulse sehen, griffen die Korrekturen von außen fast immer direkt. Auch dass die vergangenen neun Tore von neun unterschiedlichen Spielern erzielt wurden, unterstreicht das große österreichische Repertoire. Noch nicht sehr oft gesehen, aber mit spannendem Potenzial: das spät eingesetzte, aber griffige Offensivduo Gregoritsch/Kalajdžić.

Die Qual der Wahl ist für den Teamchef dabei nicht die einzige Herausforderung. Denn es geht natürlich auch darum, erst spät eingesetzte Spieler bei der Motivationsstange zu halten. Das ist Rangnick gelungen, die fünf Joker-Tore in den vier Spielen sprechen einerseits für das Händchen des Teamchefs und andererseits für Breite, die sich mittlerweile auf Österreichs Bank tummelt.

Pfui: Alles, was von außen kommt

Wenn wir schon die Twin Towers Kalajdžić/Gregoritsch behandeln: Es ist nicht unbedingt fußballrevolutionär, bei zwei Offensivlackln im Sturmzentrum verstärkt auf Flanken zu setzen. Diese fielen in allen vier Spielen aber eher deprimierend aus. Der Datenanbieter Sofascore kategorisierte 19 der 82 abgegebenen Flanken als "präzise", subjektiv erscheint das wie eine Beschönigung. Doch es waren nicht nur die unpräzisen Hereingaben, die Österreichs Flügelspiel offensiv disqualifizierten. War Rechtsverteidiger Stefan Posch in der WM-Qualifikation noch oft Dauergast im gegnerischen Strafraum, entstand über die Außenbahnen diesmal praktisch keine Gefahr.

Österreichs Michael Gregoritsch (rechts) schießt auf das Tor, während Kosovos Torhüter Amir Saipi (links) versucht, den Ball zu halten, während eines UEFA-Nations-League-Spiels in Pristina, Kosovo. Zuschauer und ein Schiedsrichter sind im Hintergrund zu sehen.
Hereingaben von der Seite und der ÖFB, das ist derzeit eine schwierige Beziehung. Einem Versuch von Marco Grüll kam Michael Gregoritsch immerhin nahe.

Positive Ausreißermomente waren diesbezüglich Phillipp Mwenes 2:1 gegen Israel, das eine gelungene Flanke von Paul Wanner mit einem frech getimten Vorstoß eines Außenverteidigers kombinierte, und Alexander Prass' Interpretation des linken Flügels nach seiner Einwechslung in Irland. Abseits dessen führte Schwäche der Seiten oft zu einem frustrierenden Zentrumsfokus, in dem die ÖFB-Kicker immer wieder vergeblich an einer organisierten Defensive zerschellten. Gegen stärkere – nein, auch gegen die derzeitigen Gegner muss da mehr kommen. (Martin Schauhuber aus Prishtina, Andreas Hagenauer, 5.10.2026)

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