(+) Schock in Altona: Hilfe für Suchtkranke vor dem Aus

Hamburg Drogenhilfe überraschend vor dem Aus: Politiker entsetzt, Behörde bleibt hart Die Drogen- und Suchtberatungsstelle „Palette“ in der Stresemannstraße steht überraschend vor dem Aus. ...

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(+) Schock in Altona: Hilfe für Suchtkranke vor dem Aus

Hamburg

Drogenhilfe überraschend vor dem Aus: Politiker entsetzt, Behörde bleibt hart

Die Drogen- und Suchtberatungsstelle „Palette“ in der Stresemannstraße steht überraschend vor dem Aus.
Florian Quandt

Die „Palette“ an der Stresemannstraße soll zum Jahresende ihre Finanzierung verlieren. In Altona sorgt das überraschende Aus für die Drogenhilfe für Wut – und Unverständnis.

Schock-Nachricht in Altona: Die „Palette“ soll zum Jahresende ihre Finanzierung verlieren. Ein Mitarbeiter der Sozialbehörde verkündete die Entscheidung am Dienstagabend überraschend im Ausschuss. Die Anlaufstelle für Abhängige an der Stresemannstraße ist seit sechs Jahren eine feste Institution im Stadtteil – entsprechend groß ist die Wut in der Bezirkspolitik.

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Altonaer Bezirkspolitik erst so spät in diese Pläne eingeweiht wird“, kritisiert Karsten Strasser von der Linksfraktion in Altona. „Wir fordern daher eine angemessene Transparenz und ausführliche Vorstellung der Pläne im zuständigen Sozialausschuss!“

„Palette“ soll überraschend zum Jahresende schließen

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Ausgerechnet in diesem Ausschuss waren am Dienstagabend mehrere Mitarbeiter der Sozialbehörde zu Gast – und verkündeten zur Überraschung der Anwesenden das Ende der Finanzierung des „Palette“-Standorts an der Stresemannstraße zum Jahresende.

Auch „Palette“-Geschäftsführerin Mandy Dombeck-Herrmann wurde nach eigener Aussage von der Entscheidung überrumpelt. „Wir haben von der Nachbarschaft, den Gewerbetreibenden vor Ort und der Bezirkspolitik immer Rückendeckung für unsere Arbeit vor Ort bekommen“, erzählt sie im Gespräch mit der MOPO.

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Der Verein „Palette“ bietet gemeinsam mit dem städtischen Träger Fördern & Wohnen seit Jahren Hilfe für obdachlose und suchtkranke Menschen an.

Große Kritik am Aus für die „Palette“

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Die „Palette“ verfolgt einen akzeptierenden Drogenhilfeansatz. Das bedeutet: Süchtige werden nicht zu einem Entzug gedrängt, sondern in ihrer aktuellen Lebenssituation unterstützt. Bis zu 60 Klienten täglich werden dort beraten und rudimentär versorgt. Für einige ist die „Palette“ so etwas wie ein zweites Zuhause.

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Konkrete Gründe für das Aus seien im Ausschuss nicht genannt worden, berichtet der Linken-Co-Fraktionschef in Altona, Yavuz Fersoglu. „Das eine sind ja die angekündigten Kürzungen im Sozialbereich“, sagt er. „Aber das andere ist die Kommunikation des Senats. Und die geht gar nicht. Da bleibt einem die Sprache weg.“

Auch die Grünen im Bezirk kritisieren den Schritt: „Die Schließung der ‚Palette‘ ist fatal“, sagt die Abgeordnete Nadine Neumann. „Die Drogenszene, die hier überwiegend aus Crack-Konsumierenden besteht, hat das Hilfsangebot sehr gut angenommen.“ Der Treffpunkt leiste unverzichtbare Arbeit und habe dazu beigetragen, den sozialen Frieden vor Ort wiederherzustellen.

So begründet die Sozialbehörde das Ende der Finanzierung

Die Sozialbehörde verweist darauf, dass die Einrichtung in der Stresemannstraße 150 im Jahr 2020 als vorübergehende Anlaufstelle geschaffen worden sei. Seit März biete die neu eröffnete Tagesaufenthaltsstätte in der Stresemannstraße 138 bis zu 100 obdachlosen Menschen Aufenthalt, Beratung und Unterstützung. Alkohol- und Drogenkonsum ist dort allerdings nicht erlaubt.

Das Klientel in der Stresemannstraße 150 habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, so ein Behördensprecher. „Heute nutzen das Angebot hauptsächlich Menschen, die harte Drogen und insbesondere Crack konsumieren.“ Die Voraussetzungen für ein solches Suchthilfeangebot ließen sich an diesem Standort nicht schaffen. Deshalb seien die Drogen- und Suchtberatungsstellen „Stay Alive“ in der Virchowstraße in Altona-Altstadt und beim „Drob Inn“ am Hauptbahnhof in St. Georg verstärkt worden.

„Palette“-Geschäftsführerin hofft weiter auf ein Bleiben des Standorts

„Wer in die Virchowstraße oder nach St. Georg gehen kann, den schicken die Kolleg:innen auch dahin“, sagt „Palette“-Geschäftsführerin Dombeck-Herrmann. „Aber es gibt Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht bis dorthin gehen können. Das hat nichts damit zu tun, dass die Kolleg:innen dort keine gute Arbeit leisten. Viele fühlen sich in Altona-Nord heimisch, und das ist auch okay. Warum sollen sie nach St. Georg?“

Inakzeptabel, findet die Linksfraktion, die im Ausschuss einen entsprechenden Antrag gegen die Pläne gestellt hat. Alle Parteien stimmten dem Antrag einstimmig zu. Die Sozialbehörde scheint dennoch an ihrer Entscheidung festzuhalten. Dombeck-Herrmann ist unterdessen weiter mit den Verantwortlichen im Gespräch: „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir bleiben können.“