Tragödie in Aarau: Mutter nimmt Abschied von getöteter Tochter M.
Publiziert1. September 2026, 20:40Brief an die Verstorbene«Du strahltest vor Lebensfreude»: Mutter nimmt Abschied von M.Nach dem Tod der 22-jährigen M. in Aarau hat ihre Familie den Leichnam identifiziert. Ihre...
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Publiziert1. September 2026, 20:40
Brief an die Verstorbene«Du strahltest vor Lebensfreude»: Mutter nimmt Abschied von M.
Nach dem Tod der 22-jährigen M. in Aarau hat ihre Familie den Leichnam identifiziert. Ihre Mutter erinnert sich in einem Abschiedsbrief an M.s Lebensfreude und ihren letzten Kontakt.

Darum gehts
- Eine 22-jährige Italienerin wurde bei einer Rave-Party in Aarau durch Schüsse getötet.
- Ihre Eltern identifizierten am Dienstag den Leichnam in Basel; die Überführung nach Italien ist noch offen.
- Die Mutter hat in einem bewegenden Brief Abschied genommen und erinnert sich an den letzten Kontakt mit ihrer Tochter.
Die Eltern der 22-jährigen M., die bei einer Rave-Party in Aarau durch Schüsse getötet wurde, haben am Dienstagnachmittag den Leichnam ihrer Tochter identifiziert. Die sterblichen Überreste seien der Familie noch nicht übergeben worden, sagte Antonella Crudeli, die Anwältin der Angehörigen, der italienischen Zeitung «Il Pescara». Wann M. nach Italien überführt werden kann, ist demnach noch offen.
Die Mutter war gemeinsam mit ihren beiden weiteren Kindern in die Schweiz gereist. Auch der Vater nahm an der Identifizierung in Basel teil.
M.s Mutter schreibt emotionalen Brief
In einem bewegenden Brief nimmt die Mutter Abschied von ihrer Tochter. Sie erinnert sich an den Moment ihrer Geburt: M. sei damals zwar klein gewesen, habe aber «Augen so gross wie zwei Lampen» gehabt, die ihre Welt vom ersten Augenblick an erhellt hätten. Genau diese Augen habe sie nun «in dieser ungerechten Stille» wieder gesucht.
Sie schreibe mit gebrochenem Herzen, erklärt die Mutter. Ihre Tochter sei wunderschön gewesen – «kühl, aber dennoch unendlich schön», so wie sie sie immer gesehen habe.
In der Schweiz endlich glücklich
Der Brief schildert auch den letzten Kontakt mit M., die erst kurz zuvor in die Schweiz gezogen war, um dort ein neues Leben zu beginnen. Die Mutter erinnert sich an Nachrichten, Fotos und Videoanrufe. Ihre Tochter habe ihr erzählt, dass sie endlich glücklich sei, sich erfüllt und wie neugeboren fühle. «Du strahltest vor Lebensfreude, du warst ein Vulkan des Lebens», schreibt sie.

Zugleich beschreibt die Mutter ein Gefühl der Vorahnung. Mütter spürten Gefahren manchmal, selbst wenn diese hinter dem hellsten Licht verborgen seien. Sie bedauert, ihrer Tochter ihr eigenes Glück über ihre neue Lebenserfahrung nicht offener gezeigt zu haben, und bittet sie unter Tränen um Verzeihung. «Erst jetzt verstehe ich, wie sehr mich diese tiefe Angst gelähmt hat. Eine Mutter sollte sich nur freuen, tanzen und feiern, wenn sie spürt, wie ihre Tochter vor Lebensfreude sprüht, so wie du es getan hast.»
Zum Schluss richtet sie einen letzten Appell an M.: Sie möge die Entschuldigung einer Mutter annehmen, die ihre Tochter nicht vor den Gefahren, Ungerechtigkeiten und der Grausamkeit dieser Welt habe schützen können. Ihre Schönheit werde sie mit jedem Herzschlag im Herzen tragen.

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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