Duschen unbrauchbar, Türen gesplittert: Mängelliste trübt Freude am 70-Millionen-Neubau
Zwei Jahre nach der Eröffnung des Schulzentrums in Markt Schwaben sind die Duschen wegen falschen Bodengefälles noch immer nicht nutzbar. Unklar ist, welche Kosten die Gemeinde selbst tragen muss und was die Baufirmen übernehmen. Den Stolz auf die neue Schule will sich die Gemeinde trotz der Mängelliste nicht nehmen lassen.
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Stand: 29.08.2026, 08:30 Uhr
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Zwei Jahre nach der Eröffnung des Schulzentrums in Markt Schwaben sind die Duschen wegen falschen Bodengefälles noch immer nicht nutzbar. Unklar ist, welche Kosten die Gemeinde selbst tragen muss und was die Baufirmen übernehmen. Den Stolz auf die neue Schule will sich die Gemeinde trotz der Mängelliste nicht nehmen lassen.
Markt Schwaben – Im Chromglanz der wuchtigen Lüftungsschächte und der Bandspülmaschine mit den Ausmaßen eines Kleintransporters wirkt Walentina Dahms im Maschinenraum der Markt Schwabener Mittagsbetreuung fast ein wenig verloren. Die CSU-Bürgermeisterin schmunzelt tapfer, legt die Hand auf die blitzende Edelstahlseitenwand, die mehr als eine Kopflänge über sie hinausragt, und sagt: „Diese Spülmaschine würde besser auf die Wiesn passen.“ Zwei Personen müssten das Gerät bedienen, das einen sechsstelligen Eurobetrag gekostet habe. „Völlig überdimensioniert“, sagt Dahms, die das Riesenteil verkaufen und gegen zwei handelsübliche, viel, viel billigere Gastro-Spülmaschinen ersetzen möchte.

Vor zwei Jahren eröffnet, ist manches noch nicht repariert und anderes schon wieder kaputt
Vor zwei Jahren, zum Schuljahresbeginn 2024/2025, hat das Schulzentrum der Gemeinde Markt Schwaben am Habererweg eröffnet. Es besteht aus der Falken-Grundschule, der Grafen-von-Sempt-Mittelschule, der Turnhalle, der Mittagsbetreuung und einer Sportplatz-Baustelle. Doch während das neue Sportgelände erst nach dem Abriss eines ehemaligen Schulgebäudes zur Baustelle wurde, ist es das Innere des Schulgebäudes teils immer noch und teils schon wieder – zum Leidwesen des Rathauses. Der Grund sind Fehlplanungen, wie die monströse Spülmaschine, aber auch schlichte Mängel wie ein falsches Bodengefälle in den weiterhin nicht nutzbaren Duschen, wo das Wasser bei der Legionellenspülung nicht abläuft, sondern Stockflecken auf dem Boden hinterlässt.

Dahms, bei der Eröffnung des Schulzentrums erst frisch ins Amt gewählt, sagt über die Mängelliste, die von den Toiletten über die Türschlösser bis zum Turnhallendach reicht: „Mich ärgert das auch. Das dauert länger, als ich es mir gewünscht hätte. Aber wir werden das lösen.“ Gleichzeitig verteidigt sie den unter ihrem Vor-Vorgänger Georg Hohmann (SPD) geplanten und unter dessen Nachfolger Michael Stolze (parteifrei) ausgeführten Bau gegen den Vorwurf eines Generalpfuschs. „Wir haben eine wunderschöne Schule, auf die wir sehr stolz sind“, sagt die Bürgermeisterin. Dass bei einem solchen 70-Millionen-Bau nachgearbeitet werden müsse, sei „das Normalste der Welt“.

Stoltz auf die Schule gepaart mit ärgerlichen Nacharbeiten wegen Mängeln und Planungsfehlern
Gemeinsam mit Markt Schwabens Bauamtsleiter Martin Behling führt die Bürgermeisterin die Ebersberger Zeitung nach einer Anfrage zu der Mängelliste durchs Gebäude. Lichtdurchflutete, luftige Gänge, ein weitläufiges Treppenhaus in der Aula, die Turnhalle, groß wie ein Kirchenschiff, die Kräuter-Blumenkästen vor den Balkonen: „Es ist ein Genuss, hier durchzugehen“, sagt Dahms, die sich die Freude an dem Bau merklich nicht nehmen lassen will. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagt sie aber auch, wenn sie etwa einräumt, dass bei der Planung übersehen wurde, die Böden in den Grundschulklassenzimmern zu beschichten, was nun auf Kosten der Gemeinde nachgeholt werden muss, um den sichtlichen Abnutzungsspuren Herr zu werden. Die Kosten dafür seien bisher nicht abzuschätzen.

Überhaupt scheint noch recht unklar, welche „Restleistungen“ (das Wort ist Dahms und Behling lieber als der Begriff „Mängel“) finanziell an der Gemeinde hängen bleiben oder durch die beteiligten Baufirmen übernommen werden müssen. Es gelten Fristen, es prüfen Juristen. Bauamtschef Behling sagt über Kosten und Kostenträger: „Da ist Abstimmungsbedarf. Es greifen viele Gewerke ineinander, deshalb kann man das nicht pauschal sagen.“

Gemeinde sieht Schulbetrieb nicht gefährdet
Das Oberlicht, durch das es manchmal in die Turnhalle tropft, wenn es regnet, und manchmal nicht, gebe etwa sogar den Fachleuten Rätsel auf. Den Kampf gegen die automatischen Türen, die nicht richtig schließen, wolle man bis zum Schuljahresbeginn gewinnen, um sowohl Fluchtwegs- als auch Zugangssicherheit zu gewährleisten. Zwischenzeitlich war eine Tür mit einer Kette versperrt, was Bedenken in Sachen Brandschutz nach sich zog. „Der Schulbetrieb ist nicht gefährdet. Für die Kinder besteht keine Gefahr“, betont Bauamtsleiter Behling. Doch seien vereinzelt Kinder auf den glatten Treppen gestürzt, weshalb man wohl Rutschsicherungen nachrüsten lassen werde, ergänzt Bürgermeisterin Dahms. „Die Treppen entsprechen aber der Norm“, betont sie. Gleiches sagt Behling über die Bodenfliesen in der Grundschulaula, die etwas uneben daherkommen und zwischen denen sich vereinzelt die Fugen gelöst haben.

Andernorts nimmt die Bürgermeisterin die Kinder auch selbst in die Pflicht und erzählt, was sie den Viertklässlern sage, wenn diese auf Rathausexkursion bei ihr seien, und die die Bau-Gesamtkosten schon mal auf grobe 20.000 statt 70 Millionen Euro schätzen würden: „Wir haben das ganze Geld, das Markt Schwaben hat, für diese Schule ausgegeben. Jetzt wäre es schön, wenn ihr gut darauf aufpasst.“ So sind etwa die Wegweiser-Beschriftungen an den Betonwänden vielerorts bis zur Unleserlichkeit abgepult. Teurer dürfte es bei den Türen rund um die Turnhalle werden, bei denen die Schließbleche und das Holz der Zargen verbogen und abgesplittert sind. „Die Metallplatten sind zu kurz“, sagt Dahms, würde sich aber auch wünschen, dass die Schüler die Klinge ganz herunterdrücken, bevor sie sich gegen die Tür lehnen. „Das ist ein Benutzungsfehler.“ Weswegen nun wohl auf Gemeindekosten ausgetauscht und nachgebessert werden muss.
Wie viel am Ende noch an Kosten bei der Gemeinde hängenbleibt, ist wohl weniger Sache des Verkaufsgeschicks der Bürgermeisterin bei der überdimensionierten Bandspülmaschine, sondern wohl vor allem der nun eingeschalteten Gutachter und Anwälte. Eine Schätzung gibt die Gemeinde bislang nicht ab.
Wir haben eine wunderschöne Schule, auf die wir sehr stolz sind.