Professorin: Sieben deutliche Signale, dass Sie über ein Coaching nachdenken sollten
Coaching gilt vielen als Zeichen von Schwäche. Professorin Sandra Schmidt widerspricht in ihrem Gastbeitrag – und verrät, was seriöses Coaching wirklich leistet und woran man es erkennt.
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„Ehrlich gesagt …“, gibt es sieben Signale, bei denen Sie über ein Coaching nachdenken sollten
Stand: 20.07.2026, 18:27 Uhr
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Coaching gilt vielen als Zeichen von Schwäche. Professorin Sandra Schmidt widerspricht in ihrem Gastbeitrag – und verrät, was seriöses Coaching wirklich leistet und woran man es erkennt.
Berlin – Wer sich professionelle Begleitung sucht, riskiert Stirnrunzeln – das hat sich auch 2026 nicht verändert. Coaching sei doch „etwas für Schwache“ oder erzeuge unnötigen Druck. Prof. Dr. Sandra Schmidt kennt diese Vorurteile aus ihrem Alltag als Systemischer Business Coach. Die frühere Polizeidirektorin und heutige Professorin für Sicherheitsbehördliches Einsatzmanagement und Führungswissenschaft erklärt im folgenden Gastbeitrag, warum diese Annahmen grundfalsch sind – und was ein seriöses Coaching wirklich leisten kann:
Zum Format
In unserer Kolumne „Ehrlich gesagt...“ kommen die Fachleute Heidy de Blum, Michael Rößner und Prof. Sandra Schmidt aus den Bereichen Erziehung, Familienleben, Job & Karriere sowie Lebensberatung zu Wort. Sie teilen praxisnahe Einblicke, ordnen aktuelle Entwicklungen ein und geben alltagstaugliche Impulse – fundiert, verständlich und nah am Leben unserer Leserinnen und Leser.
Folge 1: „Ehrlich gesagt ...“ machen viele Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder viel zu oft denselben Fehler
Folge 2: „Ehrlich gesagt …“, gibt es bei Kindern klare Signale, bei denen ich Eltern rate, genauer hinzuschauen
In meiner Tätigkeit als Coach begegnen mir Klientinnen und Klienten, ich nenne sie Coachees, die aus dem Gefühl heraus kommen, nicht gut genug oder in ihrer aktuellen Situation handlungsunfähig zu sein. Nicht selten bewerten sie dies selbst als persönliches Versagen oder als Schwäche.
Die Ursache liegt darin, dass in unserer Gesellschaft nach wie vor das Defizitäre in den Vordergrund gestellt wird – und im schlimmsten Fall „Sündenböcke“ für Fehler gesucht werden, um sie abzustrafen. Dieses Mindset und die damit verbundene Fehlerkultur sind grundsätzlich problematisch, weil sie Weiterentwicklung ausbremsen oder gänzlich verhindern. Im Zusammenhang mit Coaching sind sie schlicht falsch.
Coaching ist kein Zeichen von Versagen – sondern von Stärke
Seriöse Coaches arbeiten stärkeorientiert: Sie reflektieren mit ihren Coachees deren individuelle Ressourcen – Fähigkeiten, Kompetenzen, Persönlichkeitsstrukturen. Der „Quell der Erkenntnis“, wie meine eigenen Dozentinnen es nannten, liegt in der Person selbst. Es geht also nicht um Optimierung, sondern um Selbsterkenntnis und eine persönliche Weiterentwicklung aus dieser Erkenntnis heraus.

Einen Coach als Prozessbegleiter in einer privaten oder beruflichen Lebensphase zu suchen, in der die Problemlösung selbst nicht gefunden werden kann, ist kein Fehler und keine Schwäche, sondern verantwortliches Handeln sich selbst gegenüber. Oft schaut man immer wieder mit derselben „Brille“ auf dasselbe Thema, stellt sich selbst ewig die gleichen Fragen und dreht sich nur im Kreis.
Woran erkenne ich, dass Coaching mir helfen könnte?
Die Signale sind oft deutlich – man muss sie nur erkennen:
- Sie haben ein Thema, um das sich ihre Gedanken endlos drehen, ohne dass Sie ein Stück weiter kommen.
- Sie verfallen immer wieder in die gleichen Denk- und Handlungsmuster und haben das Gefühl, dadurch wiederholt in gleichartige Situationen zu kommen.
- Sie reagieren in Interaktionen unangepasst und wissen bzw. verstehen nicht warum.
- Sie stehen vor einer wichtigen Entscheidung, können diese für sich aber nicht treffen, weil Kopf und Bauch unterschiedliche Sprachen sprechen.
- Sie möchten sich persönlich weiterentwickeln, verspüren aber Stillstand.
- Sie möchten Ihr Arbeitsteam zielgerichtet durch Veränderungsprozesse begleiten und diese mit ihnen gemeinsam gestalten.
- Sie haben das Gefühl, zu viel zu tun zu haben, wissen aber nicht, an welcher Stellschraube Sie drehen können, um wieder mehr Zeit für sich zu haben?
Wer sich in einem dieser Punkte wiedererkennt, sollte ein professionelles Coaching in Erwägung ziehen. Es kann aus Denkschleifen befreien, neue Selbsterkenntnisse generieren, eigene Ressourcen aktivieren – und Lösungsansätze sichtbar machen, die vorher verborgen waren.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Coachee steht vor der Chance einer beruflichen Veränderung, kann sich aber nicht entscheiden. Für den neuen Job sprechen objektiv gute Gründe – etwa ein attraktives Gehalt und eine reizvolle Aufgabe. Doch oft steckt hinter der Zustimmung unbewusst auch ein sogenannter Antreiber, der positiv oder negativ wirken kann.
Der Antreiber „Streng dich an!“ etwa sorgt im positiven Fall für Ausdauer und hohes Engagement. Problematisch wird er, wenn jemand über die eigene Erschöpfungsgrenze hinausgeht, sich keine Pausen gönnt und selbst große Erfolge nicht als „genug“ empfinden kann.
Gegen den neuen Job spricht womöglich eine einschneidende private Veränderung. Die kann real sein – oder nur vorgeschoben, weil der Coachee unbewusst in seiner Komfortzone bleiben und unbequemen, unbekannten Situationen ausweichen möchte. Kopf und Bauch sprechen dann unterschiedliche Sprachen.
Ein Coaching hilft hier, solche Glaubenssätze zu erkennen und die wahren Beweggründe hinter Zusage oder Absage zu identifizieren – damit am Ende eine bewusste Entscheidung möglich wird.
Was wirklich in einem Coaching passiert
Nach einer Kennenlern- und Erläuterungsphase klären Coaches mit ihren Klientinnen und Klienten zunächst den Coachinganlass: das Thema, mit dem jemand kommt. Diese Phase ist für mich als Coach oft bereits besonders spannend – denn hinter dem bewusst benannten Thema liegt häufig das eigentliche Thema, das „Thema hinter dem Thema“, an dem gearbeitet werden kann. Dies wird oft erst sichtbar, wenn wir das Thema im persönlichen System des Coachees betrachten und sich daran offenbart, dass sie oder er eigentlich ein ganz anderes Thema als gedacht beschäftigt. Das klärt sich nicht mit einer oder wenigen Fragen, bis hierher haben Coachee und Coach schon intensiv miteinander gearbeitet.
Darauf folgt die Zielklärung – für mich einer der zentralsten Schritte im gesamten Prozess, dem ich bewusst viel Raum gebe. Anschließend geht es an die Ressourcenidentifikation, die Entwicklung von Lösungsoptionen und deren Überprüfbarkeit. Als Coach verantworte ich diesen Prozess. Meine Klientinnen und Klienten tragen die Themen- und Ergebnisverantwortung – sie generieren ihre Erkenntnisse selbst.
Zur Person:
Prof. Dr. Sandra Schmidt ist Professorin für Sicherheitsbehördliches Einsatzmanagement und Führungswissenschaft an der HWR Berlin und ehemalige Polizeidirektorin. Die promovierte Verwaltungswissenschaftlerin war 20 Jahre bei der Polizei Sachsen-Anhalt tätig, davon 10 Jahre als Spitzenführungskraft. Als staatlich zertifizierte Business Coachin ist sie auf Führungskräfteentwicklung und die Förderung von Frauen in Spitzenpositionen spezialisiert. Sie ist Mitherausgeberin der Fachzeitschrift „Die POLIZEI“ und als TV-Expertin, Keynote-Speakerin, Podiumsdiskutantin, Autorin und Gutachterin aktiv.

Coaching ist keine Therapie
Während der Sinn und Zweck einer Therapie in der Heilung einer psychischen Erkrankung bzw. der Linderung von psychischen Beschwerden und deren Auswirkungen liegt, zielt Coaching auf Reflexion, Selbsterkenntnis und persönliche Weiterentwicklung ab.
Viele erfolgreiche Führungskräfte haben erkannt, dass Coaching ein wertvolles Instrument ist, um verborgene Potenziale nutzbar zu machen. Sie wissen: Je höher die Führungsposition, desto seltener bekommt man ehrliches Feedback. Ein wertungsfrei agierender und außerhalb des Systems stehender Coach kann genau das leisten – und dabei helfen, sogenannte „blinde Flecken“ zu erschließen: also Eigenschaften, Persönlichkeitsausprägungen, Verhaltensweisen und deren Wirkungen, die der Führungskraft selbst nicht bewusst sind. In einer Arbeitswelt, die von Volatilität, Komplexität und ständigem Wandel geprägt ist, brauchen Führungskräfte mehr denn je die Fähigkeit zur Selbstreflexion.
Was ein seriöses Coaching ausmacht – und worauf man achten sollte
Grundsätzlich – und das ist ein strukturelles Problem – kann sich jeder Mensch als Coach bezeichnen und seine „Dienste“ anbieten, ganz gleich, ob er dafür eine Ausbildung hat oder nicht. „Coach“ ist kein geschützter Begriff bzw. keine geschützte Berufsbezeichnung, und so wird er, gleichermaßen wie der Begriff „Therapeut“, inflationär genutzt. Das macht die Suche nach einem seriösen Angebot für Klientinnen und Klienten nicht immer einfach.
Worauf sollte man achten? Ein seriöser Coach weist eine nachweisliche Ausbildung vor – zum Beispiel ein Zertifikat einer staatlichen Hochschule oder eine anerkannte Weiterbildung. Ich selbst habe mich zum Systemischen Business Coach an der Hochschule Wismar qualifiziert, mit Prüfungen und staatlichem Abschluss. Darüber hinaus machen seriöse Coaches ihren fachlichen und persönlichen Hintergrund transparent und nachvollziehbar. Ebenso wichtig: Ein seriöser Coach bleibt in seiner Rolle. Er tritt nicht als Therapeut auf, gibt keine Heilversprechen, keine Problemlösungsgarantien. Er garantiert aber Integrität, Vertraulichkeit und ein wertungsfreies Vorgehen.
Und es sollte menschlich passen. Schon im ersten Kontaktgespräch zwischen Coach und Coachee ist zu spüren, ob „die Chemie stimmt“. Wenn das Bauchgefühl anzeigt, dass man sich bei dem angefragten Coach öffnen kann und möchte und die Coachingatmosphäre sich insgesamt gut anfühlt, ist man in guten Händen. Zudem müssen immer die objektiven Rahmenbedingungen, etwa die Vertragsausgestaltung, stimmig sein. Auch Coaches fühlen ein Match, wenn Sympathie und Gesprächsoffenheit wahrnehmbar sind. (In Zusammenarbeit mit Jasmina Deshmeh)