(+) Seit Wochen ohne Aufzug: Mieter im 14. Stock verzweifeln
Hamburg „Eine einzige Katastrophe“: Warum Bewohner eines SAGA-Hochhauses stinksauer sind Die Mieterinnen und Mieter vom Friedrich-Frank-Bogen müssen seit einem Monat ohne Aufzug ...
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Hamburg
„Eine einzige Katastrophe“: Warum Bewohner eines SAGA-Hochhauses stinksauer sind
Seit Wochen steht der einzige Aufzug eines 14-stöckigen Hochhauses in Bergedorf still. Für viele Bewohner bedeutet das eine massive Einschränkung.
„Das ist wirklich eine einzige Katastrophe“, fassen die Mieter am Friedrich-Frank-Bogen in Bergedorf ihre aktuelle Situation zusammen. Schon seit einem Monat funktioniert der einzige Aufzug in ihrem 14-stöckigen Hochhaus nicht mehr. Das bedeutet nicht nur ein bisschen unbequemes Treppensteigen: Vor allem Familien und ältere Bewohner leiden massiv darunter. Von ihrem Vermieter, der städtischen SAGA, fühlen sie sich im Stich gelassen – die widerspricht den Vorwürfen.
Um das Ausmaß der Situation zu verstehen, muss man sich nur ein paar Minuten in den Hauseingang der Nummer 118 am Friedrich-Frank-Bogen stellen. Da ist eine Frau mit Einkaufstrolley, die einen Nachbarn verzweifelt um Hilfe beim Tragen bittet. „Vielen vielen Dank“, sagt sie immer wieder. Da ist eine ältere Frau mit Rollator, die auf jedem Stockwerk kurz Pause machen muss. Da ist eine Familie mit einem sperrigen Kinderwagen.
SAGA-Hochhaus in Bergedorf: Aufzug seit einem Monat kaputt
„Einige ältere Nachbarn in den obersten Stockwerken sitzen seit Wochen in ihren Wohnungen fest“, erzählt eine Mieterin. Sie selbst wohnt im 13. Stock und muss zweimal die Woche zur Chemotherapie. „Da muss ich auf jeder Etage das Fenster aufmachen und nach Luft schnappen“, erzählt sie aufgebracht.
Schon seit dem 14. August geht der einzige Aufzug im Haus nicht mehr. Daneben hängt ein Zettel der SAGA: „Die Reparatur erfolgt voraussichtlich in der 36. Kalenderwoche“, steht dort – also zwischen dem 31. August und 6. September. Passiert ist bislang nichts.
Mieter schildern ihre verzweifelte Situation ohne Aufzug
„Das Schlimmste ist, dass wir auch immer die Treppen runter laufen müssen, wenn es unten klingelt“, erzählt Dennis Jürs, der mit seiner Familie im 14. Stock wohnt. „Das liegt daran, dass es einen separaten Eingang zum Treppenhaus gibt, den wir nicht mit dem Summer öffnen können.“ Er unterbricht das Gespräch, um einer Nachbarin kurz beim Tragen ihrer Wasserflaschen zu helfen.
Jürs wohnt seit 17 Jahren in dem SAGA-Hochhaus. „Vor 13 Jahren wurde hier alles saniert und es kam ein neuer Fahrstuhl“, erzählt er. „Der ist meiner Meinung nach sehr störungsanfällig und fällt immer mal wieder für ein paar Tage aus. Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie.“ Die anderen Mieter nicken zustimmend.
SAGA widerspricht Vorwürfen: Aufzug nicht störungsanfällig
SAGA-Sprecher Gunnar Gläser betont wiederum, dass die betroffene Aufzugsanlage nicht allgemein störungsanfällig sei. Ursache für den aktuellen Ausfall sei ein defekter Frequenzumrichter, ein Bauteil, das die Steuerung des Elektromotors regelt. „Die Lieferzeit für ein derart spezielles Bauteil beträgt marktüblich sechs bis acht Wochen“, ergänzt Gläser. Inzwischen liege eine Lieferbestätigung vor, sodass der Aufzug voraussichtlich ab dem 5. Oktober wieder in Betrieb gehen könne.
Das sind allerdings noch mehr als zwei Wochen. Der Ausfall sei nachvollziehbar eine Belastung, räumt der SAGA-Sprecher ein. Deshalb habe man umfassend über die Störung und Unterstützungsangebote informiert. „Alle Mieterinnen und Mieter werden kontinuierlich über Aushänge informiert. Zudem hat der zuständige Hauswart sein Büro direkt vor Ort und steht für Rückfragen und alle Anliegen zur Verfügung.“ Das sehen die Mieter anders: Sie fühlten sich im Dunkeln gelassen, es gebe eben keine regelmäßigen Aushänge, betonen sie mehrfach.
Laut SAGA-Sprecher Gläser stünden sowohl ein Pflegedienst für besonders mobilitätseingeschränkte Menschen als auch ein Tragedienst zur Verfügung. Die Mieter berichten dagegen, der Tragedienst sei nicht zuverlässig und nur eingeschränkt erreichbar. Dem widerspricht Gläser. Bei vorheriger Anmeldung funktioniere der Dienst sehr zuverlässig und ermögliche sämtliche Terminwünsche. Die Tür zum Treppenhaus könne leider aus Sicherheitsgründen nicht dauerhaft geöffnet bleiben.
Der Fall zeigt jedenfalls, wie schnell ein technischer Defekt für die Betroffenen zu einer erheblichen Belastung im Alltag werden kann. Während die SAGA auf Reparaturzeit und Hilfsangebote verweist, wünschen sich die Bewohner vor allem eines: bessere Kommunikation und eine nachhaltige Lösung.