Ein Pool vor der Volksbühne: Das «Volksbad» eröffnet in Berlin

Matthias Lilienthal, der neue Intendant der Volksbühne, macht sich beim Publikum zuerst mit einem Schwimmbecken beliebt. Darauf folgt dann eine erste Inszenierung: «Der Teich» nach Robert Walser.

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Ein Pool vor der Volksbühne: Das «Volksbad» eröffnet in Berlin

Eine «Plansche» für die überhitzte Stadt: Vor der Berliner Volksbühne ist das Volksbad eröffnet worden

Matthias Lilienthal, der neue Intendant der Volksbühne, macht sich beim Publikum zuerst mit einem Schwimmbecken beliebt. Darauf folgt dann eine erste Inszenierung: «Der Teich» nach Robert Walser.

Bernd Noack09.08.2026, 21.17 Uhr

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Bevor es an der Volksbühne mit Theater losgeht, gibt es ein Schwimmgaudi vor dem Haus.

Bevor es an der Volksbühne mit Theater losgeht, gibt es ein Schwimmgaudi vor dem Haus.

Christian Mang / Reuters

Die Berliner sind Meister darin, für Architektur, die ihnen eher suspekt vorkommt, griffige Spitznamen zu erfinden. So nennen sie das Haus der Kulturen der Welt (frühere Kongresshalle) «Schwangere Auster»; die Turmruine der Gedächtniskirche «Hohlen Zahn»; den Funkturm «Langen Lulatsch» und das Luftbrückendenkmal «Hungerharke». Zum DDR-Palast der Republik sagten sie schlichtweg «Erichs Lampenladen».

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Seit vergangenem Wochenende gibt es nun: «Die Plansche». Dabei handelt es sich um ein Schwimmbecken direkt vor der mächtigen, 1913 erbauten Volksbühne: 25 Meter lang, 10 Meter breit, 1,30 Meter tief. Hoch oben an der Fassade des Kulturtankers prangt der Name Volksbad. Und das soll es bis Anfang Oktober auch sein: bei freiem Eintritt von mittags bis abends. Umkleidekabinen und Pommes mit Mayo gibt es auch.

Ein neues Wunder

Was aber hat der tiefblaue Pool mit Theater zu tun? Der künftige Intendant Matthias Lilienthal erklärt es mit der desolaten Lage der Stadt Berlin: «Die Hälfte der Hallen- und Freibäder sind zu, die Schulen sind mit Asbest verseucht, die Bahnen und Busse fahren unregelmässig. Und da haben wir gedacht, wir helfen dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner und ergänzen das Angebot der Berliner Bäderbetriebe um ein zusätzliches Volksbad.» Um die «Plansche» zu realisieren, hat der temporäre Bademeister Lilienthal 300 000 Euro aus seiner Kasse genommen, in die städtische Subventionen für den Kulturbetrieb fliessen.

Als er höchstselbst in schwarzer Badehose ins Wasser springt, spricht er von einem «neuen Wunder in Mitte» und einer «Umarmung der Stadt» und zieht seine Bahnen mit freiem Blick auf den Fernsehturm, die U-Bahn-Station Rosa-Luxemburg-Platz und das Kino Babylon. Kritiker werfen ihm «Bedeutungshuberei» oder «ranzig gewordene Avantgarde-Behauptung» vor und sind der Meinung, das Geld hätte man für anständige Volksbühnen-Produktionen verwenden sollen statt für das Volksbadgaudi. «Was soll das Theater?», fragte der «Spiegel». Und in der freien Berliner Szene, die unter Zuschusskürzungen zu leiden hat, schüttelt man verständnislos den Kopf: Kleinere Spielstätten oder das Jugendtheater leiden zunehmend an Finanzknappheit.

Zunächst einmal gibt der Erfolg Lilienthal recht: Die Menschen strömen ins Becken, und die Journalisten gehen gleich mit, um exklusiv aus dem handwarmen Wasser zu berichten. Und der Intendant, der ab und an auf sein schwimmendes Kleinkind achten muss, stellt auch, wenn gewünscht, den Bezug zwischen Spass und Kultur her.

Halbnackte, glänzende Körper vor dem tristen, grauen Betonbau hält er schon für eine Inszenierung: «Die Volksbühne versteht unter theatralischen Events auch, wenn zwei Leute sich nass spritzen», meint Lilienthal launig. Und überhaupt docke das Spektakel ja auch an die Arbeiten des Performance-Stars Florentina Holzinger an (ab Herbst gehört sie zum Führungskreis der Volksbühne). Diese hat erst kürzlich in Venedig einen Teil eines Biennale-Pavillons komplett geflutet. Allerdings mit Urin und nicht mit klarem Wasser, das nun in Berlin im Sonnenlicht glitzert.

Spektakuläre Aktionen

Matthias Lilienthal führt sich gerne mit spektakulären Aktionen an seinem neuen Arbeitsplatz ein. Als er 2015 Intendant der Münchner Kammerspiele wurde, liess er in der Stadt 24 «Shabby Shabby Apartments» aufstellen, Kleinstunterkünfte direkt an der Strasse, die man für 35 Euro die Nacht buchen konnte – als Protest gegen die hohen Mietpreise in der Stadt.

Nun also die «Plansche». Wenn es in der Volksbühne dann im Herbst tatsächlich mit Theater losgeht, wird die Sache übrigens ein wenig kleiner, sie bleibt aber durchaus konsequent. Als eine der ersten Produktionen wird es das Stück «Der Teich» nach Robert Walser geben.

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