Bergretter flucht über „Wohlstandsgesellschaft“: Wanderer rufen Helikopter, weil sie Durst haben
StartseiteWeltStand: 03.10.2026, 12:07 UhrKommentareUns auf Google folgen1800 Mal rückten Helikopter der Air Zermatt 2025 aus – offenbar nicht immer für echte Notfälle. (Symbolbild) © Jean-Christophe Bott/pictu...
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Stand: 03.10.2026, 12:07 Uhr
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Immer mehr Touristen, immer mehr Notrufe. In den Alpen steigen die Einsätze wegen „kleiner Wehwehchen“, beklagt ein Schweizer Helikopterpilot.
Zermatt – Der Wander-Boom in den Alpen hat seine Kehrseiten. Und das trifft in erster Linie diejenigen, die nicht zum Vergnügen in den Bergen sind. Retter müssen immer häufiger ausrücken, wegen teils kurioser Notrufe.
Die SRF-„Rundschau“ hat Rettungsteams in der Schweiz begleitet, die die steigende Zahl an Notfällen bewältigen müssen. Helikopterpilot Robert Andenmatten berichtet von Urlaubern mit Schwächeanfällen und Herzproblemen. „Aber, was ich selbst sehe, sind viele Fußverletzungen“, schließt er an. „Weil sie (die Wanderer, d.R.), versuchen, mit schlechtem Schuhwerk oder Stöckelschuhen, die paar hundert Meter über den Wanderweg zu laufen.“
„Schon eine Wohlstandsgesellschaft, mittlerweile“: Schweizer Bergretter kritisiert unnötige Hilferufe
Wanderer mit ungeeigneter Ausrüstung fallen Bergrettern nicht nur in der Schweiz häufig auf. Andenmatten bemerkt mit 35 Jahren Berufserfahrung allerdings einen weiteren Trend: „Wegen einem kleineren Wehwehchen wird schneller mal Hilfe gefordert.“
Er erinnert sich an einen Einsatz, bei dem sich am Berg herausstellte, der Grund für den Notruf war doch tatsächlich: Durst. „Es ist schon eine Wohlstandsgesellschaft, mittlerweile“, stellt der Alpen-Retter fest.
„Vollkaskomentalität“ bei Alpen-Urlaubern? Österreichische Bergrettung nimmt Abstand von Unterstellungen
Dann lass‘ ich halt jemanden anfliegen … aber denken die meisten Alpen-Urlauber wirklich so? In Österreich war diese Debatte im vergangenen Frühjahr entbrannt. Die Tiroler Sicherheitsrätin Astrid Mair unterstellte Touristen eine „Vollkaskomentalität“ beim Wintersport. Es solle härtere Konsequenzen und Verbote für fahrlässige Bergbesucher geben.
Ein Vorstoß, den das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) entschieden ablehnte. Der Verband der Österreichischen Berg- und Skifahrer bezeichnete Mairs Aussagen als „fragwürdig“ und auch die Bergrettung nahm Abstand. Jetzt, mit Blick auf den Sommertourismus, hat sich das nicht geändert.
Einsatzzahlen in Österreich steigen von Jahr zu Jahr: „Immer mehr los in den Bergen“
Ja, die Einsatzzahlen der Bergrettung in Österreich steigen. Zuletzt von 10.097 im Jahr 2024 auf 10.912 im Jahr 2025. An bequemen oder fahrlässigen Touristen will der Bundesverband ÖBRD das aber nicht festmachen. Es sei einfach „immer mehr los in den Bergen“, erklärt ein Sprecher auf Nachfrage des Münchner Merkur von Ippen.Media. Von einer Vollkaskomentalität wolle die Bergrettung nicht sprechen.
Wandern wird immer beliebter und so beginnen viele mit dem Bergsteigen, die das eben nicht von Klein auf gelernt haben. Dafür machen die österreichischen Bergretter niemandem einen Vorwurf. Es sei doch auch schön, dass die Alpen gut ankommen.
Trotzdem könnte der Boom heikel werden. An den Hotspots kommen kleinere Ortsvereine laut ÖBRD langsam an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Grund liegt auf der Hand: Während die Urlauberzahlen und damit auch die Einsatzlast seit Jahren kontinuierlich stiegen, blieb die Mannschaftsstärke der Bergretter in Österreich mehr oder weniger unverändert. Somit dürfte auch hier gelten: Es ist besser, wenn der Helikopter nicht für jedes Wehwehchen bemüht werden muss.