Einkommen um 40 Prozent gesunken: Wie KI in China bereits massiv Jobs vernichtet
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Lange hat die Regierung in Peking die Entwicklung aktiv gefördert. Laut Analyst:innen hat jetzt aber ein Umdenken eingesetzt. Können chinesische Bürger:innen vor KI-bedingter Arbeitslosigkeit geschützt werden?
Von Noëlle Bölling
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Während die Angst vor KI-bedingtem Jobverlust in Deutschland noch theoretischer Natur ist, sind die Auswirkungen in China schon deutlich spürbar. Laut The Guardian sind die Einkünfte vieler Menschen, die auftragsbezogen arbeiten, seit der Einführung von KI deutlich zurückgegangen. Dazu zählen unter anderem Taxifahrer:innen, aber auch Freiberufler:innen. Dennoch könnte die Regierung in Peking in der Lage sein, die Bevölkerung besser vor KI-bedingter Arbeitslosigkeit zu schützen als andere Länder.
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Einkommen um 40 Prozent eingebrochen
In vielen chinesischen Metropolen gehören autonome Taxis schon zum Stadtbild. Trotzdem läuft nicht alles reibungslos: Im März sorgten in Wuhan mehrere Fahrzeuge von Apollo Go für Chaos, als sie infolge einer Systemstörung auf der Straße liegenblieben, den Verkehr blockierten und Fahrgäste stundenlang nicht aussteigen ließen. Die Robotaxis wurden für eine Untersuchung aus dem Verkehr gezogen. Für Taxifahrer:innen wie Yao Xinnong war der Ausfall ein Segen, denn seit dem Start von Apollo Go im Jahr 2022 sei sein Verdienst um etwa 40 Prozent gesunken.
Laut The Guardian protestierten Taxifahrer:innen im Jahr 2024 in Wuhan gegen die autonomen Fahrzeuge – ein seltener Schritt, da die chinesischen Behörden öffentliche Kritik nicht gerne sehen. Zwei Jahre später greift die Regierung einige dieser Bedenken selbst auf. In einem Leitartikel der staatlichen Zeitung Workers‘ Daily soll es geheißen haben, dass die Arbeitnehmer:innenrechte im Zeitalter der KI „vor neuen Herausforderungen” stünden und vor einem „Zusammenprall zwischen traditionellen Beschäftigungsregeln und der Weiterentwicklung der KI-Technologie” gewarnt wird.
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Betroffene erhalten Schadensersatz
Selina Xu ist Technologieanalystin mit Fokus auf China. Sie sagte gegenüber The Guardian, die Regierung habe die KI-Entwicklung zunächst stark vorangetrieben. Inzwischen hätte es aber einen „großen Stimmungsumschwung“ gegeben: Jetzt werde mehr Wert auf einen „menschenorientierten Ansatz“ gelegt. Auch Cheng Wanhui, ein Beamter der Pekinger Kommunalverwaltung, erklärte gegenüber The Guardian, die Behörden würden „den sozialen Problemen, die KI mit sich bringt, sowie potenziellen ethischen Bedenken große Aufmerksamkeit schenken”. Auch chinesische Gerichte haben schon entschieden, dass KI-bedingte Entlassungen nicht zulässig sind und den Betroffenen Entschädigungen zugesprochen.
Viele Arbeitnehmer:innen würden allerdings befürchten, aufgrund von KI gar keinen Job mehr zu finden. Einer von ihnen ist der Kameramann Tian Zemin. Sein Honorar als Freiberufler liege mittlerweile nur noch bei 40 Prozent von dem, was er noch im Jahr 2019 verdiente. Er zeigte sich schockiert über die Fortschritte der KI. Letztes Jahr hätte die Technologie nur minderwertige Avatare produzieren können, inzwischen seien überzeugende Deepfakes für komplette Spielfilme möglich. „Wir hatten kaum Zeit zu reagieren”, sagte Tian zu The Guardian. Der chinesische Tech-Konzern Bytedance hat erst kürzlich mit Seedance 2.5 ein neues Video-Tool veröffentlicht, mit dem sich hyperrealistische KI-Videos erstellen lassen. Schon der Vorgänger hatte den Konkurrenzkampf zwischen den USA und China enorm befeuert.
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Wie reagiert der Staat auf den Wandel?
Laut der Analystin Xu könnte China die Folgen KI-bedingter Jobverluste besser eindämmen als andere Länder. Die Regierung übe großen Einfluss auf den Privatsektor aus und könnte Unternehmen etwa zu Einstellungsquoten verpflichten. In den USA erfahren Arbeitnehmer:innen, die wegen KI ihren Job verlieren, bislang keinen rechtlichen Schutz. Auch dort werden Kündigungsgründe zunehmend auf KI zurückgeführt. Ende letzten Jahres hatte eine Analyse der Beratungsfirma Challenger, Gray & Christmas ergeben, dass der Anteil KI-bedingter Kündigungen noch bei unter einem Prozent lag – im Juni sei dieser Wert auf 31 Prozent angestiegen.
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