Einsatz in Flüchtlingsunterkunft: „Ich bekomme ein Vielfaches zurück"

Dagmar Schneider koordiniert seit Anfang 2025 ehrenamtlich den Helferkreis für Geflüchtete in Warngau. Ende des Jahres schließt die Unterkunft – doch die Ärztin will die Kontakte nicht abreißen lassen.

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Einsatz in Flüchtlingsunterkunft: „Ich bekomme ein Vielfaches zurück"

Stand: 14.09.2026, 06:27 Uhr

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Bei ihr laufen die Fäden zusammen: Die promovierte Ärztin Dagmar Schneider ist Sprecherin des Helferkreises für die Flüchtlingsunterkunft in Warngau.

Bei ihr laufen die Fäden zusammen: Die promovierte Ärztin Dagmar Schneider ist Sprecherin des Helferkreises für die Flüchtlingsunterkunft in Warngau. © Thomas Plettenberg

Dagmar Schneider koordiniert seit Anfang 2025 ehrenamtlich den Helferkreis für Geflüchtete in Warngau. Ende des Jahres schließt die Unterkunft – doch die Ärztin will die Kontakte nicht abreißen lassen.

Warngau – Sie ist beides – die gute Seele der Flüchtlingsunterkunft an der Vivo in Warngau, aber auch Dreh- und Angelpunkt in vielen organisatorischen Belangen, jedenfalls mehr als nur Sprecherin des Helferkreises, so die nominelle Rolle von Dagmar Schneider. Bei der 67-Jährigen laufen die Fäden zusammen, wenn es um die praktische Hilfe für die bislang bis zu 350 hauptsächlich aus der Ukraine und aus Afghanistan geflohenen Menschen geht.

Die promovierte Ärztin macht kein Aufhebens von der zeitaufwendigen Arbeit für ihre Schützlinge, sie freut sich lieber still, dass der Betrieb in dem „Flüchtlingsdorf“ weitgehend reibungslos läuft. „Meine Stimme wird gehört“, ist Schneider allenfalls bei einem ersten Fazit über ihre komplett ehrenamtliche Tätigkeit als Sprecherin des Helferkreises zu entlocken. Ende des Jahres schließt die Flüchtlingsunterkunft, wie es von Anfang an geplant war.

Nach Bekanntwerden der Pläne für die umzäunte Containersiedlung in unmittelbarer Nachbarschaft zur Vivo hatte es massive Proteste gegeben – und das nicht nur gegen den Standort. Auf einer missverständlich als Bürgerversammlung bezeichneten Info-Veranstaltung in Warngau waren Vertreter der rechtsextremen AfD auch von außerhalb des Landkreises erschienen, der damalige Landrat Olaf von Löwis (CSU) sah sich viel Wut ausgesetzt, die Polizei begleitete ihn aus dem Saal. Deutschlandweit wurde über die aufgeheizte Stimmung in dem sonst so beschaulichen Dorf berichtet.

Doch kaum waren Anfang 2025 die ersten Bewohner eingezogen, kehrte Ruhe ein in Warngau. „Vielleicht sind wir dadurch noch enger zusammengerückt“, meint Schneider rückblickend zu den Protesten. Sie und ihr fast 30 Helferinnen und Helfer umfassendes Team waren monatelang auf ihren Einsatz vorbereitet worden. „Was sind die Bedarfe, wo liegen die Risiken, wie gehen wir mit Frustrationen um, lauteten die Herausforderungen.“

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Ehrenamtliche als verbindendes Glied

Darauf war der ehrenamtliche Helferkreis vorbereitet, nicht jedoch darauf, dass entgegen der ursprünglichen Planung statt ausschließlich junger Männer auch Frauen und Familien mit ihren Kindern in die Unterkunft am Birkerfeld kamen. Die Belegung in den Wohncontainern änderte sich. „Man musste die Familien zusammen unterbringen, dadurch waren nicht mehr alle Betten belegbar“, berichtet die Ärztin. Ihre Rolle als Sprecherin des Helferkreises sieht Schneider darin, die Arbeit des Teams zu koordinieren, die regelmäßigen Treffen zu organisieren sowie das verbindende Glied zu den offiziellen Stellen, der Integrationsbeauftragten des Landkreises und Landrat Jens Zangenfeind selbst zu sein.

Über ihren Helferkreis lässt sie nichts kommen. „Alle unterstützen unsere Arbeit emotional, auch wenn einer nicht so viel Zeit hat. Wer kann, der tut.“ So hätten zwei sehr engagierte Mitstreiterinnen für eine kontinuierliche Sprachbegleitung gesorgt, einer sich um Sportangebote gekümmert sowie ein Koch-Event organisiert, „und unsere Hebamme im Helferkreis war sogar schon bei Entbindungen gefragt“. Fahrdienste zu Frauencafé und Kinderbücherei, Musik- und Spielangebote kamen hinzu. Ein Aktivposten seien auch die Holzkirchner Radl-Retter, die gebrauchte Räder fahrtüchtig machen und zu einem geringen Preis an Flüchtlinge abgeben.

Helfer loben Betreiber Gratus

Als großer Vorteil erwies sich nach Überzeugung von Schneider, dass die Gratus GmbH mit ihrer langen Erfahrung auf dem Gebiet zeitlich befristeter Sammelunterkünfte Betreiber des Containerdorfes ist – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Landkreis. „Besonders hervorzuheben ist der Sozialdienst mit seiner großen Unterstützung in formalen und emotionalen Belangen der Bewohner. Es sind immer Sanitäter da, fünf Tage die Woche gibt es eine ärztliche Sprechstunde“, listet die verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder und dreifache Oma auf. Die Security-Mitarbeiter seien dabei weit mehr als nur Aufpasser. „Sie helfen bei Sprachbarrieren und vielen anderen Hindernissen“, sagt Schneider, „wo gibt es das schon, dass der Leiter der Unterkunft mit Flüchtlingen Fußball und Tischtennis spielt?“

Auch wenn das „Flüchtlingsdorf“ Birkerfeld Ende des Jahres schließt, möchte Schneider die Kontakte mit den ihr anvertrauten Menschen nicht aufgeben. Zwar sei ihr so manches Schicksal von Flüchtlingen sehr nahe gegangen. „Irgendwie konnte ich mich aber immer davon abgrenzen, so dass es mich nicht verfolgt“, versichert die 67-Jährige. „Ich schlafe gut.“ Und bei aller Anstrengung des täglichen Umgangs mit dem Leid der Flüchtlinge weiß Dagmar Schneider eines gewiss: „Ich bekomme von diesen Menschen ein Vielfaches zurück.“