Einst Todfeinde in Äthiopien, jetzt vereint gegen Abiy Ahmed

Afrika Einst Todfeinde in Äthiopien, jetzt vereint gegen Abiy Ahmed Knapp vier Jahre nach Ende des Tigray-Krieges haben sich sieben bewaffnete Gruppen gegen den Ministerpräsidenten verbündet. Die Krise...

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Einst Todfeinde in Äthiopien, jetzt vereint gegen Abiy Ahmed

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Einst Todfeinde in Äthiopien, jetzt vereint gegen Abiy Ahmed

Knapp vier Jahre nach Ende des Tigray-Krieges haben sich sieben bewaffnete Gruppen gegen den Ministerpräsidenten verbündet. Die Krise könnte weit über Äthiopien hinaus Folgen haben

Christian Putsch

Tigray-Kämpfer der Tigray People's Liberation Front (TPLF) marschieren in Mekele, Äthiopien, am Tigray-Märtyrer-Denkmal. Eine Person trägt ein Gewehr und Munition, andere halten eine TPLF-Flagge. Im Hintergrund sind weitere Kämpfer und Palmen erkennbar.
Die Tigray People's Liberation Front (TPLF) hat den Flughafen von Mekele eingenommen.

Als vor sechs Jahren das letzte Mal in der nordäthiopischen Stadt Mekele abrupt die Flüge gestrichen wurden, folgte eine der schlimmsten Krisen in Afrikas jüngerer Geschichte. Während des Tigray-Krieges von 2020 bis 2022 war der Flughafen geschlossen, die Region war zeitweise fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Hunderttausende Menschen kamen ums Leben. Erst im November 2022 einigten sich die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed und die Tigray People’s Liberation Front (TPLF) auf ein Friedensabkommen.

Am Mittwochmorgen strich Ethiopian Airlines erneut sämtliche Flüge nach Mekele sowie in weitere Städte in Tigray. Zuvor hatten Tigray-Kräfte in der Nacht den Flughafen von Mekele von der Bundespolizei übernommen. Eine wirkliche Begründung gab die staatliche Fluggesellschaft nicht. Die Rede war lediglich von der "aktuellen Situation". Andere Fluggesellschaften bieten keine regulären Linienflüge nach Tigray an. Die Region im Norden Äthiopiens ist damit zumindest auf dem Luftweg mal wieder weitgehend vom Rest des Landes abgeschnitten.

Ungewöhnliche Allianz

Knapp vier Jahre nach dem Ende des letzten Krieges am geopolitisch in diesen Tagen besonders wichtigen Horn von Afrika verschärft sich die Lage also wieder. Und auch diesmal beschränkt sich der Konflikt nicht auf Tigray. Am Wochenende verkündeten sieben bewaffnete Gruppen aus verschiedenen Teilen Äthiopiens die Gründung einer gemeinsamen Allianz. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Regierung Abiys zu stürzen und durch eine Übergangsregierung zu ersetzen.

Zu der Allianz gehören neben der TPLF die Oromo Liberation Army (OLA), die Amhara Fano National Movement (Fano) sowie kleinere bewaffnete Organisationen aus Afar, Benishangul-Gumuz und der Somali-Region. Politisch und ethnisch verbindet sie wenig, gemeinsam ist ihnen aber die Gegnerschaft zur Zentralregierung.

Besonders bemerkenswert ist die Zusammenarbeit von TPLF und Fano. Amhara-Milizen kämpften damals gemeinsam mit der äthiopischen Armee gegen die TPLF und besetzten Gebiete im Westen und Süden Tigrays, die bis heute zwischen beiden Volksgruppen umstritten sind. Dennoch wollen beide Organisationen gemeinsam gegen Abiy vorgehen, während dieser sein Land international als Investitionsstandort anpreist. Ob daraus tatsächlich eine gemeinsame militärische Front entsteht, ist offen. Einige der Gruppen sind geografisch weit voneinander entfernt. Auch ihre Vorstellungen darüber, wie Äthiopien künftig regiert werden sollte, unterscheiden sich.

Einstiger Hoffnungsträger

Die International Crisis Group warnt seit längerem davor, die zahlreichen Konflikte des Landes getrennt voneinander zu betrachten. Das Ende des Tigray-Krieges habe die grundlegenden politischen und ethnischen Auseinandersetzungen des Landes nicht gelöst. Eine weitere Entfremdung großer Bevölkerungsgruppen von der Zentralregierung könne die Stabilität des gesamten föderalen Systems gefährden.

Das Problem reicht zurück bis zur politischen Neuordnung nach Abiys Amtsantritt im Jahr 2018, als er vom Westen verfrüht als Hoffnungsträger gefeiert wurde – Friedensnobelpreis inklusive. Äthiopien war seit den 1990er Jahren als ethnischer Bundesstaat organisiert. Regionen erhielten weitreichende Autonomie, politische Macht wurde gleichzeitig von einer Koalition ethnisch definierter Parteien ausgeübt. Abiy löste diese Parteienstruktur weitgehend auf und vereinigte die meisten Regierungsparteien in seiner Prosperity Party. Gleichzeitig zentralisierte er politische Macht und damit auch Ressourcen des Landes. Der Widerstand dagegen ist wohl deutlich größer als von Abiy kalkuliert.

Nervosität in Europa

Auch für Europa könnte eine weitere Eskalation Folgen haben. Europäische Regierungen verfolgen die Entwicklungen in Addis Abeba traditionell nervös, nicht zuletzt wegen der Größe und regionalen Bedeutung des Landes in der Nähe des Roten Meeres. Äthiopien ist mit rund 130 Millionen Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land Afrikas.

Bislang spielt es trotz der anhaltenden Krisen aber nur eine vergleichsweise kleine Rolle bei der Migration nach Europa, zählt nicht zu den 20 wichtigsten Herkunftsländern von Asylbewerbern. Das könnte sich bald ändern. (Christian Putsch, 23.9.2026)

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