Eintracht Frankfurt kämpft gegen den Komplex

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Eintracht Frankfurt kämpft gegen den Komplex

Stand: 15.10.2026, 13:57 Uhr

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eintracht Frankfurt  - FC Augsburg, BL

Irgendwo zwischen Scham und Frust: Uzun, Burkardt und Kollegen trotten nach den letzten Heimspielen Richtung Fans. © IMAGO/FRANK HEINEN

Sechs Niederlagen, vier Remis: Eintracht Frankfurt wartet seit März auf einen Heimsieg im Waldstadion. Die Eintracht muss ihre Spiele im Stadtwald gewinnen, will sie den Turnaround schaffen.

Die verflixte Geschichte mit den Heimspielen ist für Adi Hütter ein Mysterium, ein Buch mit sieben Siegeln. Die Bilanz der Eintracht im Waldstadion in diesem Kalenderjahr: drei Siege, vier Remis, sechs Niederlagen. Das ist miserabel. Nichts, womit man große Ambitionen untermauern kann. Festung war einmal.

Zum Spiel

Frankfurt: Atubolu - Baum, Koch, Brassier, Kosugi - Onyedika, Aseko - Doan, Uzun - Burkardt, Ebnoutalib.

Köln: Schwäbe - Sebulonsen, Simpson-Pusey, Lochoshvili, Sosa - Krauß, Johannesson - Moore, Maina - Bülter, El Mala

Schiedsrichter: Brand (Schallfeld).

Der Eintracht fehlt: keiner.

Der letzte Erfolg im Stadtwald datiert vom März dieses Jahres, ein dürres 1:0 gegen Heidenheim. Chefcoach Adi Hütter kann sich beim besten Willen nicht an ein ähnliches Phänomen erinnern und nicht verstehen, „wie man über einen so langen Zeitraum zu Hause nicht gewinnen kann“.

Die Resultate seitdem: 2:2, 1:3, 1:2, 2:2, 1:4, 2:2. Die letzten beiden Partien, 1:4 gegen Augsburg und 2:2 gegen Freiburg, fielen schon in den Zuständigkeitsbereich des Österreichers. Wieso nichts zusammenläuft? Er hat einen gewissen Druck bei seinen Mannen festgestellt, eine Verkrampfung in der besten Absicht, es besonders gut machen zu wollen. Seine Mannschaft ist unerfahren, die jüngste der Liga.

Aber sie muss jetzt liefern, den Bock umstoßen. Egal, wie. Am besten am Freitag (20.30 Uhr/Sky) gegen den 1. FC Köln. Es ist ein wichtiges Spiel, „richtungsweisend“, wie der Trainer sagt. Es ist ordentlich Druck auf dem Kessel. Der Start der Eintracht war wenig verheißungsvoll, fünf Punkte nach fünf Partien sind dürftig. Viel schlimmer: Die Gegentorflut ebbt nicht ab, es hat bereits wieder 16-mal eingeschlagen im Heiligtum. Da ist es inzwischen fast schon egal, wer es hütet. Alle Keeper sehen schlecht aus.

Klar ist: Mit einer solchen Schießbude wird der Klub alle Ziele verfehlen und muss aufpassen, nicht ernsthaft in die Bredouille zu geraten. Die Großwetterlage ist mies: Die 0:6-Demütigung in Leipzig drückt aufs Gemüt, dazu kommen die Debatten um Wackel-Kapitän Robin Koch und fehlende Führungskräfte. Die verfehlte Personalpolitik thront über allem.

Weitere Pleite ließe die Stimmung kippen

Mit einer weiteren Niederlage könnte die Stimmung endgültig kippen. Dann würde es ungemütlich. Und nächste Woche geht es dann nach Dortmund, da gab es zuletzt – schöne Grüße aus Leipzig – immer einen Satz roter Ohren. Könnte übel enden.

In dieser heiklen Gemengelage gibt die aktuelle Heimbilanz erst recht Anlass zu großen Sorgen, denn gerade wenn es hart auf hart geht, sollte die eigene Arena der Rückzugspunkt und das Bollwerk sein. „Es ist für mich undenkbar“, sagt Adi Hütter verwundert, „dass wir zu Hause den Nimbus einer Heimmacht verloren haben.“

Den müsse man sich wieder erarbeiten, der Gegner müsse mit Bammel in den Stadtwald reisen und denken: „Okay, hier hängen die Kirschen höher.“ Doch das Waldstadion wieder zur Bastion zu machen, „das geht nicht von heute auf morgen. Und es geht nicht mit Reden.“ Hütters Forderung: „Wir müssen hart arbeiten, richtig arbeiten auf dem Platz.“

Der Fußballlehrer weiß, wovon er spricht. Und wie so etwas funktioniert. In seiner ersten Amtszeit war die Eintracht in ihrer Heimspielstätte gefürchtet, ist im dritten Hütter-Jahr eine ganze Saison ohne Niederlage auf eigenem Rasen geblieben. Das hat der 56-Jährige natürlich noch im Kopf. Doch er weiß, dass sich Situationen nicht vergleichen lassen.

Zumal aller Anfang schwer ist. Für jeden Chefcoach in Frankfurt. Auffällig ist allemal, dass es immer eine Zeit dauerte, ehe neue Trainer ihre Ideen implementieren und durchsetzen konnten. Das war bei Dino Toppmöller so (sieben Punkte nach sechs Spieltagen) und sogar bei Oliver Glasner.

Der Europa-League-Held hatte mit seinem Team nach zehn Partien neun Punkte gesammelt, ein 2:1-Glückssieg in letzter Minute in Fürth rettete ihm den Job. Und auch Adi Hütter hatte Probleme, als er von Niko Kovac übernahm. Beide haben gänzlich unterschiedliche Philosophien. Die Folge des Paradigmenwechsels von harter Defensive auf wilde Offensive: Rang 15 für Adi Hütter nach fünf Spielen bei vier Punkten.

Erst ein dreifacher Dreierpack (4:1 Hannover, 4:1 Lazio, 2:1 in Hoffenheim) festigte den Platz des damaligen Bundesliganovizen, es folgte eine imposante Siegesserie bis tief in den Herbst. Kurz vor Weihnachten sollte Adi Hütter sagen: „Jetzt ist vieles gut. Aber ich bin Realist. Es hätte für mich auch nach sieben Spielen vorbei sein können.“

Hütter defensiv: „Haben ein ordentliches Team“

Jetzt sind die Veränderungen wieder groß, personell, aber auch ideell. Adi Hütter hat den Stil und das System modifiziert. Und er leitet keine Überfliegermannschaft an, eher eine des gehobenen Mittelfelds – wenn alles gut läuft und sich die Abwehr stabilisieren sollte. „Wir haben eine ordentliche Mannschaft“, sagt der Vorarlberger, er nennt sie bewusst „nur“ ordentlich.

Sie benötigt Zuspruch auf ihrem steinigen Weg. Der Chefcoach zieht als Beispiel Jeremiaha Maluze heran, der kürzlich noch in der Hessenliga verteidigte. „Wir müssen mit unseren Jungs behutsam umgehen. Viele Spieler haben vor ein paar Monaten nicht mal annähernd Bundesligaluft geschnuppert. Es gehört Geduld dazu.“ Die hat Adi Hütter sich selbst antrainieren müssen. Und trotzdem geht selbst ihm die Entwicklung nicht schnell genug. Ein erster Heimsieg könnte als erster Beschleuniger dienen.