Eintracht Frankfurt: Stammplatzgarantie als letzte Warnung für Kapitän Koch
Auf die Demontage von Leipzig folgt die Wiedereingliederung gegen Köln: Adi Hütter spricht Robin Koch das Vertrauen aus, der Druck auf den Kapitän von Eintracht Frankfurt wird dadurch aber noch größer.
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Eintracht-Kapitän muss aufwachen Stammplatzgarantie als letzte Warnung für Koch
Auf die Demontage von Leipzig folgt die Wiedereingliederung gegen Köln: Adi Hütter spricht Robin Koch das Vertrauen aus, der Druck auf den Kapitän von Eintracht Frankfurt wird dadurch aber noch größer.
Robin Koch (li.) muss gegen Köln liefern. Bild © IMAGO / Schüler
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00:37 Min. |Nico Herold
Bild © Imago Images / Kessler-Sportfotografie| zur Audio-Einzelseite
Es dauerte nicht lange, bis Adi Hütter auf der Pressekonferenz am Mittwoch den Elefanten im Raum ansprach und Klartext redete. Natürlich werde Kapitän Robin Koch am Freitag (20.30 Uhr) gegen den 1. FC Köln in die Startelf von Eintracht Frankfurt zurückkehren, stellte er klar. Und natürlich werde der Innenverteidiger die Mannschaft auch weiterhin als Kapitän anführen. "Ich möchte die Führungsspieler stärken", so Hütter. "Robin Koch ist sicher nicht der Hauptschuldige."
Der angeschlagene Spielführer und designierte Abwehrchef wird nach seiner viel diskutierten Auswechslung beim 0:6-Debakel in Leipzig also reintegriert. Koch genießt weiter das Vertrauen seines Trainers, Koch wird weiter gebraucht. Viel Lärm um nichts also in den vergangenen Tagen? Muss die vermeintlich offene K-Frage bei der Eintracht womöglich gar nicht gestellt werden? Klare Antwort: So leicht ist es dann doch nicht. Denn Kochs Stammplatzgarantie ist an Forderungen geknüpft. "Es gilt das Leistungsprinzip", so Hütter.
Hütter nimmt Koch in die Pflicht
Der Österreicher selbst versuchte deshalb auch erst gar nicht, Kochs Auftritt und sein Durchgreifen in Leipzig zu normalisieren. Wenn der Kapitän nach 45 Minuten beim Stand von 0:4 in der Kabine bleibt, ist etwas vorgefallen. Dass sich Koch unter der Woche dazu genötigt sah, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen und via Kicker seine Position zu stärken, verdeutlicht das. Der Ruf von Koch ist angekratzt, Hütter will jetzt eine Reaktion sehen.
"Natürlich war es ein Zeichen", bestätigte der Frankfurter Trainer seine fußballerische Symbol-Politik. Da Hütter selbst zugab, dass es bei diesem Totalausfall auch alle anderen Spieler hätte treffen können, es aber eben den Spielführer traf, war die Auswechslung keine gewöhnliche. Hütter griff durch und sendete damit ein klares Zeichen. "Robin weiß, was er jetzt zu tun hat. Und ich erwarte, dass er das als Kapitän und Führungsspieler auf dem Platz zeigt."
Koch muss sich extrem steigern
Der Auftrag und die Folgen sind eindeutig, die Zeit von Schonfristen und Samthandschuhen ist im Frankfurter Oktober endgültig vorbei. Koch darf erneut beweisen, dass er das Zeug dazu hat, die Eintracht-Defensive zusammenzuhalten. Der 15-fache Nationalspieler, der einst von Sportvorstand Markus Krösche als bester Innenverteidiger Deutschlands gepriesen wurde, muss das nun aber auch endlich tun. So verständlich Hütters Durchgreifen in Leipzig war und so richtig das Einräumen der Bewährungschance für Koch nun ist, so klar ist auch: Viele Chancen wird Koch nicht mehr erhalten. Jetzt gilt's.
Problem dabei: Das Leistungstief des Verteidigers fing schon unter Ex-Ex-Trainer Dino Toppmöller an, die Abwärtsspirale dreht sich bis heute. Gründe, warum ausgerechnet jetzt wieder alles besser werden sollte, gibt es nicht viele.
Auch gegen Köln wird der mittlerweile 30-Jährige dennoch in seiner Funktion als Abwehrchef benötigt. Ob als zentraler Part einer Dreierkette – Kochs früherer Schokoloden-Position – oder an der Seite von Lilian Brassier im Zentrum einer Viererkette, ist aktuell noch offen. Wichtiger als die taktische Anordnung, und das ist in diesem Fall keine Floskel, ist am Freitagabend gegen Köln aber ohnehin die Art und Weise des Verteidigens. Koch, im normalen Leben ein freundlicher Zeitgenosse, muss genau diese Freundlichkeit auf dem Platz ablegen. "Er muss Zweikämpfe suchen und gewinnen", forderte Hütter.
Ende des Videobeitrags 069-Mentalität ist nur der Anfang
Die vom Team verlangte "069-Mentalität" muss auch Koch mit Leben füllen, Spiele in Frankfurt müssen wieder wehtun. Einsatz und Willen allein werden für einen positiven Arbeitsnachweis aber nicht reichen. Die Binde, die der gebürtige Pfälzer am Arm trägt, verpflichtet ihn zu mehr. "Ich sehe Robin weiter als guten Verteidiger. Er muss aber seine Stimme dazu verwenden, seine Mitspieler einzuteilen", so Hütter. "Wenn er das zeigt, werden sich auch die jüngeren Spieler wieder leichter tun." Abwehrchef, Anker, Anführer. Die Aufgabenliste ist lang. Der Druck dementsprechend groß.
Das Heimspiel gegen den 1. FC Köln, der mit dem Schwung des Derby-Siegs gegen Gladbach an den Main reist, wird deshalb aus gleich mehreren Gründen richtungsweisend. Sollte die Eintracht auch dieses Spiel nicht gewinnen oder gar verlieren, ist die Krise nicht mehr wegzureden. Sollte Koch erneut enttäuschen, wird ihm irgendwann auch sein Kapitänsamt nicht mehr vor der Ersatzbank bewahren können. "Wir haben auf die Mütze bekommen, jetzt will ich von der Mannschaft vollen Einsatz sehen", so Hütter.
Koch wird die Wende sicherlich nicht allein herbeigrätschen und -schreien können. "Es kann nicht einer alleine schaffen", betonte auch Hütter. Der Kapitän wird aber vorangehen müssen. Alle Blicke sind erst einmal auf ihn gerichtet.