Eintracht nimmt Druck vom Kessel
StartseiteEintrachtStand: 13.09.2026, 12:58 UhrKommentareUns auf Google folgenStarkes Trio (von links): Doppeltorschütze Can Uzun, Kapitän Robin Koch und Abwehrkollege Jeremiaha Maluze. © IMAGO/HMB Media/ClausC...
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Stand: 13.09.2026, 12:58 Uhr
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Can Uzun trifft doppelt, Jonathan Burkardt besticht an alter Wirkungsstätte, Noah Atubolu bleibt ein Elfmeterkiller: Das 3:1 in Mainz ist für die Eintracht ein „starkes Statement“.
Hinterher, das kleine, aber feine Wunder war vollbracht, war die etwas aus den Fugen geratene Frankfurter Fußballwelt vorerst wieder hergestellt: Spieler glücklich, Verantwortliche erleichtert, die Fans beseelt. Da herrschten im Bauch der Mainzer Arena jede Menge positive Eintracht-Vibes. Eine ausgelassene Stimmung, nicht überbordend, wäre nach drei Spieltagen und vier erzielten Punkten auch nicht angemessen, aber losgelöst, beschwingt. Co-Trainer Christian Peintinger scherzte mit den Medienvertretern, Urgestein Timmy Chandler drückte den mit Interview-Aufgaben und später mit Sonderlob des Trainers bedachten Youngstern Jeremiaha Maluze und Noel Aseko einen Spruch, Can Uzun schlenderte stolz mit seiner Trophäe als Man of the Match in die Katakomben, aus denen die Bässe nur so wummerten. Und Robin Koch, der diesmal aufrechte Kapitän, setzte in der Mixed Zone sein breitestes Lächeln auf.

Ja, da war doch gehörig „Druck auf dem Kessel“, wie nicht nur Sportvorstand Markus Krösche feststellte. Ein weiterer Nackenschlag, so viel war vor der Fahrt ins Rheinhessische klar, hätte die ohnehin angespannte Lage nochmals zugespitzt. Da tat so ein 3:1 (2:0) beim ungeliebten Nachbarn natürlich doppelt gut, verdient obendrein und überhaupt erst der zweite Sieg in 23 Gastspielen. Vor einem halben Jahr etwa, die Eintracht war den Nullfünfern an gleicher Stelle mit 1:2 unterlegen gewesen, hatte der damalige Trainer Albert Riera noch einen Erfolg beim Rivalen mit einem Wunder gleichgesetzt. Gibt es also doch immer wieder, diese Wunder. Adi Hütter hat sie jetzt schon zweimal vollbracht.
Mehr Stabilität dank Dreierkette
Im Nachgang freute sich der Coach über das „starke Statement“ seiner Mannschaft nach der „berechtigten Kritik“, die nach dem 1:4-Fiasko gegen Augsburg auf sie eingeprasselt war. Dass die zuvor mit 5:0 in Hamburg auftrumpfenden Mainzer diesmal nicht das Oberwasser hatten, war auch Hütters Anpassungen in der Hintermannschaft zu verdanken. Erstmals kehrte er von der Viererkette ab, beorderte Maluze neben Kapitän Koch und Lilian Brassier in die Innenverteidigung. Dieses Trio, im Verbund mit den davor abräumenden Noel Aseko und Raphael Onyedika und den nie aufsteckenden Außenverteidigern Keita Kosugi und Elias Baum, sorgte für mehr Stabilität, Sicherheit und Kompaktheit. Zudem verteidigten die Frankfurter etwas tiefer, fehlerfreier, ließen so weniger Umschaltsituationen der Mainzer zu.
„Alle glauben, ich möchte nur gerne in einer Viererkette spielen oder als 4-2-2-2“, wischte Hütter Gedanken einer gewissen Engstirnigkeit beiseite. Zugleich verwies er auf die Flexibilität in seiner ersten Amtszeit, als Altmeister Makoto Hasebe als zentrale Figur einer Dreierkette einen formidablen Job gemacht hatte. Was diesmal Robin Koch – bis auf einen folgenlosen Schnitzer – ähnlich souverän erledigte. „Die Umsetzung war überragend. Wir sind erwachsener und mehr als Kollektiv aufgetreten“, hob der Kapitän hervor. Hütter meinte: „Diese Dreierkette hat uns auch diesen Sieg beschert.“
Betonung auf „auch“. Denn dieser Befreiungsschlag von Mainz hatte noch andere Geschichten zu bieten. Vom Doppelpacker Uzun etwa, der mit seinem Führungstor die Weichen stellte und später auch mit dem dritten Treffer für die Vorentscheidung sorgte. Perfekt in Szene gesetzt von Jonathan Burkardt (1:0) und Mario Götze. „Ich habe zwar schon schönere Tore gemacht“, gestand Uzun lächelnd ein, „aber wenn meine Mitspieler mich so bedienen, mache ich gerne auch solche Tore.“ Das 2:0 hatte Burkardt selbst besorgt. Tat ihm natürlich besonders gut, dem Ex-Mainzer, so an alter Wirkungsstätte, wo ihm nach seinem von Nebengeräuschen begleiteten Wechsel im Sommer 2025 nach wie vor nicht alle wohlgesonnen sind. „Ich glaube, ich habe das heute gut gemacht“, sagte der 26-Jährige und verspürte eine „mentale Erleichterung“.
Vergebener Elfer als Knackpunkt
Denn, auch das gehört zur Wahrheit und darin waren sich die Trainerkollegen Hütter und Urs Fischer einig: Das Spiel hätte bei aller Frankfurter Resilienz kurz vor der Pause kippen können. Wenn, ja wenn der ansonsten so sichere Schütze Nadiem Amiri seinen Elfmeter etwas platzierter geschossen oder zumindest der Nachschuss von Phillip Tietz den Weg ins Gehäuse gefunden hätte. So parierte Eintracht-Keeper Noah Atubolu relativ locker den Versuch und machte seinem Ruf als Elfmeterkiller alle Ehre. Sämtliche der letzten sechs Bundesliga-Strafstöße hat der Ex-Freiburger gehalten, baute damit seinen Rekord aus. Und wenn, ja wenn Burkardt nicht eine Zeigerumdrehung später im Stile eines wuchtigen Mittelstürmers das 2:0 nachgelegt hätte. „Das war sicherlich der Knackpunkt“, meinte Hütter. „In einigen Situationen haben wir auch das nötige Glück auf unserer Seite gehabt, aber das hat sich die Mannschaft mit ihrem Einsatz auch erarbeitet.“ Wohl wahr.