Schwimm-EM in Paris: Florian Wellbrock gewinnt Gold in der Seine

Bei den Olympischen Spielen vor zwei Jahren erlebte Florian Wellbrock in der Seine eine Enttäuschung. Diesmal sichert er sich im Schlussspurt EM-Gold. Auch Oliver Klemet gewinnt eine Medaille.

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Schwimm-EM in Paris: Florian Wellbrock gewinnt Gold in der Seine

EM-Gold in Paris :

Florian Wellbrock komplettiert sein Medaillen-Puzzle

04.08.2026, 13:56Lesezeit: 2 Min.

Diesmal Erster in Paris: der neue Europameister Florian Wellbrock

Bei den Olympischen Spielen vor zwei Jahren erlebte Florian Wellbrock in der Seine eine Enttäuschung. Diesmal sichert er sich im Schlussspurt EM-Gold. Auch Oliver Klemet gewinnt eine Medaille.

Florian Wellbrock streckte beide Zeigefinger in die Luft und jubelte den deutschen Schwimm-Fans am anderen Seine-Ufer euphorisch zu. „So sehen Sieger aus“, schallten die Gesänge zu ihm herüber. Seine Goldmedaille im Rennen über zehn Kilometer war für den Ausnahmeathleten ein ganz besonderer Erfolg. Wellbrock gewann erstmals einen EM-Titel im Freiwasser – und feierte seine ganz persönliche Versöhnung mit Paris.

„Ich hatte schon noch irgendwo eine kleine Rechnung offen mit der Stadt – umso schöner, dass es heute mit einer Goldmedaille geklappt hat“, sagte der 28-Jährige. Bei den Olympischen Spielen vor zwei Jahren war Wellbrock schwer geschlagen aus dem Pariser Fluss gestiegen. Nun triumphierte er. „Es ist heute sehr, sehr viel Genugtuung.“ Wellbrock setzte sich vor dem Ungarn David Betlehem durch. Bronze sicherte sich Wellbrocks Teamkollege Oliver Klemet, der bei den Sommerspielen Silber gewonnen hatte.

Medaillen im Doppelpack: Florian Wellbrock (links) und Oliver Klemet
Medaillen im Doppelpack: Florian Wellbrock (links) und Oliver KlemetAFP

Wellbrock war als viermaliger Weltmeister gestartet. Wegen eines schwierigen Saisonverlaufs mit mehreren Krankheitsausfällen hatte der gebürtige Bremer seine Ziele vor der Europameisterschaft aber sehr defensiv formuliert. Dass es nun sogar der Titel wurde, schien er selbst kaum glauben zu können. „Rein physisch hätte ich heute eigentlich nicht gewinnen dürfen“, sagte der Freiwasser-Olympiasieger von 2021. „Ich glaube, das war eine mentale Meisterleistung.“

Über die olympische Distanz von zehn Kilometern hat er jetzt alle wichtigen Titel gewonnen. „Mehrfach Weltmeister geworden, einmal Olympiasieger geworden und diese Medaille hat irgendwo noch gefehlt“, erklärte Wellbrock. „Das Puzzleteil jetzt zu haben für das Gesamtbild, das bedeutet mir schon sehr, sehr viel.“

Wasserqualität bereitet diesmal keine Sorgen

Rund um die Rennen in der Seine hatte bei den Sommerspielen 2024 die Wasserqualität großen Wirbel ausgelöst. So berichtete die deutsche Schwimmerin Leonie Beck damals nach ihrem Rennen über Erbrechen. Andere Athletinnen und Athleten hatten ebenfalls gesundheitliche Probleme. Diesmal sorgten die Wasserwerte vor dem Wettkampf im Fluss, der sich quer durch die französische Hauptstadt zieht, nicht für so große Sorgen. Vorsichtsmaßnahmen trafen die deutschen Schwimmer trotzdem.

„Wir haben uns im Vorwege gegen Cholera und Typhus und keine Ahnung was – Hepatitis – geimpft“, berichtete Wellbrock. „Wir nehmen hier vorbeugend so ein paar Darmbakterien, damit die Darmflora irgendwo stabil ist – falls was reinkommt, dass es vielleicht nicht ganz durchhaut.“ Der Abschnitt, an dem der Wettkampf stattfindet, ist diesmal ein anderer. „Wir haben deutlich weniger Strömung, etwas wärmeres Wasser“, verglich Wellbrock. „Also es hätte deutlich schlechter sein können für mich.“

Im Rennen setzte er sich früh an die Spitze und entzog sich so den körperbetonten Zweikämpfen an den Wendebojen. Betlehem, Klemet und er setzten sich ab. Mit einem unwiderstehlichen Schlussspurt sicherte sich Wellbrock dann den verdienten und sicheren Sieg.

Für ihn heißt es, sich nun möglichst schnell zu erholen. Schon an diesem Mittwoch (10.00 Uhr/ZDF-Livestream) steht das Rennen über fünf Kilometer an. „Es geht jetzt alles Schlag auf Schlag“, sagte er und schilderte seine Pläne: „Irgendwo in die City – Kaffee, Kuchen. Mal ein bisschen Mensch sein und dann gucken wir, wie voll der Akku morgen wieder ist.“