Epsteins willige Geldhelfer? Wie auch die Deutsche Bank den Straftäter hofierte
Wegen ihres Umgangs mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein muss die Deutsche Bank 150 Millionen Dollar Geldstrafe zahlen. Die New Yorker Finanzaufsicht wirft der Bank mangelnde Kontrollen vor.
- 4 min read
KI-Stimme. Info
Vier Millionen Dollar im Jahr. So viel Geschäft versprach sich ein Deutsche-Bank-Manager 2013 von Jeffrey Epstein. Dazu, schrieb er, könne der neue Kunde „Millionen Dollar Umsatz“ und Kontakte zu weiteren lukrativen Kontoinhabern in spe bringen. Das war ungefähr fünf Jahre nach Epsteins Verurteilung und Haftstrafe wegen eines Sexualdelikts mit einer Minderjährigen. Die Vergangenheit des Frauenpeinigers und Lebensverunstalters stand nicht im versiegelten Kleingedruckten. Sie stand in der Zeitung. Die Deutsche Bank nahm sein kontaminiertes Geld trotzdem.
Damit ist eigentlich schon alles gesagt über den Bankenskandal, den der demokratische US-Senator Ron Wyden nach vier Jahren verdienstvoller Kleinarbeit auf 67 Seiten ausbreitet. Die Geldhäuser, nicht nur das deutsche, wussten nicht zu wenig über Epstein. Sie wussten genug – und scherten sich nicht drum. Pecunia non olet. Geld stinkt nicht.
Oh doch! Dieses schon.
Mehr zum Fall Epstein
Hinter Epstein stand kein Schattenreich mit Geldkoffern
Wyden hat sich nicht mit Epstein-Folklore beschäftigt, nicht mit Fluglisten und Promifotos. Er folgte dem Geld: Verdachtsmeldungen, Bankunterlagen, Überweisungen, Bargeldabhebungen. Und siehe da: Hinter dem Sexualstraftäter, der lange mit Donald Trump eine klebrige Männerfreundschaft pflegte, stand kein Schattenreich mit Geldkoffern. Sondern eine Gruppe renommierter Weltbanken mit Compliance-Handbüchern, Geldwäsche-Beauftragten und Hochglanzbroschüren über Verantwortung.
„Die Banker, die Fragen hätten stellen müssen, stellten sie nicht“, heißt es im Bericht. Wydens Schluss ist vernichtend: Wall-Street-Banken seien bereit gewesen, bei verdächtigen Transaktionen ultrareicher Kunden „wegzusehen“, selbst wenn das gegen Bundesrecht verstoßen könne.

Dokumente mit geschwärzten Passagen, Teil der vom US-Justizministerium freigegebenen Jeffrey-Epstein-Akten.© Jon Elswick/AP/dpa | Jon Elswick
Banken ignorieren auffällige Epstein-Transaktionen
Bei normalen Menschen demonstrieren Banken ihre Wachsamkeit gern wie eine übervorsichtige Grenzpolizei. Eine kleine fünfstellige Kreditkartenzahlung, eine größere Überweisung ins Ausland – schon möchte der Algorithmus wissen, ob alles koscher ist. Epstein dagegen bewegte Summen, die eher nach Großstadt-Jahresetat klingen.
JPMorgan meldete erst 2019 rückwirkend rund 4700 verdächtige Transaktionen über etwa 1,1 Milliarden Dollar – darunter Zahlungen an Frauen in Russland, Belarus und Turkmenistan. Epstein war dort bis 2013 Kunde, obwohl er seit 2008 verurteilter Sexualstraftäter war. Dann übernahm die Deutsche Bank. Nicht aus Versehen. Der Kundenbetreuer pries Epstein intern als Geldmaschine in spe an. Die New Yorker Finanzaufsicht stellte später fest, die Bank habe trotz Kenntnis seiner „schrecklichen kriminellen Vergangenheit“ Millionen verdächtiger Transaktionen weder erkannt noch verhindert. Darunter Zahlungen an russische Models, Schulgeld, Hotel- und Mietkosten für Frauen sowie auffällige Bargeldabhebungen. 150 Millionen Dollar Strafe kostete dieses Versagen. Die Deutsche Bank nannte die Koexistenz mit Epstein später einen „kritischen Fehler“.
Textchefin Birgitta Stauber sucht sie in ihrem Newsletter „Das Beste am Sonntag“ für Sie aus, eingebettet in ein persönliches Editorial. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier.
Epstein: Auch die Bank of America benötigte lange zum Erwachen
Bankerkauderwelsch in seiner verlogensten Form. Ein Fehler ist, wenn jemand eine Kontonummer vertauscht. Einen verurteilten Sexualstraftäter nach interner Prüfung als Vermögenskunden zu hätscheln, ist eine bewusste Entscheidung gegen Anstand und Lauterkeit.

Auch die Bank of America benötigte lange zum Erwachen. Rund 170 Millionen Dollar flossen zwischen dem Unternehmer und Kunstsammler Leon Black und Epstein, angeblich für Steuer- und Nachlassberatung. 170 Millionen Dollar! Die Bank meldete Teile der Zahlungen erst fünf bis sieben Jahre später. Und schoss sich mit dieser Formulierung ins Knie. Bei den Transaktionen habe es „keinen erkennbaren wirtschaftlichen, geschäftlichen oder rechtmäßigen Zweck“ gegeben. Mit anderen Worten: kriminell. Das Institut BNY Mellon meldete 270 epsteinbezogene Überweisungen über rund 400 Millionen Dollar ebenfalls erst Jahre später.

Dirk Hautkapp, US-Korrespondent.© ZR | bm
Natürlich bestreiten die Häuser allesamt, Epsteins Sexhandel bewusst alimentiert zu haben. Juristisch ist das erheblich. Moralisch hilft es wenig. Niemand muss behaupten, Bankvorstände hätten morgens beschlossen, Menschenhandel zu finanzieren. Das System funktioniert feiner. Ein reicher Kunde produziert Gebühren und Folgegeschäfte. Ein Compliance-Einwand produziert Ärger. Also bekommt der Zweifel eine Aktennotiz und der Kunde einen privaten Banker. Hier beginnt die eigentliche Komplizenschaft: profitable Gleichgültigkeit.
JPMorgan zahlte später 290 Millionen Dollar zur Beilegung einer Klage von Epstein-Opfern, die Deutsche Bank 75 Millionen, die Bank of America rund 72,5 Millionen. Ohne Schuldeingeständnis, selbstverständlich.
Auch interessant

Ron Wydens Verdienst besteht darin, dem Epstein-Skandal die billigste Ausrede zu nehmen: Man habe das alles nicht rechtzeitig sehen und erkennen können. Man konnte. Banken sind geradezu darauf gebaut, Geldspuren zu sehen. Sie nennen das „Know Your Customer“ (KYC), „Kenne deinen Kunden“. Jeffrey Epstein kannten sie. Gut sogar.
Helfen Sie mir: Was ist die Steigerung von moralischer Verkommenheit?