Erkältung: Bleibender Husten kann auf ernste Krankheit hindeuten

KI-Stimme. InfoEine Erkältung ist oft schnell überstanden, doch manche Beschwerden begleiten einen länger: Die Nase läuft, man muss sich häufig räuspern und beim Treppensteigen macht sich noch eine leichte Kurz...

  • 5 min read
Erkältung: Bleibender Husten kann auf ernste Krankheit hindeuten

KI-Stimme. Info

Eine Erkältung ist oft schnell überstanden, doch manche Beschwerden begleiten einen länger: Die Nase läuft, man muss sich häufig räuspern und beim Treppensteigen macht sich noch eine leichte Kurzatmigkeit bemerkbar. In einer kanadischen Studie litt außerdem bis zu ein Viertel der Erkälteten noch mehrere Wochen nach einem Infekt an einem postinfektiösen Husten.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der hartnäckige Husten ist nicht nur lästig, sondern manchmal auch ein Symptom einer zusätzlichen Erkrankung. Ab wann sollten Betroffene zum Arzt, und was kann noch dahinterstecken? Der Lungenfacharzt Dr. Peter Kardos erklärt, in welchen Fällen schnelle medizinische Hilfe wichtig ist.

Lesen Sie weitere Artikel zum Thema Erkältung

Arzt erklärt: So beginnt die Erkältung

Meist stecken Viren wie Rhinoviren hinter einer gewöhnlichen Erkältung (grippaler Infekt). Sind die Abwehrkräfte geschwächt, haben Viren ein besonders leichtes Spiel: Sie gelangen über Tröpfchen in der Atemluft oder eine Schmierinfektion auf die Schleimhaut von Nase und Rachen. Dort vermehren sie sich und schädigen Zellen.

Das aktiviert das Immunsystem: Die Blutgefäße weiten sich, sodass mehr Flüssigkeit und Abwehrzellen ins Gewebe übergehen. Dadurch schwellen die Schleimhäute an, sie entzünden sich und produzieren mehr Schleim. Dieser fängt Krankheitserreger ein und transportiert sie ab.

In der Folge entstehen die typischen Erkältungssymptome: eine zunächst verstopfte und danach ständig laufende Nase, Halsschmerzen – und Husten. Entzündungsbotenstoffe aus den infizierten Zellen reizen am Anfang einer Erkältung die Hustenrezeptoren in den Atemwegen. „Es fängt an mit trockenem Husten, am zweiten oder dritten Tag kommt Auswurf hinzu“, erklärt Peter Kardos.

Das können Sie bei einer Erkältung tun

  • „Wirkt keimtötend“: Diese Hausmittel empfiehlt Dr. Riedl bei Erkältung

Husten & Erkältung: Ab diesem Zeitpunkt ist Sorge angebracht

Das Husten ist dabei ein natürlicher Schutzreflex des Körpers, denn auf diese Weise kann er Fremdstoffe und Krankheitserreger nach draußen befördern. Der überschüssige Schleim wirkt wie ein zusätzlicher Reiz auf die Hustenrezeptoren. Wenn neben Nase und Rachen auch noch die Bronchien Schleim produzieren, verschlimmert sich der Husten entsprechend: Es kommt zu Husten mit Auswurf.

Während die meisten Erkältungssymptome nach ein bis zwei Wochen verschwinden, hält der Husten etwas länger an: „Nach einem gewöhnlichen Erkältungsinfekt, wenn jemand ansonsten gesund ist, klingt der Husten innerhalb von drei Wochen ab“, sagt Kardos. „Wenn er nicht abklingt, kann es sich um Erreger oder andere Grunderkrankungen handeln.“ Dazu gehört etwa Asthma.

Auch Keuchhusten, der vor allem bei Kleinkindern auftritt und bis zu drei Monate anhalten kann, steckt mitunter hinter anhaltendem Husten. Die bakterielle Infektion äußert sich zunächst durch leichte Erkältungssymptome und geht dann in krampfartige Hustenanfälle über. Da die Impfung gegen Keuchhusten immer wieder aufgefrischt werden muss, erkranken auch Erwachsene daran – jedoch meistens mit einem milderen Verlauf.

Lesen Sie auch

Bleibt der Husten hartnäckig, könne sich dem Experten zufolge auch eine sogenannte postvirale Rhinosinusitis dahinter verbergen: „Wenn bei einer Erkältung eine Nebenhöhlenentzündung dazukommt, klingt sie zwar innerhalb von zwei, drei Wochen ab – aber die Symptome kommen dann wieder“, sagt Kardos. „Das kann bis zu zwölf Wochen dauern.“

Betroffene haben dann trotz überstandener Erkältung eine verstopfte oder laufende Nase, Kopfschmerzen und ein Druckgefühl durch die belegten Nasennebenhöhlen. Der Husten entsteht, wenn der Schleim aus der Nase oder den Nebenhöhlen in den Rachen fließt, was auch als Postnasal-Drip-Syndrom bezeichnet wird.

Der Lungenfacharzt Peter Kardos

Peter Kardos ist Lungenfacharzt in Frankfurt.© Marcus Gloger/MedCom:UK

Dr. Peter Kardos ist Vorstandsmitglied der Deutschen Atemwegsliga und Facharzt für Innere Medizin, Allergologie und Schlafmedizin in der Gemeinschaftspraxis Lungenzentrum Maingau in Frankfurt am Main. Er hat sich unter anderem auf Asthma, Husten und interstitielle Lungenerkrankungen spezialisiert und als Koordinator der S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten mitgewirkt.

Arzt über Husten nach Erkältung: „Lungenentzündung kann dahinterstecken“

Nicht immer ist anhaltender Husten nach einem Infekt harmlos, warnt Kardos: „Auch eine Lungenentzündung kann dahinterstecken. Wenn hohes Fieber besteht, sollten Betroffene zum Arzt gehen und sich mit Antibiotika behandeln lassen“, rät der Mediziner. Neben einer hohen Körpertemperatur gehören auch Husten mit Auswurf, Brustschmerzen und Atemnot zu den typischen Symptomen einer Lungenentzündung.

Die Pneumonie kann sich an eine verschleppte Erkältung oder Grippe anschließen – dann sind die Abwehrkräfte geschwächt, sodass sich Viren und Bakterien leichter in der Lunge vermehren können. Wer, wie ältere oder chronisch kranke Menschen, ohnehin ein geschwächtes Immunsystem hat, kann nach einem eigentlich harmlosen Infekt schneller eine Lungenentzündung entwickeln.

Allerdings äußert sich eine Lungenentzündung nicht immer durch die klassischen Symptome. Die atypische „kalte“ Lungenentzündung verläuft milder. Betroffene haben weder hohes Fieber noch ein starkes Krankheitsgefühl. Kommt es aber zu starkem, trockenem Husten in Verbindung mit Kopf- und Gliederschmerzen oder Atemnot, sollte ein Arzt zurate gezogen werden.

Lesen Sie auch

Arzt: Bei diesem Symptom sollten Betroffene sofort zum Arzt gehen

Auch wenn der Husten nicht durch andere Symptome begleitet wird, ist mitunter eine ärztliche Untersuchung notwendig: „Wenn jemand über acht Wochen hustet, muss man auf jeden Fall zum Arzt gehen“, sagt Kardos. Nach zwei Monaten gilt der Husten als chronisch. In seltenen Fällen kann eine ernste Erkrankung der Auslöser sein: „Bei Lungenkrebs fängt der Husten irgendwann an und verschwindet nicht wieder, weil nicht die Erkältung dafür verantwortlich ist“, so der Experte. „Bei Blut im Auswurf sollten Betroffene sofort zum Arzt gehen. Auch eine Lungenembolie könnte dahinterstecken.“

Entwarnung gibt der Mediziner für Fälle mit leichten Symptomen: „Wenn man kein Blut spuckt, kein hohes Fieber hat und nicht extrem kurzatmig ist, dann kann man ruhig abwarten und den Apotheker zurate ziehen, um Medikamente zur Besserung des Hustens zu bekommen“, empfiehlt Kardos.

So eignen sich Hustenstiller bei trockenem Husten, während Schleimlöser bei zusätzlichem Auswurf für Linderung sorgen. Nützlich können auch Hausmittel sein: Tee mit Anis oder Fenchel, viel stilles Wasser, Honig und warme Brustwickel wirken reizlindernd und schleimlösend.   

Dieser Artikel erschien erstmals im Oktober 2025.