15 Spiele ohne Sieg: Dieser St. Pauli-Profi macht Hoffnung

FC St. Pauli Erst patzt St. Pauli – aber der „Mann mit dem X-Faktor“ trotzt dem Negativ-Rekord Vorlagengeber Arkadiusz Pyrka (l.) und Torschütze Abdoulie Ceesay bejubeln das 2:2. Wi...

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15 Spiele ohne Sieg: Dieser St. Pauli-Profi macht Hoffnung

FC St. Pauli

Erst patzt St. Pauli – aber der „Mann mit dem X-Faktor“ trotzt dem Negativ-Rekord

Vorlagengeber Arkadiusz Pyrka (l.) und Torschütze Abdoulie Ceesay bejubeln das 2:2.
Witters

St. Pauli ist nach dem 2:2 bei Arminia Bielefeld seit 15 Punktspielen sieglos, zeigt nach zweifachem Rückstand aber großartige Moral und kann sich auf einen Knipser verlassen. 

Es gibt immer mindestens zwei Lesarten, zwei Seiten einer Medaille. Man kann dem FC St. Pauli vorrechnen, dass er durch das 2:2 (1:1) bei Arminia Bielefeld seit nunmehr 15 Punktspielen sieglos ist, dass das ein neuer vereinseigener Minusrekord ist und es sonst keine Truppe in 1. und 2. Liga gibt, der Vergleichbares widerfuhr. Das ist legitim, aber irgendwie auch ignorant. Denn wer so lange kein Spiel mehr gewonnen hat, verdient auch Anerkennung dafür, vor 26.750 Fans auf der Alm zweimal einen Rückstand egalisiert zu haben.

„Es war ein leistungsgerechtes Unentschieden, wir müssen mit dem Zähler zufrieden sein“, resümierte Trainer Marcel Rapp nach der Partie und brachte das, was (mal wieder) im Weg stand, mit folgenden Worten auf den Punkt: „Wir fangen natürlich bescheiden an in beiden Halbzeiten und laufen zweimal einem Rückstand hinterher.“ Und zwar abermals nach persönlichen Unzulänglichkeiten, die sich seit Vorbereitungsbeginn durch die braun-weiße Geschichte ziehen.

St. Pauli-Kapitän Nemeth patzt beim 0:1 schwer

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Diesmal war es zunächst David Nemeth, der beim 0:1 durch Jannik Rochelt (13.) folgenschwer schlecht verteidigte. Ein langer Abschlag von Arminia-Keeper Jonas Kersken reichte aus, um die komplette Dreierkette der Gäste schachmatt zu setzen. St. Paulis patzender Kapitän verpasste schließlich den richtigen Moment, Rochelts Laufweg zu verhindern, und ließ sich zudem viel zu einfach abschütteln. „Naiv würde ich nicht sagen, aber David kann das besser verteidigen“, urteilte Rapp.

Marcus Mathisen und Joel Grodowski kämpfen in Bielefeld um den Ball.
Marcus Mathisen (l.) kann Bielefelds Joel Grodowski hier nicht stoppen.
WITTERS

Es war nach gutem Start der Gäste der erste Moment überhaupt, an dem sich Bielefeld im Hamburger Strafraum gezeigt hatte. Das kann eine instabile, seit Ende Februar sieglose Truppe völlig aus dem Gleichgewicht bringen. Oder man macht es anders, vor allem in Person von Nemeth. Der eroberte nämlich die Kugel im Arminia-Aufbau und spielte einen maßgenauen Ball in den Lauf von Taichi Hara, der frei vor Kersken cool blieb und zum 1:1 traf (20.).

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Taichi Hara sorgt für schnellen St. Pauli-Ausgleich

Eben jener Hara stand dann kurz nach Wiederbeginn erneut im Blickpunkt. Wieder vor demselben Tor, was allerdings schlecht war, denn zur Pause waren natürlich die Seiten gewechselt worden. Der Japaner wollte eine Freistoßflanke der Hausherren klären, köpfte das Spielgerät aber zentral vors Gehäuse, wo Joel Grodowski lauerte, abzog und mit einem von Mathias Rasmussen abgefälschten Schuss zur erneuten Führung traf (51.).

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Connor Metcalfe, David Nemeth und Eric Smith in Bielefeld
Connor Metcalfe, David Nemeth und Eric Smith (v.l.) in Bielefeld
Witters

Wieder so ein möglicher K.o.-Moment. Zumal St. Pauli ansonsten im Grunde überhaupt nichts zuließ. „Wenn ich jetzt das ganze Spiel betrachte, habe ich nicht so viele Chancen gesehen von Arminia Bielefeld“, befand Rapp. Man könne nicht sagen, dass grundsätzlich schlecht verteidigt worden sei. „Aber wir bekommen halt zwei Tore. Und das muss besser werden.“

Abdoulie Ceesay rettet per Traumtor einen Punkt

Denn so wahnsinnig häufig wird der Kiezklub nicht mehr in der Lage sein, so große Moral zu zeigen wie an diesem Freitagabend, und mit einem Ding der Marke Traumtor noch das 2:2 zu machen. Nach einem Doppelpass mit Rasmussen brachte Arkadiusz Pyrka den Ball wuchtig und flach auf den ersten Pfosten, wo der zur Pause eingewechselte Abdoulie Ceesay mit der Hacke zur Stelle war (65.). „Er hat sicher diesen X-Faktor“, sagte Rasmussen über den Knipser. „Diese kleinen Dinge, die nicht so viele Spieler riechen – da ist er da und riecht es. Er kommt rein und schießt das Tor für uns. Er muss einfach so weitermachen.“

Das ist ein Brett. Und trotzdem glaube ich, sind wir in der Lage, Wolfsburg zu schlagen.

Marcel Rapp

Der Norweger störte sich natürlich auch an den Gegentreffern („Das darf so nicht passieren“), die größere Baustelle aber sah er woanders. „Der Punkt, an dem wir arbeiten müssen, ist, mehr klare Torchancen zu kreieren, wenn wir in Ballbesitz sind“, kritisierte Rasmussen. „Wir müssen versuchen, schnell größere Chancen herauszuspielen.“ Auch und vor allem, weil es intern halt stimme. „Wir haben eine starke Moral“, sagte er und dachte an das 1:2 gegen Kaiserslautern zurück: „Auch zu Hause, vergangene Woche, lagen wir mit zwei Toren zurück und haben dann versucht, noch mal zu kommen. Das zeigt, dass wir da sind. Wir müssen nur noch klarer werden mit den Chancen und wirklich auch treffen, wenn wir diese guten Phasen haben. Ich denke, das wird kommen.“

Smith zieht Hoffnung aus St. Paulis Vergangenheit

Am nächsten Samstag böte es sich beispielsweise an. „Das ist ein Brett. Und trotzdem glaube ich, sind wir in der Lage, Wolfsburg zu schlagen“, erklärte Marcel Rapp und fand dabei Unterstützung durch Eric Smith.

„Wir haben uns gegenüber der letzten Woche noch einmal verbessert“, analysierte der Schwede und bemühte die Vergangenheit: „Ich erinnere mich, dass ich hier stand vor drei Jahren, als wir sechs Unentschieden in Folge hatten. Damals sagte ich, es würde einen Effekt geben, wenn wir dieses letzte bisschen finden.“ So sei es aktuell ebenfalls, so Smith, denn: „Wenn wir so spielen wie in Bielefeld, haben wir eine sehr hohe Chance, Fußballspiele zu gewinnen.“