Ertrinken ist oft lautlos: Erkennen Sie die Anzeichen und handeln Sie richtig

Ertrinkende schreien nicht immer und fuchteln wild mit den Armen - das sogenannte „stille Ertrinken“ verläuft beinahe entgegengesetzt. Wir erläutern Ihnen, wie Sie es dennoch wahrnehmen und deuten können.

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Ertrinken ist oft lautlos: Erkennen Sie die Anzeichen und handeln Sie richtig

Stand: 19.07.2026, 08:20 Uhr

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Ertrinkende schreien nicht immer und fuchteln wild mit den Armen – das sogenannte „stille Ertrinken“ verläuft beinahe entgegengesetzt. Wir erläutern Ihnen, wie Sie es dennoch wahrnehmen und deuten können.

Wer seine Fähigkeiten überschätzt, kann schnell in eine Situation geraten, in der stilles Ertrinken eine ernste Gefahr darstellt. Ob durch Erschöpfung, eine unerwartete Strömung oder plötzliche Panik – Menschen in einer Notsituation im Wasser können sich oft nicht bemerkbar machen.

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Ein Experte der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) erklärte gegenüber dem Spiegel: „In der Regel ertrinkt man leise“. Seinen Angaben zufolge stellt das „stille Ertrinken“ sogar die häufigste Form des Ertrinkungsunfalls dar. Die DLRG rät daher, nach Möglichkeit nur in überwachten Gewässern zu baden.

Menschen in Badebekleidung stehen knie- bis hüfttief in einem sonnenbeschienenen Badesee.

Stilles Ertrinken: Gefahr besteht auch in Badeseen. © IMAGO/Christian Ender

Die DLRG unterteilt das Ertrinken in zwei Kategorien, die beide als „stilles Ertrinken“ bezeichnet werden könnten, da die Betroffenen in der Regel nicht um Hilfe rufen können. So sehen diese jeweils aus.

Stilles Ertrinken: Notfall im Wasser mit Abwehrreaktion

Ein sogenannter Ertrinkungsnotfall mit Abwehrreaktion ereignet sich meistens durch Überraschung oder Erschöpfung in Verbindung mit einsetzender Panik. Häufig sind untrainierte Schwimmer und Schwimmerinnen, Nichtschwimmer und Nichtschwimmerinnen sowie generell Kinder und jüngere Männer betroffen, wobei es laut DLRG bei Letzteren meist durch Neugier und Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten geschieht.

Wichtig zu wissen: Selbst bei dieser Form des Ertrinkens rufen die Betroffenen meist nicht um Hilfe, da ihre gesamte Kraft in den Überlebenskampf fließt. Frank Pia, ein bekannter Rettungsschwimmer, der umfassend zum Thema Wasserrettung publiziert hat, nennt diese lautlose Reaktion „Instinctive Drowning Response“. Instinktiv verwenden Ertrinkende ihre Energie ausschließlich darauf, sich über der Wasseroberfläche zu halten. Armbewegungen und lautes Schreien erfordern sehr viel Kraft und Atem.

Das Ertrinken vollzieht sich in fünf Phasen:

  1. Abwehrphase: Ertrinkende schlagen mit den Armen auf die Wasseroberfläche, um den Mund über Wasser zu halten (nicht bei Kleinkindern), und wehren sich panisch gegen das Untergehen. Die Folge ist das Einatmen von Wasser.
  2. Reflektorischer Atemstillstand: Durch das eingeatmete Wasser wird ein Schutzreflex ausgelöst, der das Eindringen weiteren Wassers in die Lunge verhindert – gleichzeitig wird jedoch kein Sauerstoff mehr aufgenommen. Die Folge ist Bewusstlosigkeit aufgrund von Sauerstoffmangel, und die Person sinkt unter.
  3. Dieser Schutzreflex lässt aufgrund des Sauerstoffmangels nach. Die Folge ist, dass größere Mengen Wasser in die Lungen gelangen.
  4. Muskelkrämpfe im ganzen Körper treten aufgrund des Sauerstoffmangels auf.
  5. Letzte flache Atemzüge (sogenannte finale Schnappatmung) setzen ein, gefolgt von endgültigem Atem- und Kreislaufstillstand. Ohne rasche Rettung verstirbt die Person.

Wichtig: Die Abwehrphase (Phase eins) dauert oft nur 20 bis 60 Sekunden. Danach geht die Person unter!

Stilles Ertrinken ohne Abwehrreaktion

Das Ausbleiben einer Abwehrreaktion bedeutet in diesem Fall, dass die ertrinkende Person unverzüglich untergeht. Dies geschieht innerhalb von zehn bis 20 Sekunden, beispielsweise durch Bewusstlosigkeit oder allgemeine Krämpfe.

Meist ist die Ursache für das Untergehen eine spezielle körperliche Reaktion, etwa durch eine plötzlich auftretende Erkrankung. Möglicherweise wäre dieselbe Reaktion auch außerhalb des Wassers tödlich. Wird die Person jedoch schnell aus dem Wasser geborgen und einem Sauerstoffmangel vorgebeugt, ist ihre Rettung oft noch möglich.

Diese Art von Unfall betrifft vor allem Schwimmer und Schwimmerinnen und insbesondere ältere Menschen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Stilles Ertrinken erkennen: 10 konkrete Anzeichen

Der Rettungsschwimmer Mario Vittone beschreibt auf seinem Blog, wie Ertrinken nach seinen langjährigen Beobachtungen für Außenstehende meist tatsächlich aussieht:

  1. Der Kopf befindet sich tief im Wasser, der Mund auf Höhe der Wasseroberfläche.
  2. Der Kopf ist mit geöffnetem Mund nach hinten geneigt.
  3. Die Augen wirken glasig und leer, unfähig zu fokussieren.
  4. Alternativ sind die Augen geschlossen.
  5. Haare liegen über Stirn oder Augen und werden nicht weggewischt.
  6. Die Beine werden nicht zum Schwimmen benutzt – sie hängen vertikal im Wasser.
  7. Die Person hyperventiliert oder keucht.
  8. Die Person versucht, in eine bestimmte Richtung zu schwimmen, kommt aber nicht voran.
  9. Die Person versucht, sich auf den Rücken zu drehen.
  10. Die Person scheint eine unsichtbare Leiter zu erklimmen.

Was tun, wenn Sie bemerken, dass jemand ertrinkt?

Auch wenn Ihre Absichten die besten sind – springen Sie niemals unüberlegt ins Wasser! Ertrinkende Menschen können auch für diejenigen gefährlich werden, die versuchen, sie zu retten. In ihrer Todesangst klammern sie sich an alles und jeden und versuchen so, sich über Wasser zu halten. Dabei drücken sie die helfende Person nach unten und unter Wasser. Falls Sie wirklich selbst ins Wasser gehen müssen, um die Person zu retten, nähern Sie sich ihr ausschließlich von hinten. So können Sie sie festhalten, ohne dass sie Sie greifen kann.

Doch nicht nur die ertrinkende Person kann bei einem Rettungsversuch eine Gefahr darstellen: Überprüfen Sie zuerst den Wellengang und die Strömungen. Sind diese stark oder unvorhersehbar, sollten Sie besser nicht ins Wasser gehen. Noch besser ist es, der Person etwas Schwimmfähiges zuzuwerfen. Rettungsringe sind speziell für diesen Zweck vorgesehen, aber auch eine Luftmatratze kann der Person Halt geben und sie vor dem Untergehen bewahren.