„Es war unerträglich für mich“: Schüler mit schweren Vorwürfen nach Gas-Vorfall an Frankfurter Schule

Nach dem Vorfall mit stinkenden Gasen klagt ein Schüler: Ein Lehrer habe Symptome wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen heruntergespielt, die Schulleitung zu spät gehandelt.

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„Es war unerträglich für mich“: Schüler mit schweren Vorwürfen nach Gas-Vorfall an Frankfurter Schule

Stand: 30.09.2026, 20:00 Uhr

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Viele Feuerwehrfahrzeuge versammelten sich rund um die Anni-Albers-Schule in der Hamburger Allee.

Viele Feuerwehrfahrzeuge versammelten sich rund um die Anni-Albers-Schule in der Hamburger Allee. Glücklicherweise kam es nicht zum Akkubrand. © 5Vision.News

Nach dem Vorfall mit stinkenden Gasen klagt ein Schüler: Ein Lehrer habe Symptome wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen heruntergespielt, die Schulleitung zu spät gehandelt.

Frankfurt – Am Dienstag (29. September) ist die Anni-Albers-Schule in Frankfurt am Standort Hamburger Allee evakuiert worden – jedoch viel zu spät, sagt ein Schüler dieser Redaktion. Die Schulleitung hat eine ganz andere Wahrnehmung des Vorfalls. Was genau war also los?

Schon morgens hat es im Schulgebäude übel gerochen, bestätigt der stellvertretende Schulleiter Jürgen Beyer. Im Keller wurde die Ursache schnell gefunden: Akkus der Notstromversorgung hatten sich stark erhitzt und Gase abgegeben. Vertreter der Fachfirma, die die Anlage betreut, trennten die Akkus daher vom Strom. Allerdings hatte sich die „Geruchsbelästigung“, wie Beyer beschreibt, schon in der Eingangshalle und im Treppenhaus verteilt.

„Wir haben das alle als Belästigung empfunden“, berichtet er. Jedoch bewerteten die Lehrkräfte es nicht als schlimm genug, um den Schultag vorzeitig zu beenden. Da zudem alle Klassenräume mit Brandschutztüren ausgestattet seien, die nichts durchlassen sollten, und die Akkus vom Strom genommen waren, habe das Schulleitungsteam entschieden, den Unterricht wie geplant fortzuführen – zumal kurz vor den Herbstferien auch einige Klausuren anstanden.

Schüler beschwert sich über den Umgang der Schulleitung mit Gas-Vorfall

Ganz anders klingt es in der Schilderung eines Schülers der 12. Klasse der Anni-Albers-Schule, der die Weiterführung des Unterrichts „fahrlässig“ findet. Vor allem in den Treppenhäusern und Fluren im ersten und zweiten Stock habe es beißend nach geschmolzenem Plastik gestunken, als er gegen 9.45 Uhr zur dritten Stunde ankam, berichtet er. In einem Gang habe er dann beobachtet, wie sich eine Schülerin übergeben musste. „Eine Lehrerin hat sich um sie gekümmert“, berichtet er. Anschließend ging es für ihn in den Physikunterricht. Im Unterrichtsraum habe es weniger stark gestunken, doch durch das geöffnete Fenster sei der Geruch „wellenweise immer wieder reingeweht“.

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Mehrere Schülerinnen und Schüler sollen sich unwohl gefühlt haben – die Rede ist von starken Kopfschmerzen und Übelkeit bei mindestens sieben jungen Menschen allein in dieser Klasse. Doch der Lehrer soll die Beschwerden „heruntergespielt“ haben, so der Vorwurf. Der Schüler, der diese Redaktion kontaktierte, berichtet, dass er sich wegen des Gestanks in den Toilettenräumen übergeben und das Gebäude dann verlassen habe. „In der Schule selbst war es unerträglich für mich“, berichtet er. Er habe sich im Sekretariat abgemeldet, „im Lehrerzimmer war niemand auffindbar“.

Etwa eine halbe Stunde nach dem Verlassen der Schule seien die Übelkeit und Kopfschmerzen abgeklungen. In der Zwischenzeit rief der Schüler allerdings selbst die Feuerwehr. Die war schlussendlich mit rund 70 Einsatzkräften und 30 Fahrzeugen vor Ort und pustete nach einer Prüfung der Lage die Schule ordentlich durch. An der Stelle, an der die Luft aus dem Gebäude kam, wurde Wassernebel eingesetzt, um die möglichen Schadstoffe direkt herabzusprühen. Die Schule wurde nach einer erneuten Prüfung am Mittwochmorgen um 9 Uhr wieder freigegeben, am Donnerstag soll der Unterricht regulär weitergehen.

Wie bei jedem größeren Einsatz waren am Dienstag auch Rettungswagen vor Ort, doch laut Feuerwehr und Schulleitung wurde vor Ort niemand behandelt oder gar in ein Krankenhaus gebracht. Vom Anrücken der Feuerwehr war die Schulleitung selbst überrascht, berichtet Beyer. Am Vormittag habe man sich noch telefonisch mit der Feuerwehr ausgetauscht, aber die Ursache des Gestanks als erledigt angesehen. Als am frühen Nachmittag plötzlich immer mehr Feuerwehr anrückte, habe das Leitungsteam beschlossen, den Schultag zu beenden und das Gebäude zu evakuieren.

Der Schüler der 12. Klasse ist zwar froh, dass alles glimpflich ausging, aber empört über den Ablauf am Vormittag. „Man spielt mit der Gesundheit und dem Vertrauen der Schüler, nur um den Präsenzunterricht auf Ach und Krach fortzuführen“, wirft er der Schulleitung vor. „Die Schule muss Stellung beziehen, warum die Situation so gehandhabt wurde.“

Schüler rief selbst die Feuerwehr – Schulleitung bekam von Symptomen nichts mit

Dazu sagt der stellvertretende Schulleiter Jürgen Beyer: „Wir mussten [am Vormittag, Anm. d. Red.] eine Entscheidung treffen und dachten, wenn die Ursache behoben ist, wird die Geruchsbelastung zurückgehen.“ Er selbst habe den Gestank nicht als besonders schlimm wahrgenommen, aber „dass nicht jeder das gleiche Empfinden hat, ist natürlich klar“. Von Gesundheitsbeschwerden habe er nichts mitbekommen. „Wenn ein Schüler zu uns gekommen wäre und vom Übergeben berichtet hätte, hätten wir das anders in Angriff genommen.“ So sei das Leitungsteam am Vormittag in Absprache mit der Fachfirma davon ausgegangen, dass der Schaden behoben oder zumindest im Griff sei. Allerdings lässt sich der chemische Prozess in einem solchen Akku nicht einfach stoppen, erklärt die Feuerwehr – das kennt man etwa von Akkus aus E-Scootern oder den Bränden von E-Autos.

„Wenn eine Lehrkraft informiert war, dass sich jemand übergeben hat, dann ist das definitiv etwas, was weitergemeldet hätte werden müssen. Dann hätten wir definitiv einen Notruf abgesetzt.“ Allerdings sei diese Information auch von den Schülern selbst weder über das Sekretariat, über die Klassenlehrer noch persönlich an die Schulleitung herangetragen worden.

Nach den Herbstferien steht ohnehin eine Gesamtkonferenz aller Lehrkräfte an, berichtet Beyer. Zu diesen Konferenzen seien immer auch die Schülervertreter eingeladen. Dann soll besprochen werden, wieso es bei der Kommunikation offensichtlich gehakt hat. Nun stehen aber erst einmal die zwei letzten regulären Schultage vor den Herbstferien an – hoffentlich ohne Feuerwehreinsatz. Denn erst im Februar waren zahlreiche Einsatzkräfte angerückt, da das Dach eines Gebäudeteils an der Hamburger Allee einsturzgefährdet war.