Eskalation bei Protest in Göttingen: Kritik am Einsatz der Polizei

Bei einem Protest gegen Abtreibungsgegner in Göttingen sprühte die Polizei Pfefferspray ein. Eine Bürgerinitiative wirft den Beamten nun vor, die Waffe bereits griffbereit gehalten zu haben.

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Eskalation bei Protest in Göttingen: Kritik am Einsatz der Polizei

Stand: 22.08.2026, 16:29 Uhr

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Die Polizei stoppt Teile des Gegenprotest nach Ende der Versammlung auf dem Papendiek, kurz darauf setzte die Polizei Pfefferspray ein

Die Polizei stoppt Teile des Gegenprotests nach Ende der Versammlung auf dem Papendiek in Göttingen. Kurz darauf setzte die Polizei Pfefferspray ein. Jetzt gibt es Kritik am Einsatz der Beamten, der von der Polizeiinspektion zurückgewiesen wird. © Hendrik Bammel

Bei einem Protest gegen Abtreibungsgegner in Göttingen sprühte die Polizei Pfefferspray ein. Eine Initiative wirft den Beamten nun vor, das Spray bereits griffbereit gehalten zu haben.

Göttingen – Mit einem „Öffentlichen Rosenkranz gegen Abtreibung“ trat die umstrittene Deutsche Gesellschaft für Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) am Samstag, 15. August, in Göttingen auf. Dagegen formierte sich Protest, der eskalierte. Dabei wurden durch Reizgas zwölf Beamte verletzt. Inzwischen ist klar: Sie konnten ihren Dienst nach Behandlung noch vor Ort in der Innenstadt beziehungsweise auf der Dienststelle fortsetzen.

Nun gibt es massive Kritik am Vorgehen der Beamten durch die Göttinger Initiative „Bürger beobachten Polizei und Justiz“. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück. Zu der Eskalation kam es, als die Abtreibungsgegner ihre Aktion auf dem Markt bereits beendet hatten und zu ihren Fahrzeugen gehen wollten – wir berichteten. Dabei versuchten laut Polizei Teilnehmer des Gegenprotests, zu den Teilnehmern der Versammlung vorzudringen.

Kritik am Einsatz von Pfefferspray

Insbesondere wird von der Initiative der Einsatz des Pfeffersprays kritisiert. Fotos eines Journalisten belegen laut Initiative, dass Beamte bereits während der Versammlung auf dem Marktplatz Pfefferspray­dosen „griffbereit“ in der Hand hielten. „Bei Pfefferspray handelt es sich um eine sehr schmerzhafte und hoch­riskante Waffe, die insbesondere bei Vorerkrankungen sowie in Verbindung mit Drogen oder Psychopharmaka schwerwiegende und im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben kann“, heißt es von der Initiative.

In Göttingen werde Pfefferspray seit 2016 im Kontext von Versammlungen (fast) nicht mehr eingesetzt, so die Initiative. In dem Jahr war laut „Bürger beobachten Polizei und Justiz“ die damalige niedersächsische SPD-Landtags­abgeordnete Gabriele Andretta bei einer Demonstration von Pfefferspray getroffen worden. Deshalb fordert die Gruppe eine strikte Beschränkung des Pfefferspray-Einsatzes. Es dürfe unter anderem nur eingesetzt werden, wenn „weniger gewalttätige Mittel versagt haben und sicher aussichtslos waren“ sowie „wenn die Gefahrenlage tatsächlich erkennbar so hoch ist, dass Pfefferspray dazu dient, den Schusswaffengebrauch zu vermeiden“.

Außerdem hat die Initiative die Darstellung der Polizei nicht nachvollziehen können, dass von Teilnehmern des Gegenprotests versucht worden sei, eine Polizeikette zu durchbrechen.

„Seitens der Polizei kam es zu aggressivem Anschreien und Schlägen unter anderem auf Kopfhöhe und zu gezielten Stößen. Auch gegenseitiges Anschreien sowie Beschwichti­gungs­gesten sind zu sehen“, heißt es von Seiten der Initiative zu den Ereignissen nach der Kundgebung der Abtreibungsgegner. „Es kam zu einem mehrmaligen Pfeffer­sprayeinsatz, wobei der heftigste Strahl zu einem Zeitpunkt versprüht wurde, als die Gegen­demonstration bereits zum Stehen gekommen war und mehrere Personen am Boden knieten und hinter einem Transparent Schutz suchten.“

Polizei weist Vorwürfe mit Entschiedenheit zurück

Die Polizei weist die Vorwürfe der Initiative mit aller Entschiedenheit zurück. „Der Einsatz von Pfefferspray war erforderlich, um ein Durchbrechen der Polizeikette zu verhindern und die Trennung der beiden Lager aufrecht zu erhalten. Andernfalls wäre es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Teilnehmenden des Gegenprotestes und den abwandernden Abtreibungsgegnern gekommen“, heißt es von der Polizeiinspektion Göttingen auf Anfrage dieser Zeitung. Und weiter: „Die vorherige Anwendung unmittelbaren Zwangs durch die Polizeikräfte war nicht ausreichend, um die anhaltenden Durchbruchsversuche zu unterbinden.“

Der Umstand, dass Beamte von Pfefferspray getroffen worden sind, ist laut Polizei auf „die dynamische Situation der andauernden Fortbewegung und die räumliche Enge“ zurückzuführen.

Grundsätzlich dürfe die Polizei zunächst einmal einen „friedlichen Verlauf einer Versammlung erwarten und orientiert sich an diesem Grundsatz“ auch bei den Maßnahmen, die sie trifft. „Diese können niederschwellig sein – etwa verkehrsregelnde Aufgaben – aber auch der Lage angepasst, etwa bei Angriffen auf Einsatzkräfte oder sonstige Dritte, heißt es von der Polizeiinspektion.

Polizei verweist auf ihre Aufgaben

Aufgabe der Polizei ist es laut Inspektion, die „Ausübung der Versammlungsfreiheit zu gewährleisten und den Teilnehmenden eine friedliche, sichere Grundrechtsausübung zu ermöglichen“. 

„Voraussetzung für einen konfliktfreien Verlauf ist, dass die Bereitschaft zur Kooperation mit der Polizei besteht und der Versammlungsablauf – auch bei einem spontanen Protest – vor Ort abgestimmt werden kann“, heißt es von der Polizei. Zu diesem Zweck werden laut Polizeiinspektion beispielsweise beschränkende Verfügungen an Versammlungsteilnehmende erteilt, etwa die Einhaltung eines bestimmten Abstandes oder die Zuweisung einer Versammlungsörtlichkeit. „Kommt es jedoch aus einer Versammlung heraus dazu, dass Einsatzkräfte, die eine räumliche Trennung der beiden Lager gewährleisten, körperlich angegangen werden, kann es zur Anwendung von Zwangsmitteln kommen, um die Maßnahme aufrecht zu erhalten“, heißt es abschließend von der Polizei.