Europa Open Air am Main lockt mehr als 10.000 Menschen an
StartseiteFrankfurtStand: 20.08.2026, 23:50 UhrKommentareUns auf Google folgenMehr als 10.000 Menschen lauschen dem HR-Sinfonieorchester beim diesjährigen Europa Open Air am Main. © Rolf OeserHR-Sinfonieorchest...
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Stand: 20.08.2026, 23:50 Uhr
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HR-Sinfonieorchester und Bigband spielen kostenlos an der Weseler Werft. Manche Gäste kommen bereits um 14 Uhr, um einen Platz zu ergattern.
Die Menschen haben es am Donnerstagnachmittag eilig. Denn die Plätze sind begrenzt und äußerst begehrt. Schon um kurz vor vier strömen aus allen Richtungen im Frankfurter Stadtteil Ostend Hunderte zur Weseler Werft am nördlichen Mainufer. Einige von ihnen sind mit Rucksäcken und Picknickdecken ausgestattet, andere mit Kühlboxen und Campingstühlen. Sie alle wollen live beim Europa Open Air dabei sein, zu dem das HR-Sinfonieorchester und die Europäische Zentralbank (EZB) in diesem Sommer bereits zum neunten Mal an den Main einladen.

Der kostenlose Konzertabend beginnt zwar erst um 18 Uhr mit dem Auftritt der HR-Bigband. Doch aus Sicherheitsgründen gilt für das Veranstaltungsgelände eine maximale Obergrenze von 10.000 Personen und damit noch 2.000 weniger als in den Jahren zuvor. Da muss man schnell sein – oder sich mit der Rolle des Zaungastes vom gegenüberliegenden Ufer, der Flößerbrücke oder vom Wasser aus begnügen.
Einen Platz im abgesperrten Areal auf einer der Bierbänke ganz vorn in der Mitte hat Gabriela ergattert. Die 62-Jährige aus dem Örtchen Dalheim in Rheinhessen ist schon um 14 Uhr hierher gekommen, um die beste Sicht hinter dem VIP-Bereich direkt vor der Bühne zu haben. „Ich finde es großartig, dass Kultur hier allen kostenlos zugänglich gemacht wird“, sagt sie. „Das Programm ist immer toll“, fügt ihre Freundin Brigitte aus Darmstadt an, die ihr gegenübersitzt.
Davor stehen noch mehrere Rollstuhlfahrer:innen. Einer von ihnen ist der 56-jährige Gunter Büchel, der von seinem Ehemann Stefan Richter begleitet wird. „Das Kopfsteinpflaster ist schon ein Hindernis“, meint dieser. „Da hätte ich mir für die Rollstuhlfahrer einen ausgelegten Teppich als Untergrund gewünscht.“ Dennoch sind sich beide einig, dass sich die Anstrengung gelohnt hat. „Die Akustik ist draußen zwar gar nicht so toll, dafür aber die Stimmung umso besser“, sagt Gunter.
Extra aus dem Wetteraukreis angereist
Außerhalb des abgesperrten Bereichs sitzt eine Frau auf einer Picknickdecke und mit reichlich Essen auf dem Gehweg direkt am Main. Sabine Rudolph ist mit ihren Nachbarn und einem Kollegen da und verbindet musikalischen mit kulinarischem Genuss. „Klassische Musik ist eigentlich nicht so meins, aber in Kombination mit der Atmosphäre hier ist es einfach toll“, sagt die 60‑Jährige, die extra für diesen Abend aus Ranstadt im Wetteraukreis angereist ist.
Unter die Besucher:innen haben sich auch einige Familien gemischt. Die jungen Eltern Jürgen und Tess sind mit ihrer zweijährigen Tochter Jessica gekommen. „Wir sind hier mehr oder weniger zufällig reingeraten“, erzählt Jürgen, während er die staunende Jessica auf dem Arm trägt. Sie wollen aber auf jeden Fall so lange bleiben, wie es das Töchterchen durchhält.
Und das könnte länger als erwartet sein, denn auch das Wetter lädt zum Verweilen ein. Nachdem es am Abend zuvor noch heftig gewittert hat, scheint jetzt die Sonne, und mit 24 Grad ist die Temperatur angenehm warm. Kein Wunder also, dass schon gegen 17.30 Uhr nahezu alle Plätze restlos vergeben sind. Deshalb kommt die HR-Bigband unter der Leitung von Jörg Achim Keller auch pünktlich auf die Bühne und stimmt das Publikum zusammen mit dem US-amerikanischen Sänger Kurt Elling ein, der mit seiner markanten Baritonstimme als einer der besten männlichen Jazzvokalisten der Gegenwart gilt. Und das stellt er innerhalb der nächsten Stunde eindrucksvoll unter Beweis.
Auch vom Wasser aus hören Menschen zu
Inzwischen ist auch die andere Mainseite am Sachsenhäuser Ufer komplett überfüllt. Vom Wasser aus hören Menschen aus Kajaks, Sportbooten oder von Ausflugsschiffen aus zu. Einige Personen sind sogar mit Stand-up-Paddle-Boards unterwegs. Sie tragen Lampen auf dem Kopf, damit sie nach Einbruch der Dunkelheit nicht von der Wasserschutzpolizei vertrieben werden.
Um kurz vor acht begrüßt dann HR3-Moderator Tobi Kämmerer das HR-Sinfonieorchester, das von Alain Altinoglu dirigiert wird und in diesem Jahr unter dem Motto „Celebrating Europe“ spielt. Mit dem „Marche Hongroise“ (Ungarischer Marsch) von Hector Berlioz und der „Rhapsodie España“ des französischen Komponisten Emmanuel Chabrier legen sie los, während hinter der Bühne langsam die Sonne untergeht. Danach hat der Solist des Abends seinen Auftritt: Der französische Akkordeonvirtuose Richard Galliano spielt sein 1994 selbst komponiertes Konzert „Opale Concerto“. Anschließend gibt es ersten überschwänglichen Beifall.
Die folgenden Darbietungen sind eingängig. Von Peter Tschaikowskys farbenprächtiger Orchesterfantasie „Capriccio italien“ über Astor Piazzollas Meisterwerke des Tango Nuevo „Libertango“ und „Oblivion“ bis hin zu drei Stücken aus Edvard Griegs berühmten Peer-Gynt-Suiten ist für jeden Geschmack etwas dabei. Den Abschluss des Konzerts bildet nach knapp zwei Stunden George Gershwins „An American in Paris“. Es folgen stehende Ovationen, wofür das Publikum noch zwei Zugaben vom Orchester erhält.
„Es war ein wunderschöner Abend“, sagt eine junge Frau in einer der hinteren Reihen und lehnt ihren Kopf an die Schulter ihres Begleiters. „Ich freue mich jetzt schon wieder auf nächstes Jahr.“