Wenn die Profis mal länger brauchen: wie man mit enfachen Tricks schnell selbst helfen kann
Die Vorführung kann beginnen: Wasser wurde gestaut, auf dem Boden davor stehen senkrecht zwei Holzplanken, die von ein paar Sandsäcken festgehalten werden - und daneben ein gespanntes Publikum. Dann zieht ein T...
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Die Vorführung kann beginnen: Wasser wurde gestaut, auf dem Boden davor stehen senkrecht zwei Holzplanken, die von ein paar Sandsäcken festgehalten werden - und daneben ein gespanntes Publikum. Dann zieht ein THWler den Sicherungsstift aus der Klappe, die das Wasser staut. Es ergießen sich mehrere hundert Liter Wasser auf dem Boden. Doch weit fließt es nicht, denn die Konstruktion hält das meiste Wasser auf.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind beeindruckt. "Ich dachte, für so was braucht man ein paar 100 Sandsäcke", sagt eine ältere Dame. Nein, braucht es nicht. "Die Konstruktion ist so aufgebaut, dass wenige Sandsäcke reichen", erklärt Markus Eichorn vom THW Euskirchen. "Denn bei Druck stabilisiert sich die Konstruktion von selbst."
Beim Feuerlöschen zählt Übung statt Theorie
Bei dem Aktionstag in Euskirchen geht es darum, Tricks und Tipps für den Notfall mitzugeben. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen - und zur Nachbarschaftshilfe. An einer weiteren Station geht es um die richtige Bedienung des Feuerlöschers. Viele haben einen zuhause, aber wirklich Erfahrung damit haben die meisten Besucherinnen und Besucher nicht. "Theoretisch weiß man das ja", sagt ein älterer Herr, "Aber wenn man ihn dann wirklich braucht, kommt man ins Nachdenken."
Die ersten Helfer wohnen nebenan
"Wenn wir oder die Feuerwehr mal länger brauchen, sind die Nachbarn die ersten, die einem helfen können." Markus Wollschläger, THW Euskirchen
Genau das sei der zentrale Gedanke des Aktionstages, sagt Markus Wollschläger. Und gerade dann sei es wichtig, dass "man das Schwarmwissen sammelt und das zusammenbringt."
Beim Sicherungskasten wissen viele nicht weiter
Mit einem Schal mal eben 80 Kilo heben
Und noch eine andere Botschaft ist heute von zentraler Bedeutung: Schnelle Hilfe ist oft kein Hexenwerk. Das gilt auch an einer Station, bei der aus einem einfachen Schal ein Tragering wird, mit dem auch schwächere oder kleinere Personen zu zweit ohne Mühe eine 80 Kilogramm schwere Puppe tragen können.
Wichtig vor allem, um ältere oder gebehinderte Menschen schnell aus einer Gefahrenzone zu bringen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe", sagt eine etwas zierliche Frau, die kaum glauben kann, was sie da gerade geschafft hat.
Die Flut hat gezeigt, wie wichtig Selbsthilfe ist
Solche Aha-Effekte gibt es heute auf dem THW-Gelände in Euskirchen immer wieder. Und wer weiß, wozu dieses Wissen am Ende gut ist. Die Rettungsdienste sind statistisch gesehen zwar schnell, manchmal sehr schnell. Aber gerade in so Lagen, wie die Flut vor fünf Jahren, zeigt sich, dass das nicht immer so ist.
Und so entstand auch die Idee für den Aktionstag zur Selbst- und Nachbarschaftshilfe, bei dem die Malteser, das DRK und die DLRG mit unterstützt haben. Denn damals waren viele Menschen zum Teil tagelang auf sich alleine gestellt, weil die Retter nicht an die Einsatzstellen kamen.