Explosion und vermisste Schüler: Großübung am Landschulheim mit Missverständnis

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Explosion und vermisste Schüler: Großübung am Landschulheim mit Missverständnis

Stand: 10.10.2026, 12:00 Uhr

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Lagebesprechung: Rund 80 Einsatzkräfte der Berger Feuerwehren und des BRK Wolfratshausen waren an der Übung beteiligt.

Lagebesprechung: Rund 80 Einsatzkräfte der Berger Feuerwehren und des BRK Wolfratshausen waren an der Übung beteiligt. © Feuerwehr

Hilfeschreie, Rauch und Sirenengeheul am Landschulheim Kempfenhausen: Was am Donnerstagabend wie ein dramatischer Einsatz wirkte, war eine anspruchsvolle Großübung. Das Fazit fällt positiv aus – trotz eines Missverständnisses, für das sich die Feuerwehr entschuldigt.

Kempfenhausen – Eine unklare Gefahrenlage. Vermisste Schüler. Eine Explosion und dichter Rauch im Gebäude. Die Rahmenbedingungen waren anspruchsvoll und realitätsnah bei der Großübung der fünf Berger Feuerwehren und der BRK-Bereitschaft Wolfratshausen. Und der Ort war ein besonderer: Christian Ebert, Kommandant der Feuerwehr Kempfenhausen, hatte mitbekommen, dass ein Gebäude des Landschulheims vor dem Abriss steht (siehe Infobox). Das Internat spielte mit und stellte die ideale Trainingsumgebung zur Verfügung.

Rund 80 Einsatzkräfte der Wehren Kempfenhausen, Allmannshausen, Höhenrain, Bachhausen und Berg sowie des BRK waren an der Übung beteiligt. Dazu kamen die Brandopfer: Diese mimten Schüler und Jugendfeuerwehrkräfte. Die Retter fanden gleich mehrere Brandherde vor, im Inneren war das Gebäude stark verraucht. Mehrere Personen hatten sich teilweise schwer verletzt auf Balkone und einen Dachvorsprung geflüchtet und riefen um Hilfe. Andere hatten sich beim Sprung vom Balkon verletzt und lagen vor dem im Landschulheim als „Bienenstock“ bekannten Haus. Zusätzlich wurden mehrere Vermisste im Gebäude gemeldet.

Verrauchtes Gebäude, viele Verletzte: Das Szenario für die übenden Feuerwehrleute war anspruchsvoll.

Verrauchtes Gebäude, viele Verletzte: Das Szenario für die übenden Feuerwehrleute war anspruchsvoll. © Feuerwehr

„Die unterschiedlichen Szenarien erforderten eine enge Abstimmung zwischen den eingesetzten Feuerwehren und den Kräften des BRK Wolfratshausen“, schreibt die Feuerwehr Kempfenhausen in ihrem Bericht. „Die parallele Bearbeitung der Einsatzabschnitte machte deutlich, wie wichtig eine klare Aufgabenverteilung, eine funktionierende Kommunikation und das koordinierte Zusammenwirken aller Beteiligten sind.“ Vorbereitung, klare Strukturen und gegenseitiges Vertrauen seien entscheidend.

Künstlicher Nebel, der dazu führte, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte, und ein sehr unübersichtlicher Grundriss erschwerten das Vorgehen der Trupps. Bei der Rettung von bis zu 80 Kilo schweren Dummies ohne Sicht mussten die Atemschutzgeräteträger ihr ganzes Können und alle Kraftreserven mobilisieren. Bei der Rettung einer bewusstlosen Person von einem witterungsbedingt sehr rutschigen Vordach kam die neue Drehleiter der Feuerwehr Berg zum Tragen.

Frau will Kind helfen: Sie dachte an echten Einsatz

Bevor die Übung, die mit dem Alarm um 18.45 Uhr begonnen hatte, gegen 21 Uhr in der Dunkelheit endete, mussten die Einsatzkräfte noch Namenslisten der Schüler(-Darsteller) abgleichen. Es durfte schließlich niemand fehlen. Und dies war auch nicht der Fall, das trainierte Szenario wurde erfolgreich gemeistert. Übungsleiter Christian Ebert bedankte sich im Anschluss bei allen Teilnehmenden: „Ihr habt einen tollen Job gemacht.“ Auch der Direktor des Landschulheims Kempfenhausen, Tomas Raidt, zeigte sich beeindruckt von der Professionalität und dem reibungslosen Zusammenspiel der beteiligten Kräfte.

Nur ein etwas unglücklicher Umstand trübte das Geschehen etwas: Die Mutter eines Schülers kam laut Bericht der Feuerwehr Kempfenhausen von der Straße ins Einsatzgeschehen. Sie wollte einem Kind helfen, da ihr nicht bewusst war, dass es sich um eine Übung handelte. „Wir entschuldigen uns für dieses Missverständnis“, schreibt die Wehr.

Das neue Schüler-Wohnhaus auf dem Gelände des Landschulheims – hier als Visualisierung – soll 14 Millionen Euro kosten.

Das neue Schüler-Wohnhaus auf dem Gelände des Landschulheims – hier als Visualisierung – soll 14 Millionen Euro kosten. © privat

Neues Schüler-Wohngebäude ab 2028

Die großangelegte Übung für die Berger Feuerwehren wurde möglich, weil das Landschulheim Kempfenhausen seinen zum Abriss vorgesehenen „Bienenstock“ zur Verfügung stellte. Das ist das Gebäude, in dem viele Jahre die Internatsschüler untergebracht waren. Dieser Altbau soll durch einen Neubau ersetzt werden. Wie Schulleiter Tomas Raidt mitteilt, sollen darin rund 60 Internatsschülerinnen und -schüler Platz finden. Sie wohnen in Zweierzimmern mit Nasszelle. Für das Landschulheim ist der Neubau wichtig: „Damit bekommen die Internatsschüler ein eigenständiges Gebäude auf dem Campus und müssen nicht mehr in den verschiedenen Schulgebäuden untergebracht werden“, sagt Raidt. Vor dem langgestreckten, dreigeschossigen Gebäude soll zudem eine Freifläche für die Freizeitgestaltung der Kempfenhauser Schüler entstehen. Derzeit geht Raidt davon aus, dass das neue Haus mit dem Schuljahr 2028/29 bezugsfertig ist. Zuletzt war von 14 Millionen Euro Kosten die Rede, die der Träger, der Zweckverband Bayerische Landschulheime, investiert. Derzeit hat das Landschulheim rund 700 Schüler, davon sind rund 50 Interne.