Elmshorner Horrorhaus: Mieter leben ohne Strom und mit Pool voller Fäkalien
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Schlesiwig-Holstein
Fäkalien im Keller und kein Strom: Skandal um dieses Horrorhaus bei Hamburg
Verstopfte Leitungen, ein Swimmingpool voller Fäkalien und ein unerreichbarer Vermieter. Die Chronologie des Horrorhauses in Elmshorn.
Überall Wasser. Fäkalien an Decken und Böden. Schimmel an Wänden. Seit Tagen kein Strom und kein warmes Wasser. Das Ekel-Haus in der Friedensallee 28 in Elmshorn sprengt jede Vorstellungskraft. Die Chronologie eines Skandals.
Das Mietshaus an der Friedensallee in Elmshorn: 1966 errichtet. 35 Wohneinheiten. Das Dachgeschoss wurde nachträglich oben draufgesetzt. Das Gebäude ist ein bisschen in die Jahre gekommen, aber von außen deutet am Montag, 24. August, nichts auf den Horror hin, der sich hinter der Eingangstür verbirgt.
Montag, 24. August: Ein Mieter schlägt gegen 18 Uhr Alarm. Es gibt massiven Wasseraustritt im Bereich des Kellers. Aus den offenen Decken rieselt das Wasser auch auf die Stromzählerkästen. Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Stadtwerke rücken an. Die Situation ist gefährlich. Auf Veranlassung der Feuerwehr wird der Strom im gesamten Gebäude abgestellt.
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Das Ausmaß des Wasserschadens wird an diesem Montagabend schnell deutlich. Im Gang zu den Kellerräumen der Mieter steht das Wasser zentimeterhoch auf dem Boden.
Ungenutzter Swimmingpool voller Fäkalien
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Erst am Dienstag, 25. August, wird der eigentliche Horror in diesem Haus deutlich. Mieter Karsten Klein zeigt unserem Reporter den schon seit Jahren nicht mehr genutzten Swimmingpool auf der anderen Seite des Kellers. Da schwappt eine stinkende und eklige Fäkalienbrühe. Das Abwasser aus den Toiletten hat sich über Wochen angesammelt. „Wir ersticken an unserer eigenen Scheiße“, findet Klein drastische Worte. Der 48-Jährige hatte die Hausverwaltung schon lange über die katastrophalen Zustände informiert. Es habe niemand reagiert.
Das Wasser ist pechschwarz. Es steht in mehreren Kellerräumen. Kinderspielzeug schwimmt in der Fäkaliensuppe. Tote und lebende Insekten sind überall sichtbar.
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Abwasserprobleme, explodierte Toiletten und Schimmel
In dem Mietshaus sind laut Klein die Rohre verstopft. Das Abwasser kann nicht mehr abfließen. In einer leerstehenden Wohnung soll eine Toilette regelrecht explodiert sein. An einer Wand im ersten Geschoss kleben Fäkalien.
Auch Schimmel ist in dem Gebäude laut Klein zu einem massiven Problem geworden. Der Mieter kennt dieses Haus wie seine Westentasche. Sechs Jahre hat er hier als Hausmeister gearbeitet.
Mieter fühlen sich im Stich gelassen – Reinigungsarbeiten dauern an
Kein Strom und kein warmes Wasser und null Informationen. Wie lange wird dieser unhaltbare Zustand andauern? Mieter verlassen das Horrorhaus und kommen bei Verwandten unter. Die Stadt stellt Ersatzwohnungen für drei Familien zur Verfügung. Das Gebäude wird quasi teilevakuiert. Hier wohnen viele Menschen mit Migrationshintergrund. Einige verstehen überhaupt nicht, was passiert.
Karsten Klein, Quinn Schultz und Zülfikar Yurt harren in dem Mietshaus ohne Strom und warmes Wasser aus. Sie hatten auf mehr Unterstützung der Behörden gehofft. Viele Mieter fühlen sich im Stich gelassen, sind verzweifelt. Aber inzwischen auch wütend, dass sie unter diesen Bedingungen leben müssen.
Mittwochmorgen, 26. August: Nur wenige Stunden nachdem die „SHZ“ die Zustände in dem Horrorhaus öffentlich gemacht hat, rückt eine Rohrreinigungsfirma aus Kiel an. Die Fäkalienbrühe aus dem Keller des Mietshauses an der Friedensallee 28 wird abgepumpt. 40 Kubikmeter stinkendes Abwasser werden entsorgt.
Die Reinigungsarbeiten sind an einem Tag gar nicht zu bewältigen. Auch am Donnerstag, 27. August, ist die Firma vor Ort.
Wer kann, verlässt das Haus ohne Strom und warmes Wasser. Mieter Ömer Faruk Trippan geht mit seiner Familie, mit seinem kleinen Baby zu seinem Cousin.
Mieter ohne Strom und warmes Wasser
Die Rohrverstopfungen werden ab Donnerstag, 27. August, angegangen. Dafür wird eine leerstehende Wohnung geöffnet. Der Gestank ist bestialisch. Der Kot klebt millimeterdick auf dem Fußboden.
Mit Schutzanzug und Atemmaske schützt sich ein Mitarbeiter der Rohrreinigungsfirma in dem Elmshorner Ekelhaus. Inzwischen sind auch ein Elektriker und eine Sanitärfirma vor Ort. Laut Klein hat die Hausverwaltung nach den gewaltigen Protesten reagiert und die Handwerker in das Horrorhaus geschickt.
Seit vier Tagen ohne Strom und warmes Wasser. Viele Mieter harren weiter in dem Gebäude aus. Die Stadt Elmshorn versucht seit Tagen persönlichen Kontakt zum Eigentümer zu bekommen. Bisher vergeblich. Es soll sich um eine luxemburgische Gesellschaft handeln.
Mieter Karsten Klein kümmert sich um die Hausgemeinschaft. Seine Familie hat er längst aus dem Horrorhaus evakuiert und bei Freunden untergebracht. Er bleibt vor Ort. Er ist der Kümmerer für diese Hausgemeinschaft der Abgehängten und Vergessenen. „Das ist ein Horrorhaus“, sagt Klein. Auch er will hier weg, hier raus mit seiner Familie. Die psychische Belastung war für den 48-Jährigen in den vergangenen Tagen enorm.
Stadt prüft, ob das Haus unbewohnbar ist
Freitagmorgen, 8.30 Uhr: Es ist still in dem Haus. Der Strom ist weiter aus. Die Stadt Elmshorn prüft, ob sie das Haus für unbewohnbar erklärt. Dann müssen alle Mieter raus. Wohnen? Aus Sicht vieler Mieter kann man in diesem Haus schon lange nicht mehr von wohnen sprechen.
12.35 Uhr am Freitagmorgen: Zwei Mieter aus dem Ekelhaus informieren die Stadträte Marius Munk, Michael Leeske und Oberbürgermeister Erik Sachse über die aktuelle Wohnsituation. Die Stadt will den Menschen helfen und möchte noch mehr Ersatzwohnungen zur Verfügung stellen. (Dieser Artikel erschien zuerst auf Shz.de)
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