Fake News und Jagdhysterie: Hessischer Kinofilm „Bärenjagen“ zeigt satirische Parabel auf unsere Zeit

Hunger und ein Kopfgeld auf den letzten Bären treiben ein hessisches Dorf im 19. Jahrhundert in die Jagdhysterie. Der Kinofilm „Bärenjagen“ von Regisseur Peter Meister erzählt davon mit bitterer Komik.

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Fake News und Jagdhysterie: Hessischer Kinofilm „Bärenjagen“ zeigt satirische Parabel auf unsere Zeit

Stand: 14.08.2026, 19:00 Uhr

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Schauspieler David Scheid, Christopher Schärf und Aenne Schwarz vor historischer Kulisse im Hessenpark.

Schauspieler David Scheid, Christopher Schärf und Aenne Schwarz vor historischer Kulisse im Hessenpark. © Jana Kay/Frisbeefilms

Hunger und ein Kopfgeld auf den letzten Bären treiben ein hessisches Dorf im 19. Jahrhundert in die Jagdhysterie. Der Kinofilm „Bärenjagen“ von Regisseur Peter Meister erzählt davon mit bitterer Komik.

Neu-Anspach – Hessen im Jahr 1834: „Skurril, wild und nicht so, wie ihr es erwartet.“ So teaserte Regisseur Peter Meister am Dienstag, 11. August, seinen Kinofilm „Bärenjagen“ vor rund 800 Zuschauern im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach (Hochtaunuskreis) an – zur Open-Air-Preview in der Filmreihe „Kinosommer Hessen“, organisiert vom Film- und Kinobüro Hessen. Damit kehrte die 90-minütige Tragikomödie an den Ort zurück, an dem sie entstanden ist. Der Film wurde im Frühjahr 2025 größtenteils im Hessenpark gedreht. Am 14. Januar 2027 erscheint er in den deutschen Kinos.

„Bärenjagen“ spielt im frühen 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der Hunger, politische Spannungen und soziale Not den Alltag prägen und eine Revolution in der Luft liegt. In dieser aufgeladenen Stimmung verliebt sich Heinrich in Minna, die Frau seines Bruders Gustav. Minna will dem Elend entfliehen und mit Gustav nach Amerika auswandern, doch dafür fehlt das Geld. Als der Major der Landesgendarmerie einen ungeklärten Mord kurzerhand dem letzten deutschen Bären anlastet und ein hohes Kopfgeld aussetzt, bricht eine regelrechte Jagdhysterie aus: Die Dorfbewohner ziehen los, um das Tier zu erlegen – koste es, was es wolle. Not und Gier legen dabei die dunkelsten Seiten der Dorfgemeinschaft offen, während der Bär selbst ein mysteriöses Phantom bleibt.

Kinofilm „Bärenjagen“ feiert Preview am Drehort Hessenpark

Peter Meister, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, beschreibt seinen Film als Parabel auf zentrale Probleme der heutigen Zeit. Insbesondere „die voranschreitende Verunsicherung durch Fake News und das Kreieren äußerer Feindbilder, um von inneren Problemen abzulenken“. Der Filmemacher findet dabei eine feine Balance zwischen bizarrer Komik und traurigem Ernst. Die Kritiker sind begeistert von dieser „rabenschwarzen Historien-Tragikomödie“.

Besetzung

David Scheid, Bernhard Schütz, Aenne Schwarz, Pheline Roggan, Christopher Schärf, Hannes Linder, Maximilian Brauer, Wolfram Koch, Mathias Renneisen, Anna Böger

Dass „Bärenjagen“ im vorletzten Jahrhundert spielt, stand zu Beginn des Schreibprozesses jedoch nicht fest. Meister verortete seine Geschichte zunächst in der Gegenwart, wie er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau verrät. Erst, als er mit seiner Familie im Hessenpark zu Besuch war, kam ihm die Idee, die Handlung in die Vergangenheit zu setzen. So hatte Meister den Hessenpark beim Umschreiben als Kulisse mitgedacht.

Freilichtmuseum verhandelt ernste Themen

Und einen großen Vorteil bringt der historische Kontext insbesondere dramaturgisch mit sich: „Es ging mir darum, die Zeitlosigkeit dieser Probleme aufzuzeigen“, sagt Meister. Im historischen Kostüm könne man dem Zuschauer diese besser vor Augen führen. Dass die Zeiten früher eben nicht besser gewesen sind, es heute nicht sind, und vermutlich auch in Zukunft nicht sein werden.

Diesen Ansatz vertritt auch der Hessenpark selbst – und macht das Museumsdorf gerade deswegen zur optimalen Filmkulisse für Meisters Arbeit. „Manchmal kokettiere ich damit, dass es unsere Hauptaufgabe ist, den Menschen zu erklären, dass es die vermeintlich gute alte Zeit nicht gegeben hat“, sagt Museumsleiter Jens Scheller. Er bemerkt immer wieder, so sagt er, dass Menschen „mit einem verklärten Blick“ in das Freilichtmuseum kommen und ein „Dorf-Idyll“ sehen wollen. „Da haben wir dann einiges zu erklären.“

Wolfram Koch in „Bärenjagen“.

Wolfram Koch in „Bärenjagen“. © Jana Kay/Frisbeefilms

Das Museum verhandelt durchaus „sehr ernste Themen“. Erst im April eröffnete die neue Dauerausstellung „Transport ins Ungewisse – menschliche Fracht“. Ort der Präsentation ist ein historischer Güterwagen, der als eindringliches Ausstellungsobjekt in der Baugruppe Mittelhessen den thematischen Zugang zur Geschichte von Transport, Zwang und Entrechtung eröffnet.

Hessenpark wird zur Filmkulisse

Aber zurück zum „Bärenjagen“: Dass Regisseur Peter Meister die Drehgenehmigung vom Hessenpark erteilt bekam, war nicht selbstverständlich. „Wir sind sehr wählerisch“, sagt Jens Scheller. Dennoch war schnell klar, dass das Projekt ins „Beuteschema“ des Hessenparks passte, wie der langjährige Museumsleiter es bezeichnet. Das Skript habe überzeugt und auch das Setting im frühen 19. Jahrhundert lasse sich im Freilichtmuseum gut umsetzen. Hinzu kam, dass Mitglieder der Filmcrew dem Hessenpark schon bekannt waren – vom Tatort-Dreh zu „Murot und das 1000-jährige Reich“ (2024), in dem Ulrich Tukur in seinem 13. Fall als LKA-Mann Felix Murot ermittelte.

Regisseur und Drehbuchautor Peter Meister bei Filmaufnahmen zu „Bärenjagen“ im Hessenpark.

Regisseur und Drehbuchautor Peter Meister bei Filmaufnahmen zu „Bärenjagen“ im Hessenpark. © Jana Kay/Frisbeefilms

Damals wie heute haben Absprachen zwischen Filmcrew und Museum „super funktioniert“, auch Regisseur Peter Meister spricht von einem „richtig schönen Dreh“. Der 39-jährige Filmemacher, der in Bensheim aufwuchs und heute in Mainz lebt, genoss die Arbeit in der Heimat sehr, wie er erzählt. Szenen in Bärenjagen wurden teils in den Häusern des Hessenparks gedreht. Um die historische Genauigkeit zu gewährleisten, stand das Museumsteam beratend zur Seite.

Aufnahmen auch in Rheinland-Pfalz

Kleine Räume in Originalmotiven nehme Meister beim Drehen gerne in Kauf, sagt er. So könne sich eine Figur innerhalb der vier Wände halbwegs frei bewegen. Zuschauer, die den Hessenpark kennen, werden die Häuser im Dorf und einzelne Räume wiedererkennen. Der Film fängt ihre Atmosphäre hervorragend ein (Kamera: Florian Mag). Szenen im Wald, in denen große Teile der Handlung spielen, entstanden auch im benachbarten Rheinland-Pfalz. Von insgesamt 21 Drehtagen fanden laut der Filmförderung Hessen Film & Medien 18 in Hessen statt.

Generell musste beim Dreh auf das Budget geachtet werden. Große finanzielle Mittel, wie sie historischen Filmen oftmals zur Verfügung stehen, hatte Meister nicht. Die Frisbeefilms-Produktion, die in Zusammenarbeit mit dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel entstand, wurde von Hessen Film & Medien, nordmedia, Medienförderung Rheinland-Pfalz sowie dem Deutschen Filmförderfonds unterstützt.

Figuren auf der Suche nach Veränderung

So bleiben große, spektakuläre Effekte aus, werden beim Zuschauen aber nicht vermisst. Im Zentrum stehen die Figuren mit ihren Sorgen und Nöten. Sie alle sind auf der Suche nach Veränderung, nach einem besseren Leben. „Dieses Gefühl, das hat wahrscheinlich fast jeder“, sagt Meister. Er mag die Universalität an dem Motiv. Er habe Gefallen daran, „Sachen zu transportieren, mit denen man sich identifizieren kann“. In „Bärenjagen“ wird das überaus passend vom Fernweh-Hit „Teneriffa“ der aus Mainz stammenden Folk-Band „The Düsseldorf Düsterboys“ unterstrichen.

Mit dem Drang nach Veränderung und dem Traum von einem neuen Leben stattete Meister schon die Figuren in seinem Spielfilmdebüt „Das schwarze Quadrat“ (2021) aus. Es werden weiterhin Themen in Meisters Arbeit sein. In welchem Kontext, verrät der hessische Filmemacher aber noch nicht.