FC Bayern: Welche Ursachen die neurologischen Ausfälle von Jamal Musiala haben können

Der Zusammenbruch ereignete sich gleich zweimal binnen weniger Tage. Nachdem er im Spiel gegen RB Leipzig am 15. August zusammengesackt war, kollabierte Jamal Musiala am 18. August gegen den 1. FC Heidenheim er...

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FC Bayern: Welche Ursachen die neurologischen Ausfälle von Jamal Musiala haben können

Der Zusammenbruch ereignete sich gleich zweimal binnen weniger Tage. Nachdem er im Spiel gegen RB Leipzig am 15. August zusammengesackt war, kollabierte Jamal Musiala am 18. August gegen den 1. FC Heidenheim erneut. Wobei unklar ist, wie die Ausfälle des 23-jährigen Nationalspielers vom FC Bayern München am besten zu bezeichnen wären. Musiala selbst schrieb in einem Post auf Instagram von „Absencen“ und einer „neurologischen Dysfunktion“. Diese Begriffe klingen zwar nach medizinischer Fachterminologie, sind aber völlig unspezifisch und bedeuten lediglich so viel wie „kurzzeitige Abwesenheit“ und „neurologische Störung“. Ohne weitere medizinische Details verbieten sich daher Diagnosen und vorschnelle Zuschreibungen von Krankheiten.

Gut möglich, dass mit „Absence“ in diesem Fall ein allgemeiner Aussetzer gemeint ist, der den Zwischenfall laienverständlich erklären soll. Aus neurologischer Sicht handelt es sich um einen kurzzeitigen, wenige Sekunden andauernden Ausfall, bei dem auch temporär das Bewusstsein verloren geht. Die Betroffenen merken es meistens nicht, oder erst nach etwa drei Sekunden, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Eine geübte Geigerin trifft dann vielleicht den falschen Ton, ein Fußballprofi kann den einfachen Pass nicht mehr kontrolliert annehmen. Dauern die Aussetzer hingegen kürzer an, sind sie auch für Außenstehende nicht zu erkennen. Ärzte bezeichnen derartige Ausfälle zumeist als „idiopathisch“, was nach deutlich mehr Expertise klingt, als zugeben zu müssen, dass man die Ursache auch nicht kennt. Vermutlich gibt es eine starke genetische Veranlagung, wobei die genauen neurobiologischen Zusammenhänge unklar sind.

Musiala beim FC Bayern

:Der FC Bayern wusste schon länger Bescheid

Jamal Musiala macht eine „neurologische Dysfunktion“ öffentlich, nachdem er zum zweiten Mal binnen vier Tagen in einem Testspiel zu Boden sinkt. Seine Mannschaftskollegen wussten offensichtlich schon länger von der Erkrankung.

Handelt es sich um Absencen im neurologischen Sinne, beginnen die Ausfallserscheinungen normalerweise im Kindesalter, typischerweise in der Grundschulzeit, und verschwinden häufig wieder während der Pubertät. In Einzelfällen kommen solche Ereignisse aber auch im jungen Erwachsenenalter zurück und dann immer wieder gelegentlich vor. Sie können sich als kurzer starrer Blick äußern, aber auch zu stärkeren Einschränkungen führen. Zumeist lassen sich kindliche Absencen und auch spätere Ausfälle gut mit Medikamenten behandeln; wie immer entscheidet aber der Einzelfall und die jeweilige Ausprägung der Symptome über den mittel- und langfristigen Therapieerfolg.

Im menschlichen Gehirn gibt es etwa 86 Milliarden Nervenzellen, die sich ständig neu verbinden

Wie Musiala selbst schreibt, bestehe bei ihm trotz seiner wiederholten Ausfälle „kein darüber hinausgehendes gesundheitliches Risiko“, auch wenn er versteht, dass „die zuletzt vorgekommenen Momente scary“ wirken könnten, also verstörend oder erschreckend. Ansteckend oder für andere in unmittelbarer Form gefährlich sind seine Symptome selbstverständlich nicht.

Im menschlichen Gehirn gibt es etwa 86 Milliarden Nervenzellen. Jedes dieser Neuronen steht mit mehr als tausend anderen Nervenzellen in Verbindung. An diesen Schnittstellen, den Synapsen, kann es zu Fehlverbindungen und Kurzschlüssen kommen, die aber von anderen Neuronen und Gehirnarealen zumeist gut kompensiert und deshalb gar nicht bemerkt werden.

Da sich das Gehirn in Kindheit und Pubertät permanent entwickelt, wächst und neue Verbindungen bildet und sich dieser Prozess erst im Alter von etwa 25 Jahren verlangsamt, gilt das Nervensystem in dieser Phase als besonders empfindlich. Doch auch bei Erwachsenen bilden sich bis ins hohe Alter – je nach Beanspruchung und geistiger Regsamkeit – ständig neue Verknüpfungen und Neuronenverbände, etwa wenn man eine neue Sprache lernt.

Über weitere medizinische Details und Diagnosen kann sich nur Musiala selbst oder gegebenenfalls sein Verein äußern. Ähnliches gilt für seine weitere Karriereplanung. Er selbst betont auf Instagram, dass er „in enger Abstimmung und in regelmäßigem Austausch mit den Experten“ sich auch in nächster Zeit dem widmen möchte, was ihm „bei der Genesung am meisten hilft“: weiterhin Fußball zu spielen.