Fest verwurzelt

Mit der Kommunalwahl wurden nicht nur die Karten im Stadtparlament, sondern auch in den Ortsbeiräten neu gemischt. Vier sind es in Friedrichsdorf, gleich in dreien gab es einen Wechsel an der Spitze. In einer kleinen Serie stellen wir die vier Ortsvorsteher vor. Im letzten Teil sind wir heute bei Heinz Reinhardt (FWG) zu Besuch. Seit 2005 ist er nun schon Ortsvorsteher in Burgholzhausen.

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Fest verwurzelt

Stand: 02.09.2026, 22:17 Uhr

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Trotz der Herausforderung in Zeiten der Trockenheit genießt Heinz Reinhardt auch diesen Sommer die Landwirtschaft auf seinem Reinhardtshof mit angeschlossenem Hofladen samt Direktvermarktung der dort erzeugten landwirtschaftlichen Erzeugnisse.

Trotz der Herausforderung in Zeiten der Trockenheit genießt Heinz Reinhardt (FWG) auch diesen Sommer die Landwirtschaft auf seinem Reinhardtshof – mit angeschlossenem Hofladen samt Direktvermarktung der dort erzeugten landwirtschaftlichen Erzeugnisse. © map

Mit der Kommunalwahl wurden nicht nur die Karten im Stadtparlament, sondern auch in den Ortsbeiräten neu gemischt. Vier sind es in Friedrichsdorf, gleich in dreien gab es einen Wechsel an der Spitze. In einer kleinen Serie stellen wir die vier Ortsvorsteher vor. Im letzten Teil sind wir heute bei Heinz Reinhardt (FWG) zu Besuch. Seit 2005 ist er nun schon Ortsvorsteher in Burgholzhausen.

Burgholzhausen – Als Lokalpolitiker blickt man ziemlich oft auf Zahlen. Zum einen stehen diese in allen Details im städtischen Haushalt. Aber natürlich sind da auch die Prozentzahlen, in denen sich das jeweilige Wahlergebnis manifestiert.

Beim neuen und alten Ortsvorsteher Heinz Reinhardt (FWG) sind das die 1121 Stimmen, die er Mitte März bei der Ortsbeiratswahl nach Kumulieren und Panaschieren aller abgegebenen Kreuzchen auf sich vereinen konnte. Burgholzhausen blieb zwar mit einem Ergebnis von 35,42 Prozent Hochburg der FWG. Dennoch musste die Wählergemeinschaft im Vergleich zu 2021 (42,74 Prozent) deutliche Verluste einstecken und die FWG verlor obendrein auch noch einen Sitz im Ortsbeirat. Bei eigener Enthaltung wurde Reinhardt von den anderen sechs Mitgliedern des neuen Burgholzhäuser Ortsbeirates einstimmig als Ortsvorsteher wiedergewählt.

Zu Beginn des Sommergesprächs mit unserer Zeitung, zu dem uns der Landwirt auf seinem Reinhardtshof empfängt, überrascht er uns mit einem besonderen Zahlenspiel. „Die 63 hat für mich in diesem Jahr eine doppelte Bedeutung. Mein Geburtsjahr ist 1963 und demnach bin ich in diesem Jahr auch 63 Jahre alt“, sagt Reinhardt, der Burgholzhausen wie kein anderer Lokalpolitiker in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat.

Als seine Eltern Anfang der 1950er-Jahre geheiratet haben – Mutter Ottilie und Vater Hans wuchsen bereits in kleinen Höfen inmitten des Ortes auf –, gab es weder in der damaligen Hauptstraße noch in der Rodheimer Straße Platz für eine Vergrößerung der Höfe.

„Man muss wissen, dass es selbst im Jahre 1960 in Burgholzhausen immerhin noch 50 haupterwerblich betriebene Bauernhöfe gab“, so Reinhardt. „Jeder Bauernhof hatte eine kleine Betriebsgröße. Selbst nach Zusammenlegung beider Betriebe waren das bei meinen Eltern gerade einmal 14 oder 15 Hektar.“

Seine Eltern hielten Hühner und Milchkühe und verkauften noch am alten Standort im Ort Eier und Milch im Direktvertrieb. Das Aufwachsen in der Landwirtschaft war für den Ortsvorsteher Selbstverständlichkeit und zugleich Erfüllung. Es gab immer etwas zu tun, bei dem er mit anpacken und helfen konnte. Vor allem die Tiere hatten es ihm angetan.

Dann bauten seine Eltern den Aussiedlerhof, wo die Familie Reinhardt bis heute den weithin – bis nach Frankfurt und die Wetterau – bekannten Hofladen mit Direktvermarktung der eigenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse betreibt. Die Nachbarn und Kunden aus dem Ort kamen auch zum Aussiedlerhof, um dort einzukaufen.

Als sein Vater früh im Jahre 1975 verstorben war, begann er seine Ausbildung auf einem Milchbetrieb. „Natürlich sollte und wollte ich den elterlichen Betrieb mit Milchwirtschaft übernehmen. Doch als Anfang der 1980er-Jahre die EU mit Milchkontingenten, den sogenannten Milchseen, entgegenwirkte, war mit unseren 15 Milchkühen kein wirtschaftlicher Betrieb mehr möglich und wir stellten das Betriebskonzept um.“

1984 heiratete Heinz Reinhardt seine Frau Verona. Schon bald machte er den Meister als Landwirt, Verona wurde Hauswirtschaftsmeisterin. Die Reinhardts kauften fünf Bullenkälber. Neben den Schweinen waren 30 bis 40 Rinder auf dem Hof. Im Jahre 1982 begannen die Jungbauern mit der Hausschlachtung, 30 Tiere pro Jahr.

Die Kunden kauften damals noch halbe Tiere. Doch zunehmend verkauften Reinhardts das Fleisch in kleineren Portionen und die daraus erzeugte hausgemachte Wurst. Heute wird wegen der zunehmend strengen EU-Auflagen so gut wie nicht mehr selbst geschlachtet, sondern die auf dem Reinhardtshof aufgewachsenen Schweine werden in Münzenberg (Wetteraukreis) geschlachtet.

Mitte der 1980er-Jahre wagte Familie Reinhardt einen weiteren mutigen und seinerzeit ungewöhnlichen Schritt mit dem Aufbau einer Himbeer-Kultur. Johannisbeeren und Erdbeeren folgten. In der damaligen Zeit war Burgholzhausen tatsächlich noch eine Obstanbau-Gemeinde, in der Mirabellen, Kirschen und Äpfel verkauft wurden. Doch mit der Direktvermarktung und dem Selberpflücken von Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren betraten die Reinhardts Neuland.

„Der Grundgedanke, unsere landwirtschaftlichen Erzeugnisse selbst im Hofladen und über die Marke ‚Landmarkt‘ über Rewe direkt zu vermarkten, ist bis heute geblieben“, sagt der Ortsvorsteher. Tochter Marianne hat mittlerweile den Hofladen und die Selbstvermarktung übernommen.

„Zum Obstanbau, der Schweine- und Hühnerhaltung, betreiben wir noch klassischen Ackerbau mit dem Anbau von Wintergerste, Winterweizen, Winterraps sowie Kartoffeln (3 Hektar), Ackerbohnen (8 Hektar) und Zuckerrüben (7 Hektar)“, sagt Heinz Reinhardt, der im Jahr 1982 Mitglied der FWG wurde und nunmehr in der sechsten Legislaturperiode im Ortsbeirat wirkt – seit 2005 als Ortsvorsteher.