Meinung: Finance Briefing: Christian Lindner steigt bei Limetax ein, Deutsche Bank, Wero, UniCredit
Das nächste Fintech-Investment des früheren Finanzministers. Ein Private-Equity-Job für den Ex-Deutsche-Bank-CFO und ein weiterer Einstieg der UniCredit bei einem Finanzunternehmen in Frankfurt. Das und vieles mehr in unserem wöchentlichen Newsletter „Finance Briefing“.
- 4 min read
Das nächste Fintech-Investment des früheren Finanzministers. Ein Private-Equity-Job für den Ex-Deutsche-Bank-CFO und ein weiterer Einstieg der UniCredit bei einem Finanzunternehmen in Frankfurt. Das und vieles mehr in unserem wöchentlichen Newsletter „Finance Briefing“.
09.09.2026, 07.00 Uhr
Liebe Leserin, lieber Leser,
seit Monaten gibt es ein Wort, das viele in der Investorenszene geradezu elektrisiert: Roll-up. Insbesondere in Deutschland erleben diese Investmentmodelle einen Boom, wie mein Kollege Caspar Schlenk neulich schon ausführlich dargestellt hat. Die Idee: Mit viel Private Equity oder Venture Capital bestehende Firmen aus wenig technisierten Branchen aufkaufen, per KI fit machen – und die neuen Mittelständler-Konglomerate dann gewinnbringend weiterverkaufen. Etliche Player haben es dabei auf Steuerberatungsbüros abgesehen – jetzt mit prominenter Unterstützung , wie unsere Topthemen zeigen:
Exklusive Recherche: Christian Lindner steigt beim Roll-up Limetax ein
Berliner App Bling baut ihr Geschäft aus
UniCredit kauft sich bei Frankfurter Fintech ein
Topstory: Das nächste Fintech-Investment des Ex-Finanzministers
In Aufkauflaune: Limetax-Gründer Christoph Gamon, Christoph Dansard und Maximilian Meyer (v. l.)
Foto: Pauline Bossdorf / Limetax
Als Firmensammler hat Christoph Gamon (31) bereits Erfahrung: Als einer der Köpfe hinter Razor hat der ehemalige Investmentbanker einst Amazon-Händler aufgekauft. Nun hat er es mit seinem neuen Unternehmen auf Deutschlands Steuerberater abgesehen. Wie meine Kollegin Hannah Schwär vorab erfahren hat, konnte er höchst prominente Investoren für sein Projekt gewinnen. Darunter: Christian Lindner (47). Neben seinem Hauptjob als Autohändler ist er inzwischen Fintech-Investor. Jetzt will der Ex-Bundesfinanzminister ausgerechnet Steuerkanzleien aufrollen. Wo er noch investiert ist (auch da hat Hannah Neuigkeiten), wie viel er bei Limetax einbringt und was die Truppe vorhat? Lest ihr alles hier.
Köpfe: Nils Feigenwinter ++ Verena Pausder ++ Jens Ohr ++ James von Moltke ++ Dario Schiraldi ++ Stefan Fromme
Prominenter Support: Investorin Verena Pausder steht hinter Bling
Foto: Christian Charisius / dpa
Nils Feigenwinter (26), Gründer der Taschengeld-App Bling, startet ein neues Projekt: Künftig sollen auch Schulen und Kitas das Bling-Konto verwenden können, etwa für die Mensa-Abrechnung oder eine digitale Klassenkasse. Supportet wird die Berliner Firma von ihrer Investorin Verena Pausder (47). Bislang verwenden 350.000 Jugendliche und Eltern die App.
Jens Ohr (48) sucht sich den nächsten Fintech-Gig. Er startet ein kostenloses Konto für Mietkautionen, die neue Firma verdient nur an der Zinsmarge. Zuvor hatte er mit seinen Mitstreitern Finanzen.net aufgebaut und an Axel Springer verkauft, das die Plattform später an ein Private-Equity-Unternehmen weiterreichte.
James von Moltke (57), über neun Jahre Finanzvorstand der Deutschen Bank, heuert bei der Private-Equity-Firma Warburg Pincus an. Offizielle Rolle: Senior Advisor und Executive in Residence. Also nicht ganz erste Reihe, aber vermutlich gut bezahlt.
Dario Schiraldi (51), ehemaliger Star der Deutschen Bank, hat sich mit seinem alten Arbeitgeber außergerichtlich geeinigt. Eigentlich hatte er im „Santorini“-Komplex 152 Millionen Euro Schadensersatz gefordert (dazu hier noch mal in aller Schönheit: die Recherche meiner Kollegin Katharina Slodczyk ). Nun kommt es nicht mehr zu dem Prozess, der ursprünglich am Donnerstag in Frankfurt hätte starten sollen.
Stefan Fromme (43), Co-Gründer und CEO der Private-Debt-Plattform VC Trade, hat einen neuen Gesellschafter. Die UniCredit steigt per Kapitalerhöhung ein. Sie hält künftig, wir haben extra im Handelsregister nachgeschaut, 5,7 Prozent – und damit weniger als die Co-Eigner Helaba, BayernLB, Raiffeisenbank International und Sparkasse Rhein-Nahe. Aber die UniCredit hat laut eigener Aussage die Option, später aufzustocken. Kennt man ja bei Übernahmen der Italiener in Frankfurt.
Zahl der Woche: 135.694
So viele Kryptomillionäre soll es laut einem neuen Report der Beratungsfirma Henley & Partners aktuell auf der Welt geben. 290 Personen haben demnach in ihren Wallets ein Vermögen im dreistelligen Millionenbereich angehäuft. Und 23 können sich sogar Kryptomilliardär nennen. Hier erklären wir euch die Details und Hintergründe zur Zählweise.
Margin Call: Barockperücken
Kampagne: Werbeplakat für Wero in Frankfurt
Foto: Katharina Slodczyk / manager magazin
Als meine Kollegin Katharina Slodczyk diese Woche in ihr Frankfurter Büro kam, lächelte sie von einem Plakat etwas gequält ein Goldtestimonial mit Barockperücke an, das für den digitalen Bezahldienst Wero wirbt. Sie hat uns ein Foto davon gleich nach Hamburg geschickt, verknüpft mit der Frage: Was soll mir das sagen? (Falls ihr Assoziationen habt, schreibt uns gern .) Bei uns löste es eine wilde Gedanken-Kaskade aus: Wero – Werbung – war da nicht schon mal was? Richtig: Im Frühsommer musste sich die Sparkassen-Finanzgruppe bei der Regionalregierung von Mallorca für ein Wero-Plakat mit dem Spruch „Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen“ entschuldigen. Das 30-Meter-Plakat hing auf Deutsch am Flughafen. Die Honoratioren der Insel hatten sich mit Las Vegas und den dortigen Auswüchsen gleichgesetzt gefühlt, von „kolonialer Misshandlung“ war die Rede. Gemessen daran scheint die Barockperücke harmlos.
Das war es für diese Woche. Wenn ihr Anregungen oder Recherchehinweise habt, meldet euch gern unter [email protected] . Und empfehlt uns gern Freunden und Freundinnen weiter – sie können den Newsletter hier abonnieren.
Viele Grüße
Euer Lukas Heiny