„Eine vegane Ernährung ist möglich, aber es ist eine tägliche Herausforderung“: Was eine Mäusestudie zeigt
wa.deWeltForscher ernährten Mäuse vegan – schon nach wenigen Tagen zeigten sich auffällige VeränderungenStand: 17.10.2026, 13:57 UhrKommentareUns auf Google folgenForscher stellten fest, dass Mäuse bei rein pfl...
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Forscher ernährten Mäuse vegan – schon nach wenigen Tagen zeigten sich auffällige Veränderungen
Stand: 17.10.2026, 13:57 Uhr
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Forscher stellten fest, dass Mäuse bei rein pflanzlicher Ernährung eine veränderte Leberfunktion entwickelten und weniger zu körperlicher Aktivität motiviert waren.
Vegane Ernährung ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Fachleute untersuchten jedoch die Auswirkungen einer rein pflanzlichen Ernährung bei Mäusen und stellten einen besorgniserregenden Effekt auf deren Leber fest. Forscher der Universität Genf in der Schweiz beobachteten, dass sich die Leberfunktion der Mäuse nach der Umstellung auf eine ausschließlich pflanzliche Ernährung innerhalb weniger Tage veränderte. Zugleich nahm ihre Motivation, sich körperlich zu betätigen, deutlich ab.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Die Studie wurde am 4. September online veröffentlicht und wird im November in der Fachzeitschrift Molecular Metabolism erscheinen. „Eine vegane Ernährung ist möglich, aber es ist eine tägliche Herausforderung, ausreichend Proteine, genügend Eisen und Kalzium zu sich zu nehmen und Vitamin B12 zu ergänzen“, sagte Studienautor Pierre Maechler, Professor für Zellphysiologie und Stoffwechsel an der medizinischen Fakultät der Universität Genf, gegenüber Newsweek.

„Auf Grundlage unserer Studie sollte man auch auf die Qualität der Nahrungsproteine achten und über bestimmte Lebensmittel wie Tofu, Nüsse oder Linsen genügend BCAA [drei essenzielle Aminosäuren, darunter Leucin, Isoleucin und Valin] aufnehmen“, sagte er. Damit verwies Maechler neben der ausreichenden Versorgung mit Proteinen auch auf deren qualitative Zusammensetzung.
Wie sich eine rein pflanzliche Ernährung auf die Leber auswirkte
Die Forscher wollten untersuchen, welche Auswirkungen die Umstellung von einer Ernährung mit tierischen und pflanzlichen Proteinen auf eine rein pflanzliche Ernährung auf den Körper hat. Sie verglichen zwei Gruppen von Mäusen: Eine erhielt laktovegetarische Nahrung, die sowohl pflanzliche als auch tierische Proteine enthielt, die andere vegane Nahrung. Laut Maechler war die Glukoseproduktion bei den vegan ernährten Mäusen bereits nach zwei Tagen weniger effizient. Sie hatten eine „verminderte Fähigkeit, den Blutzuckerspiegel im nüchternen Zustand aufrechtzuerhalten, wozu normalerweise die Leber unter Verbrauch von Aminosäuren beiträgt“, sagte er.
Über die Studie
Yan Zhou, Angela M. Ramos-Lobo, Tingting Fu, Hector Gallart-Ayala, Julijana Ivanisevic, Pierre Maechler (2026): Die Umstellung auf pflanzliche Nahrungsproteine erfordert funktionstüchtige GDH in der Leber für eine angemessene Kontrolle des Ammoniakhaushalts und der Energiehomöostase. Molecular Metabolism.
Die Folge sei ein „deutlicher Rückgang der spontanen körperlichen Aktivität“ gewesen, erklärte er und ergänzte, dass die Mäuse normalerweise gern auf einem eigens dafür vorgesehenen Gerät liefen. Dies sei „vollständig und rasch umkehrbar gewesen, sobald sie wieder Nahrung mit tierischem Protein erhielten“. Auch diese Nahrung habe kein Fleisch enthalten, sondern lediglich Kasein, das bei der Käseherstellung übrig bleibe (Molkenprotein), fügte er hinzu.
Die Forscher stellten außerdem eine beeinträchtigte Ammoniakregulation fest: Bei den rein pflanzlich ernährten Mäusen war die Produktion des Enzyms Glutamatdehydrogenase (GDH) verringert, das laut den Autoren „als Brücke zwischen dem Protein- und dem Zuckerstoffwechsel dient“. Dadurch sammelte sich Ammoniak im Körper an. Die langfristigen Auswirkungen der rein pflanzlichen Ernährung bei Mäusen seien „vor allem eine eingeschränkte Versorgung mit Vitamin B12 und Eisen sowie die Herausforderung, genügend Nahrungsproteine aufzunehmen“, sagte Maechler. Insgesamt führe dies zu Müdigkeit, erklärte er.
Sollten sich Veganer Sorgen machen?
Obwohl die Ergebnisse bemerkenswert sind, sehen Fachleute darin keinen Anlass zur Sorge. Dr. Neal Barnard, Medizinprofessor an der medizinischen Fakultät der George Washington University, sagte gegenüber Newsweek, diese Studie lasse sich nicht „auf die menschliche Ernährung beziehen“, da das untersuchte Enzym GDH „zwischen den Arten völlig unterschiedlich“ sei. Barnard erklärte außerdem, zahlreiche Studien hätten positive Zusammenhänge zwischen rein pflanzlicher Ernährung und der menschlichen Gesundheit festgestellt, etwa eine bessere Blutzuckerkontrolle und Lebergesundheit.
Seine Forschung von 2006 habe gezeigt, dass eine rein pflanzliche Ernährung „bei der Verbesserung der Blutzuckerwerte dreimal wirksamer war – ein Ergebnis, das seither wiederholt bestätigt wurde“. „Wir haben außerdem gezeigt, dass eine pflanzliche Ernährung die Lebergesundheit verbessert und innerhalb von 16 Wochen etwa ein Drittel des Leberfetts abbaut, sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes“, sagte er. Da Mäuse wie andere Nagetiere „andere Stoffwechselbedürfnisse haben und sich auch nicht so ernähren wie Menschen, sind Ergebnisse bei Mäusen häufig unzuverlässige Vorhersageinstrumente für die menschliche Gesundheit“.
Welche Untersuchungen als Nächstes nötig sind
Maechler zufolge muss der nächste Schritt darin bestehen, dieselbe Untersuchung am Menschen durchzuführen, zumal bislang nur wenige Studien die direkten Auswirkungen einer Ernährungsumstellung auf den menschlichen Körper untersuchen. „Die meisten Studien am Menschen betrachten die langfristige Anpassung an eine vegane Ernährung oder vergleichen Gruppen von Menschen, die bereits an eine solche Ernährung gewöhnt sind“, sagte er. Diese bisherigen Studien hätten bereits auf „das mögliche Problem eines Vitamin-B12-Mangels und einer geringen Eisenverfügbarkeit“ hingewiesen.
Er ergänzte, eine „Untersuchung der kurzfristigen Anpassung“ könne das Verständnis dafür verbessern, „welche Auswirkungen ein Wechsel der Proteinquelle hinsichtlich ihrer Qualität (weniger BCAA) hat, bevor andere mögliche Mangelerscheinungen auftreten“. Damit ließe sich der Einfluss der veränderten Proteinquelle untersuchen, noch bevor sich weitere potenzielle Defizite bemerkbar machen.