Forscher warnen: Weitere Felsstürze drohen an der Zugspitze – „Werden definitiv mehr“
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Stand: 30.09.2026, 20:04 Uhr
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Nach dem Felssturz an der Zugspitze rechnen Experten mit weiteren Abbrüchen. Der auftauende Permafrost macht den Berg zunehmend instabil.
Grainau – An Deutschlands höchstem Gipfel wird es brüchig: Nach dem spektakulären Felssturz an der Zugspitze in der vergangenen Woche gehen Wissenschaftler davon aus, dass es künftig häufiger zu solchen Ereignissen kommt. Grund ist der schwindende Permafrost im Inneren des 2.962 Meter hohen Berges, der durch den Klimawandel zunehmend auftaut.

Forscher erklärt: Kleinere Felsstürze an der Zugspitze werden „definitiv mehr“
Johannes Leinauer, Fachmann für Hangbewegungen an der Technischen Universität München, zeichnet ein besorgniserregendes Bild: „Gerade kleinere Abstürze von wenigen Kubikmetern bis wenige Zehntausend Kubikmeter werden definitiv mehr.“ Ob allerdings ein wirklich massiver Abbruch bevorstehe, sei nicht vorherzusagen. „Ob ein ganz großer Sturz zu erwarten ist, und wenn, wann, kann man pauschal nicht beantworten“, sagte Leinauer.
Um die Entwicklung künftig besser im Blick zu behalten, planen die Wissenschaftler eine dauerhafte Überwachung der Nordwand. Dafür soll ein Laserscanner beschafft werden, der die Felswand aus rund vier Kilometern Entfernung regelmäßig abtastet und so selbst kleinste Veränderungen sichtbar macht. Leinauer erklärte dazu: „So ein Absturz passiert in der Regel nicht ohne jegliche Vorwarnung.“ Typischerweise lockere sich das Gestein im Vorfeld, schiebe sich erkennbar aus der Wand heraus, wobei bereits kleinere Brocken abgehen.
Auftauender Permafrost lässt den Berg bröckeln
Am vergangenen Dienstag (22. September) hatte sich auf der Tiroler Seite der Zugspitze in schwer zugänglichem Terrain ein Felssturz ereignet, der eine weithin sichtbare Staubwolke verursachte. Nach Analyse der Experten begann der Hauptabbruch kurz vor 7 Uhr morgens, begleitet von zahlreichen kleineren Abgängen davor und danach. Selbst jetzt löst sich dort noch beständig Material. Insgesamt umfasste das Ereignis ein Volumen von etwa 13.800 Kubikmetern. Leinauer ordnete dies als „schon ein größeres Event“ ein, das jedoch in dieser Dimension an der Zugspitze alle paar Jahre vorkomme. Der Abbruch ging von einer rund 100 mal 40 Meter großen Zone in etwa 80 Grad steilem Fels auf circa 2.800 Metern Höhe aus.
Genau dort befindet sich nach Einschätzung der Forscher eine Zone mit warmem Permafrost – dauerhaft gefrorenem Boden, der das Gestein wie ein natürlicher Klebstoff zusammenhält. In einem nahegelegenen Forschungsstollen auf gleicher Höhe haben Wissenschaftler seit 2007 in 15 Metern Tiefe eine Erwärmung des Permafrosts von –1,2 auf –0,7 Grad dokumentiert. Befeuert wird dieser Prozess durch extrem heiße Sommer wie den zurückliegenden. „Die Hitze überträgt sich nur langsam ins Felsinnere. Da haben wir einen Versatz von drei Monaten zur Außentemperatur“, erklärte Leinauer. Deshalb blicken die Fachleute mit besonderer Sorge auf die kommende Zeit: „Die maximale Aufwärmung des Permafrosts erwarten wir erst in den kommenden Monaten.“ (Quelle: dpa) (bes)