Forschung gegen Depressionen: Uniklinik Jena profitiert von Förderspritze
In Thüringen geht rund jede zehnte Krankschreibung mittlerweile auf eine psychische Erkrankung zurück. Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit will das verhindern: Rund 130 Millionen Euro investieren Bund und Land in den nächsten Jahren dafür allein in Mitteldeutschland - geleitet werden die Forschungen von der Uniklinik in Jena.
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AUDIO: Forschung gegen Depressionen an Uniklinik Jena (2 Min)
Psychische Gesundheit
Was hilft gegen Depressionen? Forschung in Jena bekommt kräftige Förderspritze
Stand: 19.07.2026 06:00 Uhr
In Thüringen geht rund jede zehnte Krankschreibung mittlerweile auf eine psychische Erkrankung zurück. Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit will das verhindern: Rund 130 Millionen Euro investieren Bund und Land in den nächsten Jahren dafür allein in Mitteldeutschland - geleitet werden die Forschungen von der Uniklinik in Jena.
von Ria Weber, MDR THÜRINGEN
Die Patientin, die zu Professor Walter gekommen ist, ist keine Unbekannte. Vor zwei Jahren hatte sie ihre erste schwere depressive Episode, Ende April erwischte sie es erneut: "Ich bin hier wegen einer rezidivierenden Depression des agitierten Typs, mit viel innerlicher Unruhe, Nervosität und Angst. Vor zweieinhalb Jahren hatte ich die erste schwere Episode", berichtet sie. "Jetzt im Frühling ging es wieder los."
Sie blieb zu Hause, bekam Medikamente. "Aber das hat nicht so richtig gut funktioniert, ich bin sogar noch einmal richtig eingebrochen. Dann habe ich gesagt: Okay, jetzt ziehe ich die Reißleine und gehe in die Klinik!"
Die Forscher in Jena wollen verhindern, dass Depressionen überhaupt erst entstehen.
Jenaer Professor: Herkömmliche Therapien helfen nicht immer
Mit diesem Problem ist die junge Frau, die anonym bleiben möchte, nicht allein. Das weiß Professor Martin Walter, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Jena. "Nur bei etwa der Hälfte der Patienten mit Depressionen helfen die herkömmlichen Medikamente und Therapien, bei rund fünf Millionen Patienten wirken sie nicht so gut. Warum das so ist, müssen wir nun noch herausfinden."
Walter leitet zugleich das mitteldeutsche Forschungscluster am Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit. Das hat insgesamt sechs Standorte in ganz Deutschland. Zum mitteldeutschen Cluster gehören neben der Uni und Uniklinik Jena die Unis und Unikliniken Halle-Wittenberg und Magdeburg sowie das Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg. Für Forschungen wie zur Depression fließen nun bis 2030 rund 130 Millionen Euro in die Region.
Aufnahmen wie im MRT sind für die Forschungen wichtig, um die unterschiedliche Anatomie aber auch andere Ausfälligkeiten zu erkennen. Für die Forschungsgelder sollen auch neue High-Tech-Untersuchungsgeräte angeschafft werden.
Verstehen, wie Depressionen entstehen
Untersucht werden unter anderem die Auswirkungen entzündlicher Erkrankungen auf die geistige Gesundheit, Entwicklungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen, die bessere Früherkennung und Behandlung von ADHS und Lese-Rechtschreibschwäche oder die Wirkung einschneidender Erlebnisse - wie etwa der Wende 1989/90 - auf das Gehirn.
"Es geht dabei nicht nur um die Frage, wie man Patienten behandelt, die schon eine Erkrankung haben. Wir wollen auch wissen, ob wir verhindern können, dass Menschen psychisch krank werden", sagt Walter. "Was sind Einflussfaktoren? Was sind vielleicht auch Dinge, die in der Geschichte, der Biografie der Menschen liegen?"
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Spezialität: Magnet stimuliert Gehirn
Ein Ziel des mitteldeutschen Forschungsverbundes ist es, bessere medizinische Leitlinien für die Behandlung aufzustellen. Davon könnte auch die junge Patientin in der Jenaer Klinik profitieren. Sie bekommt neben ihrer medikamentösen Therapie zusätzlich Transkranielle Magnetstimulationen. Dabei induziert eine Magnetspule einen schwachen Stromfluss im Gehirn, der die Nervenzellen aktiviert und so quasi wieder ins Lot bringt.
Bei der Transkraniellen Stimulation können über- und unterregulierte Regionen im Gehirn wieder ins Lot gebracht werden.
"Wir im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit, insbesondere an unserem mitteldeutschen Standort, verstehen das Gehirn als Netzwerk. Als Zusammenspiel von Regionen, die stärker aktiviert sind, und solchen, die weniger stark aktiviert sind. Wenn die eine Region hochfährt, wird die andere runterreguliert", erklärt Professor Martin Walter.
Depression stört Regulation
Genau diese Regulation funktioniere bei der Depression aber nicht. Walter erklärt deshalb: "Wenn wir jetzt die Regionen, die zu schwach aktiviert sind, mit der Transkraniellen Magnetstimulation wieder stärken, dann können wir auch dafür sorgen, dass andere Regionen, die zu stark aktiviert sind, wieder etwas runterreguliert werden."
Im Falle der Magnetstimulation geht es darum, den jeweils wirksamsten Punkt für die Behandlung im Gehirn zu finden. Die Anatomie der Organe der unterschiedlichen Patienten sei schließlich nicht gleich.
MDR (dst)