Frankfurt Skyliners mit SIeg im Euro Cup: „Wir haben unseren Stolz gezeigt“

Durch eine Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit erringen die Frankfurt Skyliners den ersten Saisonsieg auf internationalem Parkett. Für Trainer Perwas ist es ein besonderer Erfolg – mit freudigem Nachspiel.

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Frankfurt Skyliners mit SIeg im Euro Cup: „Wir haben unseren Stolz gezeigt“

Was hinter verschlossenen Türen in der Frankfurter Mannschaftskabine passiert ist, war auch ohne Kenntnis der genauen Sachlage offensichtlich. Es muss am Dienstagabend in der Ballsporthalle etwas gewesen sein, was den Skyliners-Spielern reichlich Spaß bereitet hat. Denn nach außen drang ein kollektiver und zügelloser Aufschrei der Begeisterung. Partystimmung bei den Profis nach dem 79:71-Heimsieg im Euro Cup über Litauens Vertreter Siauliai Basketball.

Aufbauspieler Thomas Klepeisz (neun Punkte in knapp 23 Minuten Spielzeit) war dann das erste Teammitglied, das sich im Kabinengang blicken ließ, wohlgemerkt barfuß, aber ansonsten noch in voller Spielermontur. Mit vergnügtem Gesichtsausdruck gab der 35-Jährige Einblick in die zurückliegenden Geschehnisse. Dabei offenbarte Klepeisz auf einmal Erinnerungslücken, weil er nicht mehr sagen konnte oder wollte, wessen Idee es war, Trainer Klaus Perwas mit Wasser vollzuspritzen.

Eins aber stand fest: Alle waren bei diesem Nachspiel leidenschaftlich mit von der Partie – und freuten sich diebisch über die Wasserdusche, der sich ihr Vorgesetzter unfreiwillig unterziehen musste.

Klaus Perwas trat ein paar Minuten später in Erscheinung. Im europäischen Wettbewerb ist die Pressekonferenz ein Pflichttermin. Seinem Haar war der ungewohnte Exzess anzusehen. Die Hose des Headcoaches entpuppte sich ebenfalls als patschnass. Nur sein weißes Anzughemd trug er nicht mehr, hatte sich doch auf die Schnelle ein Klub-T-Shirt als Ausweich-Accessoire gefunden. Perwas, der sich mit gequältem Gesichtsausdruck präsentierte, nahm den Akt nicht unkommentiert hin.

„Danke ans Publikum für die Unterstützung!“, sagte der Trainer zunächst, nachdem er auf dem Podium Platz genommen hatte. Das meinte er ernst. „Und danke für die Wasserdusche an die Spieler!“ Jetzt steckte seine Aussage voll beißender Ironie. Unter dem Motto, die Wasserspiele hätten sie sich auch sparen können.

Für Trainer Klaus Perwas war es der erste Erfolg in Europa

Immerhin hatte der spontane Streich seiner Spieler einen schönen Hintergrund: In der Rolle des Cheftrainers durfte sich der 55-Jährige über seinen ersten Erfolg überhaupt auf internationaler Bühne freuen. Das musste aus Spielersicht gebührend gefeiert werden.

Ein Erfolg, der wichtig für die Skyliners war. Von den acht Teilnehmern der Gruppe B im zweithöchsten europäischen Wettbewerb der Union des Ligues Européennes de Basketball (ULEB) verzeichnen sechs Mannschaften nun je einen Sieg und eine Niederlage. Die besten vier Vereine der insgesamt vier Gruppen erreichen am Ende das Achtelfinale. So gesehen war der heimische Auftakterfolg über die Litauer, die nicht zu den stärksten Kräften gezählt werden, nach der krachenden Premierenniederlage in Venedig ein „Must-win“, wie es Frankfurts Kapitän Till Pape ausdrückte.

Allerdings einer, der erst nach hartem Kampf und einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Spielhälfte zustande gekommen war. Ein gleichbleibend hohes Niveau ist den Frankfurtern auf dem Parkett noch nicht zu eigen. Nach einem ganz guten Beginn sei das zweite Viertel dann „unterirdisch“ gewesen. „Vor allem was die Bereitschaft angeht – sowohl untereinander als auch kurz nach der Halbzeit“, kritisierte der Trainer sein Team.

Treffsicher: Judah Mintz (links) war mit 16 Punkten Frankfurts Topscorer.
Treffsicher: Judah Mintz (links) war mit 16 Punkten Frankfurts Topscorer.Imago

Doch es kann auch anders. Nämlich viel besser mit Erfolg und Zielstrebigkeit sowie der nötigen Härte zusammenspielen. „Dann haben wir quasi 15 Minuten lang diese Griffigkeit und einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen“, führte Perwas fort. Aus einem 34:47-Rückstand machten die Skyliners zunächst ein 49:52 zum Abschluss des dritten Viertels, bevor sie im Schlussviertel 69:64 in Führung gingen. Selbst der 69:69-Ausgleich des Gegners brachte sie nicht mehr vom Erfolgsweg ab.

Im Hinblick auf die Wankelmütigkeit seiner Mannschaft ist Perwas wachsam, das kündigte er an. „Das scheint irgendwie in uns drin zu sein. Aber ich weiß immer nicht, ob es erst dazu kommen muss, dass wir auf eine andere Temperatur schalten, ein bisschen besser zupacken und tougher spielen.“ Die Konsequenz: „Das ist etwas, woran wir arbeiten müssen“, sagte der Trainer.

Und wird damit Gehör bei Roman Bedime (elf Punkte, elf Rebounds) gefunden haben. Stellvertretend für seine Mannschaftskollegen gelobte er, aus diesem Sieg mitnehmen zu wollen, „dass wir über 40 Minuten als Team füreinander da sein müssen“. Wie das praktisch funktionieren kann, führten die Frankfurter am Dienstag im gewinnbringenden Endspurt vor. „Wir haben unseren Stolz gezeigt, gekämpft und dadurch wieder besser ins Spiel gefunden“, sagte Bedime. Alle drei Heimspiele in der Bundesliga, im Pokal und im EuroCup haben die Skyliners gewonnen. Mit dieser Bilanz sind sie auf dem Weg zu einer Macht vor eigenem Publikum.

1450 Zuschauer erfreuten sich diesmal größtenteils an der Aufholjagd der Skyliners. Auch der Publikumszuspruch ist noch steigerungsfähig. Mitten im Spiel erfuhren die Anhänger vom neuen „Eurocup-Shirt“, das der Klub unter dem Schlagwort: „Skylight des Tages“ bewarb. Wer es erwerben wollte, musste in der Halle ein paar Schritte bis zum Verkaufsstand gehen. Ob das Utensil ein Renner wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Klaus Perwas hat am Dienstag die Erfahrung gemacht, dass Ersatzkleidung jedenfalls nicht schaden kann.