Frieden in der Berliner Westernstadt: „Old Texas Town“ darf jetzt doch bleiben – so sieht der neue Deal aus

Das Kriegsbeil wird im Berliner Havelsand begraben: Im langen Streit um die traditionsreiche Berliner Westernstadt „Old Texas Town“ wurde nun doch eine Einigung erzielt. Das teilte Spandaus Bürgermeister Frank ...

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Frieden in der Berliner Westernstadt: „Old Texas Town“ darf jetzt doch bleiben – so sieht der neue Deal aus

Das Kriegsbeil wird im Berliner Havelsand begraben: Im langen Streit um die traditionsreiche Berliner Westernstadt „Old Texas Town“ wurde nun doch eine Einigung erzielt. Das teilte Spandaus Bürgermeister Frank Bewig (CDU) gemeinsam mit den Cowboys und dem Eigentümer des Grundstücks am Freitag mit. „Wir sind erleichtert“, so Bewig zum Tagesspiegel.

Die Cowboystadt steht seit 1968 an der Paulsternstraße im Berliner Ortsteil Siemensstadt (mit Saloon, Galgen und 20 Hütten) und hat keine große Zukunft. Eigentümer ist ein Berliner Immobilienentwickler, der sein Grundstück vermarkten will und deshalb dem Westernclub im Sommer 2025 gekündigt hat. Nebenan wächst schließlich das Milliardenprojekt Siemens-Campus. Deshalb ist der Bau eines Rechenzentrums im Industriegebiet im Gespräch, was aber bisher laut dem städtebaulichen Vertrag nicht erlaubt war.

Auch The Boss Hoss kämpften für die Westernstadt

Für die Erhaltung der Westernstadt hatten knapp 12.000 Menschen eine Unterschriftenliste unterzeichnet. Auch die Rockband „The Boss Hoss“ hatte für das Gelände gekämpft. Die SPD sprach von einer „roten Linie“, die nicht überschritten werden dürfe.

Andre GörkeAndre Görke  Westernstadt Berlin Spandau Old Town Texas in Siemensstadt an der Paulsternstraße - hier mit mit Jack Hunter (weißer Mantel, weißer Hut) und Sascha Vollmer von Boss Hoss
Sascha Vollmer von The Boss Hoss, hier beim Tagesspiegel-Fototermin mit den Mitgliedern des Westernvereins.

© André Görke 

Das Fort befindet sich etwas versteckt in einem Industriegebiet an der Paulsternstraße, zwischen Aldi-Filiale, Baumarkt, Metro und einem großen Fitnessstudio.

Berlin Old Texas Western Town in Spandau
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das Zugangstor zum Fort steht neben Aldi und einem Fitnessstudio.

© Kai-Uwe Heinrich TSP

Am 3. Oktober 2026 wird gefeiert

Ein Kompromiss hatte sich bereits vor den Sommerferien angedeutet. Jetzt also die Unterschrift: Der Westernverein kann sein Gelände in Berlin-Siemensstadt weiter nutzen und zu Cowboy- und Familienfesten einladen – bis zum Sommer 2032. Der Verein lädt bereits zu Herbstfesten aufs Gelände, zum Beispiel am 3. Oktober und am 7. November, jeweils ab 18.30 Uhr.

...und auch im Innern ein echter Hingucker. Eigentlich müsste das alles jetzt schnell abgerissen werden.

Auch im Innern ein echter Hingucker. Der Saloon.

© André Görke 

2032 soll das Gelände dann vom Eigentümer geräumt werden. Die alten Hütten sind nicht zu retten; den Abriss hätte der Verein (45 Mitglieder) alleine ohnehin nicht finanzieren können. Bis dahin zahlt der Verein eine schmale Pacht an den Eigentümer. Die lag zuletzt bei einem Euro pro Jahr für das 10.000 Quadratmeter große Grundstück.

Bis Sommer 2032 können die Cowboys feiern

Ab 2033 ist eine neue Bebauung möglich. Geplant werden könnte dann etwa eine Bowlinghalle für das neue Stadtquartier – oder ein Rechenzentrum, sofern dafür in einigen Jahren noch Bedarf besteht.

André Görke

Sie haben hier einen Saloon, ein Gefängnis, Pferdeställe und auch Galgen.

© André Görke 

Offiziell wurde das am Freitag etwas sperriger formuliert, nämlich so: „Für die künftige Entwicklung des Areals haben sich Bezirk und Eigentümerin auf ein Nutzungskonzept verständigt, das freizeit- und erlebnisbezogene Angebote, innovations- und technologieorientierte Nutzungen im Umfeld des benachbarten Zukunftsortes Siemensstadt Square sowie Büro- und Dienstleistungsnutzungen vorsieht.“

Das sagen Bürgermeister und Cowboychef

Die Erleichterung ist aber von allen drei Seiten hörbar. „Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, für Old Texas Town und das Grundstück an der Paulsternstraße eine Lösung zu finden, die allen Seiten gerecht wird“, sagte Bürgermeister Frank Bewig am Freitag. „Mir war von Anfang an wichtig, dass wir keine Schnellschüsse machen, sondern in intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten eine tragfähige Brücke bauen – zwischen dem Erhalt eines Stücks gelebter Spandauer Geschichte und der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Bezirks.“

1968

zog der Verein auf das heutige Gelände.

Auch Ober-Cowboy Ralf Keber alias Jack Hunter („Im normalen Leben bin ich Rentner in Falkensee“) kann mit der Perspektive gut leben: „Wir sind unglaublich erleichtert, dass Old Texas Town vorerst an ihrem angestammten Standort weiter bestehen kann. Nach Monaten der Ungewissheit ist das eine große Erleichterung für unsere Mitglieder und alle Besucherinnen und Besucher.“ Der 68-Jährige leitet den Verein seit 2008.

Berliner Firma will das Grundstück entwickeln

Auch Jochen Ehlers, Geschäftsführer der Berliner Unternehmensgruppe Dr. Aldinger & Fischer mit Sitz in Grunewald und schon seit 1991 am Markt, klingt versöhnlich: „Mit dem jetzt gefundenen Kompromiss können beide Ziele erreicht werden.“ Nach Angaben von Bürgermeister Bewig hätte Spandau eine jahrelange Brache gedroht („ein echter Schandfleck“), wäre es nicht zu einem Kompromiss gekommen. Zuletzt beschäftigten sich bereits Gerichte mit dem Streit.

Der Verein „Old Texas Town“ besteht aus 45 Vereinsmitgliedern, „vom kleinen Kind über den Jugendlichen und IT-Fachmann und Handwerker bis hin zum Rentner“, hat Vereinschef Hunter mal im Tagesspiegel erzählt. „Wir haben großen Spaß am Wilden Westen und wollen zeigen, wie man dort nach dem Bürgerkrieg um 1870 gelebt hat, mit Tänzen, Show, Kostümen, Bräuchen, aber auch mit Saloon, Westernkirche oder Postkutsche. Wir haben alles per Hand in Spandau aufgebaut, wie eine Modellbaulandschaft – nur halt viel größer, im Maßstab 1:1.“

Wir sind ein Westerndorf mit U-Bahnanschluss, weil der U-Bahnhof der Linie U7 gleich um die Ecke liegt.

Jack Hunter, Chef der Westernstadt

„Wir sind ein Westerndorf mit U-Bahnanschluss, weil der U-Bahnhof der Linie U7 gleich um die Ecke liegt. Und weil wir im Gewerbegebiet von Siemensstadt liegen, sind die Lärmvorschriften auch lockerer. Hier finden auch Hochzeiten oder Betriebsfeiern statt. Deshalb haben wir einen elektrischen Bullen oder bieten Hufeisenwerfen an. Und manchmal kann man uns auch für eine Showeinlage buchen“, so Hunter.

Der Verein selbst wurde 1950 auf der anderen Straßenseite der Nonnendammallee gegründet, musste dann aber dem Ausbau des Kraftwerks Reuters weichen. Seit 1968 hat der Klub seinen Sitz an der Paulsternstraße. „Nicht einmal die Kleingärtner hatten Interesse an der Wüste“, heißt es in der Vereinschronik. Doch die Zeiten haben sich geändert. Spandau boomt – auch dank des Milliardenviertels von Siemens.

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