Friedensnobelpreis 2026: Trump hält sich für würdig, Wettmärkte setzten auf Hilfsorganisation
125-jähriges Jubiläum Friedensnobelpreis 2026: Trump hält sich für würdig, Wettmärkte setzten auf Hilfsorganisation 287 Nominierungen gingen Anfang des Jahres in Oslo ein. Auch auf Online-Wettplattform...
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125-jähriges Jubiläum
Friedensnobelpreis 2026: Trump hält sich für würdig, Wettmärkte setzten auf Hilfsorganisation
287 Nominierungen gingen Anfang des Jahres in Oslo ein. Auch auf Online-Wettplattformen wird auf die Kandidaten und Kandidatinnen gewettet. Mit Livestream
Clemens Cerny
2026 fiel die Zahl der Nominierungen für den Friedensnobelpreis erstmals wieder auf unter 300. Aus 208 eingereichten Einzelpersonen und 79 Organisationen wird am 9. Oktober in Oslo der Sieger oder die Siegerin verkündet. Überprüfen lassen sich Nominierungen nicht, die Listen bleiben für jeweils 50 Jahre geheim; auf die tatsächlichen Kandidaten kann man nur aus einzelnen Statements mutmaßen. Einschlägige Medien berichten, dass auch Papst Leo XIV. neben Julia Nawalnaja, der Witwe des in Gefangenschaft verstorbenen russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny auf der Liste stehen könnten. Auch Greta Thunberg sei wieder im Gespräch.
Wetten auf Hilfsorganisation
Auf Wettmärkten liegt allerdings die sudanesische Hilfsorganisation "Emergency Response Rooms", kurz "ERR" in Führung. Das Netzwerk, bestehend aus zehntausenden Freiwilligen, verteilte im Bürgerkrieg Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente, stellte Notunterkünfte zur Verfügung und organisierte Kommunikationsstrukturen in Gebieten, die für internationale Hilfsorganisationen unzugänglich sind. Hierfür erhielt die Organisation bereits im Jahr 2025 den "Right Livelihood Award", der auch als alternativer Nobelpreis gilt.
Die Organisation liegt auf der Wett- und Prognoseplattform "Polymarket" mit einer 15-prozentigen Gewinnwahrscheinlichkeit vorn. Auf Platz zwei liegt Mykola Kuleba, ukrainischer Kinderrechtsaktivist und Leiter der Nichtregierungsorganisation Save Ukraine mit 10 Prozent. Er ist Pionier der ukrainischen Kinderrechtsbewegung. Diese will Kinder aus von Russland okkupierten Gebieten bringen und kämpft gegen sowjetische Erziehungspraktiken an. Die gleichartige Wettplattform "Kalshi" zeigt ein ähnliches Ergebnis.
Frieden in der Arktis
Laut Medien könnten sich unter den Nominierten auch die US-Senatorin Lisa Murkowski sowie die aus Grönland stammende Abgeordnete im dänischen Parlament, Aaja Chemnitz finden. Scheinbar wurden sie von einem dänischen Abgeordneten für ihren Einsatz für friedliche Entwicklungen in der Arktis nominiert. Die Region war zuletzt durch Trumps Bemühungen um die Annexion Grönlands in Spannung geraten.
Einige Medien berichten außerdem von einer Nominierung des palästinensischen Arztes Hussam Idris Abu Safiya. Der Kinderarzt und Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses im Gazastreifen wurde bei der Zerstörung der Klinik Ende 2024 von der israelischen Armee festgenommen und sitzt seitdem ohne Anklage in Haft. Er wird von Israel verdächtigt, einen wichtigen Rang innerhalb der Hamas zu besetzen. Der Palästinenser war zudem leitender Arzt für den Gazastreifen der NGO "MedGlobal".
Trumps neuer Versuch
Unter den nominierten Einzelpersonen kommt man auch dieses Jahr womöglich nicht um den selbst ernannten Friedensstifter und Konfliktlöser herum: Donald Trump. Da unter anderem Staatsoberhäupter aus aller Welt berechtigt sind, andere zu nominieren, steht im Raum, dass die Regierungschefs von Israel, Pakistan und Kambodscha für ihn gestimmt hätten. Er selbst sieht sich auch heuer wieder als würdiger Preisträger. Die Entscheidung, ihm den Friedensnobelpreis bisher nicht zu verleihen, sieht er als "große Schmach" für das Nobelkomitee, erklärte der US-Präsident am Mittwoch.
Die Gewinnchancen des US-Präsidenten gehen aber auch dieses Jahr gegen null. Dafür wurde er in diesem Jahr bereits mit anderen Preisen wie dem eigens für ihn erschaffenen "FIFA Peace Prize", aber auch dem "Architect of Peace Award" der Richard Nixon Foundation ausgezeichnet.
Als US-amerikanische Streitkräfte Anfang 2026 Venezuela überfielen und den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro entführten, wollte die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado den 2025 erhaltenen Friedensnobelpreis an Trump weitergeben, beziehungsweise mit ihm teilen. Das Nobelpreiskomitee stellte aber klar, dass der Preis nicht weitergegeben oder geteilt werden könne, dennoch überreichte Machado wenig später dem US-Präsidenten zumindest die Nobel-Medaille.
Weniger friedliche Gewinner
Auch aberkannt kann der Preis nicht werden. Immer wieder wird das hinsichtlich Preisträgern aus der Politik diskutiert, deren Friedensbemühungen nach der Auszeichnung recht gering ausfielen. Einer der Gewinner des Friedensnobelpreises von 1978 war der damalige, höchst umstrittene, israelische Ministerpräsident Menachem Begin. Eigentlich wollte man nur dem ägyptischen Präsidenten Anwar Al Sadat den Preis für seinen Friedenskurs mit Israel verleihen. Das Komitee sah sich allerdings in der Pflicht, auch Begin den Preis für die "gemeinsame Versöhnungspolitik" zu verleihen.
Auch die Verleihung an das damalige US-Staatsoberhaupt Barack Obama stand von Beginn an heftig in der Kritik. Obama erhielt den Friedensnobelpreis bereits 2009, in seinem ersten Amtsjahr. Grund waren seine "außergewöhnlichen Bemühungen um eine Stärkung der internationalen Diplomatie und Zusammenarbeit zwischen den Völkern" – die nach ein paar Monaten Amt logischerweise noch wenig konkret ausfielen. Auch das Festhalten am Einsatz von Kampfdrohnen und Folterungen in Guantánamo Bay während seiner Amtszeit ernteten vor allem im Kontext der Nobelpreisverleihung scharfe Kritik. (Clemens Cerny, 7.10. 2026)
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